Reinhard Müller: Integration erfordert Mut, Hartnäckigkeit und das Durchhaltevermögen engagierter Menschen

Reinhard Müller äußert sich im TLZ-Interview zur Integrationspolitik des LandesNeudietendorf/Weimar, 22. Februar 2016. Die langfristige soziale Integration der Zugewanderten in die Gesellschaft ist die große Aufgabe, vor der Thüringen steht. "Das wird lange dauern und da benötigen wir den Mut, die Hartnäckigkeit und das Durchhaltevermögen von engagierten Menschen", erklärte der Landesgeschäftsführer des PARiTÄTISCHEN, Reinhard Müller, in einem Interview mit der TLZ (Montagausgabe).  Jetzt gelte es, die richtige Aufgabenteilung zwischen Politik und Zivilgesellschaft hinzubekommen, so Müller. "Wir haben ein Aufgabengeflecht, was gut funktionieren kann. Die Politik hat dabei die Aufgabe, die Rahmenbedingungen zu schaffen, die konkrete Ausgestaltung ist Sache der Zivilgesellschaft", so der Landesgeschäftsführer in dem TLZ-Interview. Zivilgesellschaft sei der Kitt der Gesellschaft.

Ausdrücklich nahm Müller die Politik gegen die allgegenwärtige Kritik aus der Bevölkerung in Schutz. "Was haben die Leute, die die Politiker kritisieren, denn für eigene Vorstellungen? Es gibt nun mal keinen Masterplan, den man einfach eben mal aus der Tasche ziehen kann." Es müsse vieles versucht werden, insbesondere, wenn es darum gehe, auf welchen Wegen Integration zu schaffen sei. Müller verwies in dem Interview auch auf die zahlreichen Initiativen des Paritätischen in diesem Bereich, unter anderem auf die sehr erfolgreiche Ausbildung zu Flüchtlingspaten.

Nach Einschätzung Müllers bekommt die Gesellschaft jetzt die Folgen der Sozialkürzungen der vergangenen Jahre zu spüren. Gerade Einrichtungen im Bereich der vorausschauenden Arbeit seien erheblich zurückgebaut worden. Er nannte als Beispiele die Schulsozialarbeit oder auch Jugendzentren sowie die drastischen Einschnitte bei der Arbeit von Beratungsstellen. Die jetzt durch die Zuwanderung auf die Gesellschaft zukommenden Aufgaben seien von der Menge her eigentlich lösbar. Es mangele aber daran, dass die vom Staat zur Verfügung gestellte Infrastruktur nicht adäquat vorhanden sei. Bei der neuen Landesregierung stelle er durchaus eine Reihe strategischer Überlegungen fest, wieder in diese Bereiche zu investieren, so Müller. Aber das falle schwer, wenn die Rahmenbedingungen nur beschränkte Aktivitäten zuließen.  Dort, wo intakte Sozialstrukturen vorhanden seien, gelinge auch die Integration der Geflüchteten leichter als anderswo. Müller nannte als Beispiel den Drosselberg in Erfurt, wo der Paritätische gemeinsam mit dem Family-Club das Sozialraumprojekt "Willkommen im Quartier" angestoßen habe.

Der Landesgeschäftsführer würdigte insbesondere die Arbeit der zahlreichen Ehrenamtler und sprach von einer "phantastischen Leistung". "Das was hier an Nächstenliebe passiert, wird oft leider durch die lauten Töne, die wir zu oft hören, übertönt.  Die Leistung der Ehrenamtler müsse anerkannt werden, die ehrenamtlich Tätigen benötigten gute Schulungen, Unterstützung und vielfach auch Beratung. Die Politik solle dieses Feld stärker unterstützen.

Das Interview im Wortlaut lesen Sie im Anhang zu diesem Text

 

 

Tags: Reinhard Müller, Migration, Integration

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