Großes Verbändebündnis macht sich für ein barrierefreies Deutschland stark

Prof. Dr. Rolf Rosenbrock

Neudietendorf, 2. Dezember 2016. Für ein barrierefreies Deutschland macht sich anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung an diesem Sonnabend, 3. Dezember, der Sozialverband VdK Deutschland mit anderen Verbraucher-, Sozial- und Wohlfahrtsverbänden stark. Auch der Paritätische ist Bündnispartner. In einer gemeinsamen Erklärung wird die Bundesregierung aufgefordert, umfassende Barrierefreiheit, also die Zugänglichkeit aller Lebensbereiche, für Menschen mit Behinderung oder Beeinträchtigungen herzustellen.


Bereits 2009 hat sich die Bundesrepublik mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, geeignete Maßnahmen für eine barrierefreie Gesellschaft zu treffen. Vor diesem Hintergrund ist es aus Sicht der Verbände unverständlich, dass bisherige Gesetzesänderungen noch lange nicht alle Vorgaben erfüllen.
Solange etwa die privaten Anbieter von Gütern und Dienstleistungen von der Verpflichtung zur Barrierefreiheit ausgenommen bleiben, sind Menschen mit Behinderung oder Beeinträchtigungen als Kunden und Patienten benachteiligt. Die Verbände fordern konkret, alle Lebensbereiche so zu gestalten, dass sie auch von allen Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung, genutzt werden können: öffentlich zugängliche Gebäude, Wohnungen und medizinische sowie pflegerische Einrichtungen ebenso wie Verkehrsanlagen und Verkehrsmittel oder Informations- und Kommunikationsmedien.

Barrierefreiheit kommt allen zugute. Menschen mit Behinderung profitieren davon ebenso wie Ältere, Eltern, Kinder oder Menschen, die zeitweise mobilitätseingeschränkt sind.

Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, der Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsver¬bandes – Gesamtverband (Bild) wies darauf hin, dass der Lebensalltag  der Menschen, ob mit oder ohne Behinderung, ssich überwiegend außerhalb von Ämtern und Verwaltungsgebäuden abspiele. "Es greift daher zu kurz, wenn im neuen Behindertengleichstellungsgesetz Barrierefreiheit nur für öffentliche Gebäude verbindlich vorgeschrieben ist. Was wir brauchen, ist Barrierefreiheit im Kaufhaus und im Kino genauso wie in der Gaststätte und der Apotheke oder der Arztpraxis im Kiez. Statt weiter auf Freiwilligkeit zu hoffen, muss der Gesetzgeber hier nachbessern, auch private Anbieter in die Pflicht nehmen und geeignete Förderprogramme entwickeln.“

Ulrike Mascher, die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, erklärte:„Barrierefreiheit ist ein Menschenrecht. An dieser Tatsache muss sich vor allem auch die kommende Bundesregierung messen lassen. Solange die privaten Anbieter von Gütern und Dienstleistungen von der Verpflichtung zur Barrierefreiheit ausgenommen bleiben, sind Menschen mit Behinderung als Kunden oder Patienten benachteiligt.“

Prof. Dr. Ursula Lehr, stellv. Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen, sagte: „Immer mehr Menschen erreichen ein immer höheres Lebensalter. Unsere Wirtschaft, unsere Verkehrssysteme, unsere Produkte, unsere Kommunen, unsere Stadtplanung sind aber noch zu wenig auf die zunehmende Zahl von Älteren eingestellt. Durch Barrieren werden ältere Menschen oft erst zu behinderten Menschen gemacht.“

Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, mahnte, dass barrierefreie Produkte und Dienstleistungen zum Standard werden müssten: „Barrierefreiheit lohnt sich für alle: Nicht nur Menschen mit Behinderungen profitieren, sondern auch Ältere, Kinder, Eltern und alle, die zeitweise in ihrer Mobilität eingeschränkt sind.“

Die Erklärung, die auch den Parteien vorgelegt wird, die sich zur Bundestagswahl stellen, kann hier abgerufen werden: www.vdk.de/permalink/71116

Tags: Barrierefreiheit, Rolf Rosenbrock

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