Mentoren-Modell des Paritätischen findet bei jungen Japanern großes Interesse

Die japanische Delegation mit Diana Paschek und Brigitte SchrammNeudietendorf, 12. August 2016. Für Kanako Kishi und Reira Yanagawa steht fest: So ein ausgeprägt gutes und schon früh einsetzendes Mentoren-Modell wie in den Paritätischen Unternehmen würden sie sich auch in ihrem Heimatland Japan in den Unternehmen wünschen. Die beiden japanischen Studentinnen gehören zu einer Delegation junger Berufstätiger aus Japan, die sich 14 Tage lang in Betrieben in Deutschland umgesehen haben. Eine Woche lang war die 17-köpfige Gruppe in Thüringen unterwegs und sammelte Eindrücke vom Firmenalltag in Deutschland. An diesem Freitag besuchten sie auch den Paritätischen Thüringen, ließen sich über die Firmenphilosophie der Paritätischen Unternehmen ebenso informieren wie über den breiten Strauß an Angeboten der Paritätischen Akademie und diskutierten mit Diana Paschek und Brigitte Schramm auch intensiv über das Thema Gesundheit am Arbeitsplatz.


Für Kanako Kishi ist das Mentoring-Modell auch deshalb spannend, weil sie in diesem Jahr die Universität beendet und im kommenden Jahr ihre erste Stelle sucht. Sie wünscht sich, dass es auch bei ihrem künftigen Arbeitgeber ein so ausgeprägtes und so früh greifendes Mentoring-Modell geben möge. In der Diskussion wollten die japanischen Studenten auch wissen, was eigentlich passiere, wenn die Chemie zwischen Mentor oder Mentorin und dem- oder derjenigen, die neu in den Job einsteigt, nicht stimme. Selbstverständlich sei es dann auch möglich, den Mentor oder die Mentorin auszutauschen, so Brigitte Schramm.

Seit elf Jahren beteiligt sich der Landesjugendring Thüringen an dem Austauschprogramm, das vom Japanisch-Deutschen-Zentrum in Berlin organisiert wird. Auch junge Menschen aus Thüringen schnuppern jedes Jahr den beruflichen Alltag in Japan. 13 Firmen und Einrichtungen haben die jungen Japaner in den vergangenen zwei Wochen besucht. Jeden Tag gab es zwei Programmpunkte. So stand der Blick hinter die Kulissen einer Erfurter Bäckerei ebenso auf dem Programm wie das traditionelle Handwerk der Töpferei. In Bad Langensalza bekamen die jungen Japanerinnen und Japaner einen Eindruck von einer modernen Fenster- und Türenproduktion bei TMP und wurden danach über die Arbeit des Landesamtes für Verbraucherschutz informiert.

Interessiert zeigten sich die japanischen Gäste auch an dem hohen Stellenwert, den das Thema Gesundheit in der Arbeitswelt in Deutschland mittlerweile einnimmt. Allerdings, so erläuterten Brigitte Schramm und Diana Paschek, habe sich hier in den vergangenen Jahren ein extremer Bewusstseinswandel vollzogen, der das Thema mehr in den Mittelpunkt gerückt habe. Das sei nicht zuletzt dem sich abzeichnenden Facharbeitermangel in Deutschland geschuldet. Für Brigitte Schramm war die Vorbereitung auf das Seminar sehr spannend, vor allem die Frage, wie man jungen Menschen aus einem anderen Kulturkreis die aktuellen Projekte und gesellschaftspolitischen Diskussionen in Deutschland nahebringen konnte. „Auch wenn keiner von ihnen aus der Sozialwirtschaft kommt, gibt es doch annähernd die gleichen Prozesse in ihren Bereichen“, zog sie als Fazit nach der mehr als dreistündigen Diskussion

Am Montag geht es für die japanische Delegation wieder auf den Weg nach Hause – vollgepackt mit frischen Eindrücken. Kanako Kishi und Reira Yanagawa hat vor allem die schöne Altstadt in Erfurt gefallen, die unterschiedliche Architektur zu der in ihrem Heimatland und der Wind der Geschichte, der durch die alten Häuser weht und für sie zu spüren war. Am Wochenende sind die jungen Japanerinnen und Japaner noch zu Gast in Thüringer Gastfamilien und sollen so das Leben in Deutschland kennenlernen. Am Sonntag ist dann ein kleines japanisches Kulturprogramm zum Abschied geplant.

Im Haus der Parität bleiben viele Eindrücke von wissbegierigen jungen Menschen aus Japan zurück, dazu Räucherstäbchen und japanische Süßigkeiten als Geschenk für die ReferentInnen und für Koch Gero Dressel, der seinen Urlaub unterbrochen hatte, die Erinnerung an den langen Beifall für das von ihm gezauberte Mittagessen – typisch Deutsch hatten es sich die Japaner gewünscht. Es gab Hackbraten mit Leipziger Allerlei.

Tags: Arbeitsmarkt, Gesundheitsförderung, WAi

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