Equal Pay Day: Auch in Thüringen bekommen Frauen nach wie vor deutlich weniger Gehalt als Männer

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Neudietendorf, 17. März 2017. In Thüringen bekommen Frauen nach wie vor deutlich weniger Gehalt als Männer. In einigen Branchen wie etwa dem Gastgewerbe ist die Lücke sogar noch größer geworden. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamtes hervor. Laut Statistischem Bundesamt liegt die Lohnlücke der Frauen in Deutschland bei 21 Prozent. Das bedeutet, dass Frauen umgerechnet 77 Tage, also bis zum 18. März, umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden. An diese Lohnungerechtigkeit erinnert der Equal Pay Day am morgigen 18. März.


Die geringere Entlohnung von Frauen hat auch gravierende Auswirkungen auf ihre gesellschaftliche Teilhabe. Das betrifft nach Einschätzung des Paritätischen in seinem neuesten Armutsbericht vor allem alleinerziehende Frauen, die von einem deutlich höheren Armutsrisiko als der Durchschnitt der Bevölkerung betroffen sind. Deren ohnehin angespannte finanzielle Situation wird durch die geringere Bezahlung von Frauen im Beruf noch weiter verschärft.

Ein anderer Grund ist nach Einschätzung der Landesarbeitsagentur darin zu suchen, dass Frauen häufiger als Männer in Teilzeit arbeiten. Die Forderung des Paritätischen ist auch hier eindeutig: Das Prinzip „Gleicher Lohn und gleiche Arbeitsbedingungen bei gleicher Arbeit“ soll auch bei Teilzeitarbeit ab dem ersten Einsatztag ohne Ausnahme gesetzlich festgeschrieben werden, heißt es in einem Positionspapier des Bundesverbandes zur Teilzeitarbeit.

Wenn man auf Thüringen blickt, dann hat sich nach einem Bericht des MDR neben dem Gastgewerbe auch in der Thüringer Energiewirtschaft die Einkommensschere wieder vergrößert. Dort verdiente den Statistikern zufolge eine frau im dritten Quartal 2016 etwa 81 Prozent dessen, was ihr männlicher Kollege durchschnittlich brutto erhielt. Im gleichen Zeitraum 2013 waren es noch etwa 82 Prozent, 2010 fast 83 Prozent. In anderen Wirtschaftszweigen hat sich in den vergangenen Jahren wenig bewegt. In der öffentlichen Verwaltung erhielten Frauen in den Vergleichszeiträumen etwa 92 Prozent dessen, was Männer bekamen.

Thüringens Sozialministerin Heike Werner nannte es bedauerlich, dass es in einer modernen Gesellschaft einen solchen Aktionstag überhaupt geben müsse. Frauen nähmen viel seltener Führungspositionen ein, sie arbeiteten häufiger in Teilzeit und befänden sich nach wie vor in der Zwickmühle, Beruf und familiäre Aufgaben vereinbaren zu müssen. „Solange Frauen hinsichtlich ihrer Entlohnung benachteiligt sind, so lange werden auch in den Familien hinsichtlich der Verteilung von Familienarbeit, Kindererziehung oder Pflege vor allem Lösungen gefunden, die Zu Lasten der Frauen gehen“, so Werner.

Diana Lehmann, die Frauenpolitikern der SPD nannte die aktuelle Entwicklung gerade in Thüringen „beschämend“ und Karola Stange von der Linksfraktion forderte dazu auf, „endlich partnerschaftlich durchzustarten“, um die Ungerechtigkeiten auf dem Arbeitsmarkt zu beseitigen. Bei einer Aktion auf dem Erfurter Bahnhofsvorplatz wurde am Freitagnachmittag auf das Problem aufmerksam gemacht.

Tags: Heike Werner, Equal pay day

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