„Geld, das in die Gesundheit der Mitarbeitenden investiert wird, ist gut angelegt“: Fachtag „Psychische Gefährdungen und Beanspruchungen“ am 15. September

Tobias ReuterNeudietendorf, 2. September 2016. Geld, das Unternehmen in die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden investieren, ist gut angelegt – allerdings nur dann, wenn die Führung auch bereit ist, das Ganze systematisch anzugehen und für Nachhaltigkeit zu sorgen. Tobias Reuter (Bild) will deshalb auch beim Fachtag „Psychische Gefährdungen und Beanspruchungen“ am 15. September beim Paritätischen in Neudietendorf die Teilnehmenden davon überzeugen, den Mut zum ersten Schritt in dieser Richtung zu machen oder den schon eingeschlagenen Weg konsequent und systematisch fortzusetzen. Tobias Reuter ist Geschäftsführender Gesellschafter des IAF Instituts für Arbeitsfähigkeit. Der Referent des Fachtages  ist ein exzellenter Kenner der Materie. Beim Thema Arbeitsfähigkeit sieht er in den Unternehmen noch „Luft nach oben“, abhängig von den Unternehmensstrukturen und den Branchen. Der Fachtag wird von der Glücksspirale unterstützt.

Dabei unterscheidet er zwischen größeren und kleineren Firmen. In den Großbetrieben nimmt das Thema nach seiner Einschätzung einen höheren Stellenwert ein als in den kleinen und mittleren Unternehmen, denen allerdings häufig genug die personellen und zeitlichen Ressourcen für eine intensive Befassung fehlen. Die Nachfrage nach Beratung und Hilfestellung in diesem Bereich steigt allerdings. „Das Thema des demografischen Wandels ist in den Köpfen angekommen“, sagt er.

Bei kleineren und mittleren Unternehmen sieht Reuter vor allem Probleme bei der Personalgewinnung, ein Feld, auf dem die größeren Firmen durch attraktivere Rahmenbedingungen und auch eine höhere Bezahlung mehr punkten könnten. Für die Sozialwirtschaft sieht er noch weitere besondere Herausforderungen auf die Unternehmen zukommen, beispielsweise, wenn es um den Pflegesektor geht. Auf der einen Seite wächst der Markt, auf der anderen Seite sind die Mitarbeitenden zusätzlich besonderen psychischen und körperlichen Belastungen ausgesetzt.

Die grundsätzliche Herangehensweise, wenn es um die Bewältigung der Belastungen geht, ist branchenübergreifend sehr ähnlich. Fundament ist eine seriöse arbeitswissenschaftliche Analyse. Das auch gesetzlich vorgegebene Instrument dazu ist die Gefährdungsbeurteilung der psychischen Belastung. Zu dieser gehört es dann auch, durch partizipative Workshops gezielt Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten und konsequent umzusetzen.

Reuter warnt vor einer sich gravierend auswirkenden Verwechslung zwischen psychischer Belastung und psychischer Erkrankung. „Unternehmen haben nicht den Auftrag therapeutisch tätig zu werden“, sagt er. Die Betriebe müssten versuchen, die psychische Belastung zu vermindern. Dabei stehen ganz handfeste Dinge im Zentrum der Überlegungen: Es geht um Arbeitsmenge, Arbeitsinhalte, organisatorische Aspekte ebenso wie um die Frage, ob genügend Handlungsspielräume für die Mitarbeitenden vorhanden sind. Anschauen sollte man sich auch, ob die Mitarbeitenden Mitspracherechte haben, ob Information und Transparenz gegeben ist. „Das Erfolgsrezept ist es dann, aus der Analyse zielgerichtet und beteiligungsorientiert Maßnahmen abzuleiten und dann das Ganze auch kontinuierlich weiter zu evaluieren.“ Diese Zeit müssten die Führungskräfte einräumen, appelliert Reuter an die Chefetagen in den Firmen.

Für ihn zählt das Thema Gesundheit am Arbeitsplatz zu einer Kernaufgabe der Unternehmensführung. Allerdings weiß Reuter auch, dass sich die meisten Führungskräfte in dieser Frage in einer Art „Sandwich-Position“ befinden: Sie bekommen Druck von oben und sollen gleichzeitig nach unten wertschätzend und gesundheitsfördernd führen. „Man muss deshalb den Führungskräften auch Rahmenbedingungen geben, um diese Aufgaben zu erfüllen.“
Allerdings zeigen die Erfahrungen auch, dass Gesundheit oft ein „Schönwetter-Thema“ ist, das aufgegriffen wird, solange es den Unternehmen gut geht, das aber in Krisenzeiten schnell wieder in der Schublade verschwindet.

Wichtig und entscheidend für den Erfolg ist für Reuter eine systematische Herangehensweise. Es bringe nichts, Geld in die Hand zu nehmen und dann das Thema nicht systematisch weiterzuverfolgen, den zweiten Schritt nicht zu gehen. Das führe auch zur Frustration bei den Mitarbeitenden. Und: Es gibt keine Blaupause für ein Erfolgsrezept. „Das ist ein individueller Prozess, bei dem man jeweils neu die Bedingungen ausloten muss.“

Am Ende des Fachtages wünscht sich Reuter eine größere Sensibilisierung für das Thema. „Wünschenswert wäre es, wenn die Teilnehmenden nach dem Fachtag wissen, was ihr nächster Schritt sein wird.“ Manchmal, so seine Erfahrungen, führen auch kleine Schritte zum Erfolg, beispielsweise, wenn der Personalrat das Thema Gesundheit am Arbeitsplatz aufgreift oder die Führungskräfte in den Unternehmen Gefährdungsbeurteilungen anschauen und die eigene Position kritisch hinterfragen. „Ich wünsche mir, dass viele den Mut haben, in kleinen Schritten auf diesem Weg voranzuschreiten.“
Anmeldungen zur Veranstaltung sind noch möglich. Weitere Informationen finden Sie hier:
https://www.parisat.de/veranstaltungskalender/aufmerksamkeitsfeld-fuer-personalfuehrung-psychische-gefaehrdungen-und-beanspruchungen/614/

Tags: WAi, Arbeitsfähigkeit

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