Bertelsmann-Studie unterstreicht Forderung des Paritätischen: Kitas in Thüringen qualitativ ausbauen

Neudietendorf, 29. Juni 2016. Die Ergebnisse der neuen Bertelsmann-Studie sind für den Paritätischen ein Beleg für die Position des Verbandes, dass ein beitragsfreies Kita-Jahr in Thüringen erst ein zweiter Schritt nach einem qualitativen Ausbau der Kitas in Thüringen sein kann. Im Fokus der aktuellen Debatte in Thüringen sollte – gerade vor dem Hintergrund der neuen Studie – die Frage stehen, wie die Kitas personell und sachlich besser gestellt werden können. Nach der Berteismannstudie fehlen in Thüringen 8100 ErzieherInnen in den Kitas. Erst durch diese Neueinstellungen sei die Betreuungsqualität zu verbessern. Das würde jährlich rund 376 Millionen Euro kosten. Eine Vollzeit-Fachkraft ist nach dieser Studie im Schnitt für 5,3 Krippen- oder 11,4 Kindergartenkinder zuständig. Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt für die Kinder ab drei Jahren einen Betreuungsschlüssel von 1:7,5, bei den unter Dreijährigen von 1:3.


Der Paritätische Gesamtverband fordert eine Qualitätsoffensive von Bund und Ländern für Kitas und Krippen in Reaktion auf die Studie der Bertelsmann-Stiftung. Der Verband kritisiert, dass Deutschland was die Qualität und insbesondere den Fachkräfteschlüssel angeht, einem „Flickenteppich“ gleicht. „Es kann nicht sein, dass die Bildungschancen eines Kindes vom Wohnort abhängen und ein Kind in Mecklenburg-Vorpommern in fast doppelt so großen Gruppen betreut wird wie in Baden-Württemberg“, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. „Unter solchen Voraussetzungen kann von gleichwertigen Lebensverhältnissen wie sie das Grundgesetz einfordert, für Kinder im Vorschulalter kaum die Rede sein. Gleichwertige Lebensbedingungen bedeuten für Kinder insbesondere auch gleichwertige Bildungschancen.“

Die eingeforderte Qualitätsoffensive soll das Ziel haben, zu vergleichbaren, guten Standards für die Kinder in allen Regionen zu gelangen. Dafür müsse zwingend auch mehr Geld ins System. Der Paritätische sagt dabei Familienministerin Schwesig seine Unterstützung zu, wenn es darum gehe, zu verbindlichen Verabredungen mit den Ländern über gute Qualität und sichere Finanzierung zu gelangen.

Der Paritätische steht prinzipiell für die Forderung „Gleiche Bildungschancen für alle“. Niedrigschwellige Zugänge zu Bildungseinrichtungen sollten ermöglicht und diese nach Möglichkeit kostenfrei den Familien angeboten werden. Dazu müssen aber die strukturellen Voraussetzungen stimmen. Dazu zählt für den Paritätischen insbesondere, dass die Relation zwischen Fachkraft und Kindern den erforderlichen Bedarfen gerecht wird.

Dringend verbessert muss – auch nach der Studie der Bertelsmann-Stiftung – der Personalschlüssel für die Kinder ab drei Jahren. Diese Gruppe ging bei der letzten Kita-Novelle 2010 bei der Verbesserung des Betreuungsschlüssels leer aus.

Der Paritätische weist auch darauf hin, dass auf die Kitas neue und umfangreiche Aufgaben durch die Betreuung der Kinder aus Flüchtlings- und Asylbewerberfamilien hinzukommen.

Tags: KiTa, Beitragsfreies Kita-Jahr, Kita-Personalschlüssel

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