Trotz kräftiger Rentenerhöhung droht vielen weiter die Altersarmut

Landesgeschäftsführer Reinhard MüllerNeudietendorf, 1. Juli 2016. Die zum heutigen 1. Juli erfolgte Rentenerhöhung um 5,95 Prozent in Ostdeutschland bedeutet für viele Menschen, gerade am unteren Rand der Einkommensskala, eine finanzielle Entlastung. Aus dieser Perspektive betrachtet, begrüßt der Paritätische in Thüringen das kräftigste Plus bei der Altersversorgung seit mehr als zwei Jahrzehnten. Andererseits müsse man aber auch bedenken, dass das Rentenniveau in Ostdeutschland immer noch niedriger sei als im Westen, sagt  Landesgeschäftsführer Reinhard Müller in einer Stellungnahme für die heutige Ausgabe der Thüringischen Landeszeitung (TLZ).  Deshalb müsse bei einer Bewertung der prozentualen Rentenerhöhung auch das Niveau, von dem aus erhöht werde, beachtet werden. "Das heißt, für viele Rentner im Osten fällt die reale Erhöhung niedrig aus", so Müller


Zumal: Für immer mehr Menschen in Ostdeutschland reicht die Rente allein nicht mehr aus, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. 2014 – so zeigt es das aktuelle Gutachten des Paritätischen zur sozialen Lage in Deutschland – bezog fast jeder Zweite eine Rente, die geringer als 750 Euro im Monat war.
Die aktuelle kräftige Rentenerhöhung löst nach Einschätzung des Paritätischen nicht die Probleme der Rentenversicherung in Deutschland. "Viele Ostdeutsche, die in den nächsten Jahren in Rente gehen, haben gebrochene Erwerbsbiografien durch Zeiten der Arbeitslosigkeit", sagt Müller der TLZ. "Das Alterssicherungsniveau in Ostdeutschland steht und fällt mit der gesetzlichen Rentenversicherung, deren Leistungsfähigkeit nicht weiter geschwächt werden darf."
Der Paritätische warnt vor den geplanten weiteren Absenkungen des Niveaus der gesetzlichen Rentenversicherung. Vor allem in Ostdeutschland bedeute das für viele Menschen Altersarmut. Studien zufolge werde die Altersarmut in Thüringen bis 2021 von derzeit 3,3 Prozent auf dann acht Prozent ansteigen. Etwa jeder achte Rentner im Freistaat werde dann im Alter arm sein. Denn eine betriebliche Altersversorgung, wie in Westdeutschland, haben die meisten RentnerInnen in Ostdeutschland nicht. Die Paritätische Studie zeigt: 99 Prozent der RentnerInnen im Osten beziehen Leistungen aus der Rentenversicherung, aber nur ein Prozent zusätzlich solche der betrieblichen Altersvorsorge. Im Westen liegt der Prozentsatz der Betriebsrenten deutlich höher, mit denen man die Rente aufbessern kann.
Eine durchgreifende Rentenreform in Deutschland kann nach Meinung des PARiTÄTISCHEN aus folgenden Schritten bestehen:
Anhebung und Stabilisierung des Rentenniveaus
Armutsfeste Ausgestaltung der Altersgrundsicherung.

Tags: Rentenniveau, Rente, Renten

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