Rot-rot-grün einig: Das Freiwilligenticket rückt näher

Das Logo für die Petition

Neudietendorf/Erfurt, 2. März 2017. Rückenwind für die Initiatoren einer Petition, die sich für die Einführung eines „Freiwilligentickets“ in Thüringen stark machen. Das Vorhaben (links das Logo) findet Unterstützung bei den Fraktionen der rot-rot-grünen Koalition. Die Petition hat mit aktuell mehr als 1500 Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern das Quorum für eine öffentliche Anhörung im Petitionsausschuss erreicht.


Das Ticket soll sich an dem Semesterticket für Studierende oder dem jetzt beschlossenen „Azubi-Ticket“ orientieren. Ein solches Freiwilligenticket würde nach Einschätzung der Initiatoren die Attraktivität des freiwilligen Dienstes in Thüringen erhöhen – beispielsweise für junge Menschen, die vom ländlichen Raum in die Stadt pendeln müssen oder umgekehrt.

„Wir begrüßen die Initiative dieser engagierten jungen Leute“, so die jugendpolitische Sprecherin der Fraktion „Die Linke“, Kati Engel. „Genau das zeigt uns doch, dass junge Menschen eben nicht politikverdrossen sind, sondern mitreden und sich einbringen wollen. Wir müssen ihnen nur diese Möglichkeiten auch einräumen.“
Das Freiwilligen-Ticket soll ein großes Problem für die engagierten jungen Menschen aus der Welt schaffen. Denn diejenigen, die einen freiwilligen Dienst in einer Einrichtung ableisten, bleiben auf ihren Fahrtkosten sitzen. Katja Middeldorf, kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion: „Oft treten Jugendliche eine FSJ-Stelle gar nicht erst an, weil sie nicht wissen, wie sie diese Finanzierungslücke schließen sollen.“

Fast 3000 Freiwillige leisten momentan mit ihrem Engagement einen wichtigen Beitrag zum Allgemeinwohl Thüringens. Für ihr Engagement erhalten Freiwillige kein Gehalt, sondern ein sogenanntes Taschengeld, welches in Thüringen durchschnittlich 300 € beträgt, so heißt es in der Petition. Wohngeld oder zusätzlichen Unterhalt zu erhalten ist zwar möglich, aber rechtlich nicht abgesichert. Damit leben viele Freiwillige erst einmal unter dem in Deutschland definierten „Existenzminimum“. Ein genereller Anspruch auf Unterstützung durch ALG II besteht nicht. Eventuelle Kosten, die durch das Dienstverhältnis entstehen, lassen sich steuerlich nicht absetzen (Fahrtkosten u.ä..).

In der Petition wird auch beschrieben, warum ein solches Ticket für diejenigen, die das FSJ absolvieren, wichtig wäre: „Wir möchten uns gegenseitig kennenlernen, vernetzen und gemeinsame Projekte starten, Thüringen erkunden und nicht zuletzt den täglichen Weg zur Arbeit zurücklegen. Und das, ohne unser gesamtes Budget nach Abzug von Fahrt-, Wohn- und Lebensmittelkosten bereits aufgebraucht zu haben. Wir wollen nicht mehr Geld für uns, wir möchten im bescheidensten Rahmen mobil sein“. Auch eine Eigenbeteiligung etwa in Höhe der Studentenbeiträge zu den Semestertickets halten die Antragsteller für angemessen.

„Unser Ziel ist ein attraktiver Freiwilligendienst und ein Freiwilliges Jahr in Thüringen, das wirklich allen offensteht und finanziell abgesichert ist“, so Astrid Rothe-Beinlich und Madeleine Henfling, jugend- und kulturpolitische Sprecherinnen der Grünen. „Die vielen im ökologischen, sozialen und kulturellen Bereich engagierten jungen Menschen sind angesichts der ländlichen Struktur in Thüringen darauf angewiesen, entsprechend mobil zu sein.“ Ziel der Grünen sei es, auch die Freiwilligen in die Regelungen des Azubitickets einzubeziehen. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass uns dies gelingen wird.“

Auch die SPD-Fraktion steht hinter diesen geforderten Verbesserungen für junge Menschen im Freiwilligendienst. „Das ist für uns eine Frage der Gerechtigkeit“, so die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Diana Lehmann.

Die Thüringer Landesregierung will 2018 ein landesweites Ticket für Schülerinnen und Schüler der Klassen 11 und 12, für Personen im freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahr sowie für Auszubildende vom Wohnort zur (Berufs-)Schule bzw. beim FSJ zum Einsatzort einführen. Auszubildende und Freiwilligendienstleistende sollen zudem die Möglichkeit erhalten, einen additiven Baustein im Bereich des Verkehrsverbunds Mittelthüringen (VMT) für 9,50 Euro zu erwerben, der dann sowohl zur Beförderung zum Arbeitsplatz als auch zur freien Nutzung des VMT-Angebotes und aller Angebote der DB-Regio berechtigt.

Mehr zur Petition finden Sie hier:
https://www.change.org/p/th%C3%BCringer-minister-in-f%C3%BCr-infrastruktur-und-landwirtschaft-wir-fordern-ein-semesterticket-f%C3%BCr-freiwilligendienstleistende-in-th%C3%BCringen-7015abe4-9daa-4e13-a3e7-f84e05f849e2?recruiter=567427571&utm_source=share_for_starters&utm_medium=copyLink

 

Tags: FSJ, Freiwilliges Engagement

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