Zweite Phase der Integration hat begonnen: Geflüchtete stärker einbeziehen

Das Logo von Schau HINGera, 4. November 2016. Eine zweite Phase der Integration hat in Thüringen begonnen. Es geht jetzt darum, mit den Geflüchteten gemeinsam die Integration voranzutreiben. Gerade die aktuelle Phase, in der weniger Flüchtlinge nach Thüringen kommen, sollte zu einer Intensivierung der Integration genutzt werden. Mit den Flüchtlingen in den Austausch kommen, sie einbeziehen, auf ihre Wünsche eingehen – das ist jetzt die aktuelle Aufgabe, vor der die Organisationen, die in der Flüchtlingsarbeit sich engagieren, stehen. Darüber waren sich die Teilnehmenden beim Runden Tisch „Für ein gelingendes Miteinander in Gera“ einig, der vom Projekt Schau HIN organisiert worden war.


Berichtet wurde in der Runde aber auch über eine Radikalisierung in der Auseinandersetzung, über eine öffentliche Diskussion, die nicht selten von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus durchzogen ist. Davon sind nicht nur Geflüchtete betroffen, sondern auch sozial benachteiligte Menschen. Von einer „Aggression gegen Andersartigkeit“ war die Rede, von Übergriffen und verbalen Attacken beispielsweise auch auf Obdachlose.
Bei den vielfältigen Hilfsbemühungen wurde schnell eine entscheidende Schwachstelle deutlich. Denn an einer Schlüsselstelle fehlt es an der nötigen finanziellen Ausstattung: Das betrifft die Begleitung nicht nur von Geflüchteten sondern auch von anderen benachteiligten Menschen, wenn sie beispielsweise im Beruf neu oder wieder Fuß fassen wollen. Hier sprach der Vertreter der Arbeitsagentur von einer Art „assistierter Arbeitsvermittlung“, also von beratenden und begleitenden Kräften, die den Geflüchteten in seinem Berufsalltag ein Stück weit begleiteten. Mehr Sensibilität bei den Verantwortlichen für diese Problemstellung wünschten sich alle Teilnehmenden der Runde.

Verstärkt werden sollen landesweit auch die Bemühungen, Geflüchtete in die ehrenamtliche Arbeit einzubringen – mit all ihrem Wissen und vor allem auch ihrem kulturellen Hintergrund. Alle Beteiligten bemühen sich auch, die persönlichen Kontakte zwischen Geflüchteten und Einheimischen auszubauen, um Vorurteile abzubauen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch eine dezentrale Unterbringung der Geflüchteten, damit sie mit Einheimischen zusammen leben, aber auch zusammen arbeiten können und sich so eine oft ganz natürliche Nachbarschaft ergibt.
Diese zweite Phase der Integration, die jetzt nach der akuten und dringend notwendigen Ersthilfe angelaufen ist, erfordert bei allen Beteiligten einen langen Atem und ist oft ein Prozess der vielen kleinen Schritte. Wichtig ist es dabei, die Geflüchteten bei ihren ersten Schritten auf dem Arbeitsmarkt ebenso zu begleiten wie ihnen die Notwendigkeit einer profunden Ausbildung deutlich zu machen, die Möglichkeit von Begegnungen zu schaffen und die Geflüchteten selbst in die Arbeit einzubeziehen. Auf diesen Weg hat man sich jetzt in Gera begeben – für ein gelingendes Miteinander.

Tags: Flüchtlinge, Schau HIN, Integration

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