Gleiches Recht für jedes Kind: Geflüchtete Kinder brauchen Halt und Stabilität

Erfurt, 17. Mai 2016. Ein Drittel der Flüchtlinge, die in der Bundesrepublik angekommen sind, sind Kinder und Jugendliche.  Gerade diese Gruppe braucht für ihre persönliche Entwicklung Halt und Stabilität. Die Lebenssituation der Familien und Kinder ist allerdings eher durch Unsicherheit geprägt. Für viele ist unklar, ob sie eine Zukunft in Thüringen erhalten oder wieder abgeschoben werden. "Gleiches Recht für jedes Kind" ist der programmatische Titel einer Fachtagung, die am morgigen Mittwoch, 18. Mai, in der Fachhochschule Erfurt stattfindet. Dazu werden 230 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet. Veranstalter sind der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Thüringen, die Fachhochschule Erfurt, der Thüringer Flüchtlingsrat und die Landeszentrale für politische Bildung
Thüringen erwarten am 18. Mai in der Fachhochschule Erfurt


Die öffentliche Debatte über die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen hat sich seit dem Jahresanfang von einer Willkommenskultur in 2015 zu einer Diskussion über Kontingente,  Obergrenzen, Erwartungen und Forderungen entwickelt. Dabei ist der Zuzug von Flüchtlingen nach Thüringen nicht mehr so hoch wie im letzten Jahr. Daher sollte der Blick darauf  gelegt werden, die Integration derer, die bereits angekommen sind, zu fördern und die Rahmenbedingungen zu stärken.

Doch Kinder und deren Rechte spielen in der Debatte kaum eine Rolle. Sie geraten schnell aus dem Blick, obwohl der Schutz der Kinder doch oft einen Fluchtgrund für die Eltern darstellte. Auch für das Ankommen und die Integration anderer Familienmitglieder spielen sie eine bedeutende Rolle bspw. als Sprachmittler.
Ein Drittel der Flüchtlinge, die in der Bundesrepublik angekommen sind, sind Kinder und Jugendliche. Davon sind viele unter zehn Jahren. Die Familien und Kinder finden den Weg zu Angeboten der Sozialen Arbeit, Kinder gehen in die Kita oder die Schule. Aber die Lebenssituation der Familien und Kinder ist von Unsicherheit geprägt. Für viele ist
unklar, ob sie eine Zukunft in Thüringen erhalten oder wieder abgeschoben werden.

Doch nach einer Flucht ist Sicherheit in einem aus den Fugen geratenen Leben ein wichtiges Kriterium. Gerade Kinder und Jugendliche benötigen für ihre persönliche Entwicklung Halt und Stabilität. Je mehr sie geschützte und fördernde Lebensräume vorfinden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, einen guten Weg ins „neue“ Leben zu finden. Dieses Recht steht ihnen auch nach Artikel 22 der UN-Kinderrechtskonvention zu. Wenn Kinder Sicherheit empfinden und wir ihnen Teilhabe ermöglichen, machen sie schnell Integrationsfortschritte. Die Initiativen von Vereinen und Kommunen wie auch ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter*innen bilden einen wichtigen Beitrag, diese Kriterien zu erfüllen. Dennoch bleiben Flüchtlingskinder immer noch häufig vom gesellschaftlichen
Leben ausgeschlossen, weil es an Angeboten fehlt, die ihrer besonderen Lebenssituation
gerecht werden.

Nach der ersten Tagung „Zwischen Flucht und neuer Heimat“ im Herbst 2015 wollen die Veranstalter mit dieser Tagung die Bedeutung der Kinderrechte für die Arbeit mit und Angebote für geflüchtete Familien und Kinder wie Jugendliche in den Blick nehmen. Eingangs gibt es einen Überblick über die Situation von Flüchtlingskindern in Deutschland. Im Weiteren wird in Workshops aus der Perspektive des Kindes durch Praxisbeispiele und Initiativen
der Austausch zu Fachthemen und Gelingenskriterien in Angeboten für Kinder, Jugendliche und Familien angeregt.

Tags: Flüchtlinge, Kinderschutzbund, Carsten Nöthling, Geflüchtete, Geflüchtete Kinder

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