Stefan Werner: Mehr Mut bei der Entwicklung des ländlichen Raumes in Thüringen – Zivilgesellschaftliche Initiativen in den Dörfern unterstützen

Dörfliche Idylle in ThüringenNeudietendorf, 13. Juni 2017. Burkhardt Kolbmüller bricht eine Lanze für die ländlichen Räume in Thüringen. Erst vor kurzem hat sich der Vorsitzende des Vereins „Landnetz Thüringen“ bei einem Rundflug über den Freistaat wieder davon überzeugen können. „Der ländliche Raum ist ein Juwel für Thüringen“, sagt er zum Auftakt des LandSalons , einer Veranstaltungsreihe des Landnetzes, der diesmal in der Krügervilla in Neudietendorf stattfand. Aber dieses Juwel muss gehegt und gepflegt werden – und genau darum ging es bei der Diskussionsrunde, die sich vor allem mit der sozialen Infrastruktur beschäftigte. Stefan Werner, der Landesgeschäftsführer des Paritätischen, forderte in der Diskussion mit Sozialministerin Heike Werner mehr Mut bei der Unterstützung von zivilgesellschaftlichen Initiativen in den Dörfern des Freistaates.


Eine ganze Reihe von Ideen und innovativen Ansätzen kam in der Diskussion mit Akteuren, denen der ländliche Raum Thüringens am Herzen liegt, an den Tag. Entwicklungskonferenzen im Sinne einer regionalen Gesamtplanung regte der frühere Landesgeschäftsführer des Paritätischen, Reinhard Müller, an. Vor allem die Verzahnung der unterschiedlichen Planungsebenen kristallisierte sich in der Debatte als eine der zentralen Stellschrauben heraus, an der gedreht werden muss. Die Erhaltung und Etablierung kleiner Grundschulen und kleiner Kitas ist für die Entscheidung junger Familien entscheidend, in den ländlichen Raum zu ziehen. „Warum sollten hier staatliche Schulen und Elterninitiativen nicht miteinander kooperieren?“, fragte Stefan Werner. Zivilgesellschaftliche Initiativen in den Dörfern müssten unterstützt werden.

Als ein zentrales Problem kristallisierte sich auch das Thema Mobilität heraus. Ein besonderes Pfund, mit dem viele Dörfer noch wuchern können, ist die intakte Vereinsstruktur. Hier gelte es, die existierenden Strukturen zu unterstützen und auch zu erweitern, um auch die Möglichkeit sozialer Dienstleistungen zu erhalten. Deshalb engagiert sich der Paritätische auch in der Frage, wie die Vorstandsarbeit in Vereinen weitergeführt werden kann. Ein entsprechendes Projekt mit der Fachhochschule Jena ist jetzt auf den Weg gebracht worden.

„Es muss mehr interdisStefan Werner, Burkhardt Kolbmüller und Heike Wernerziplinär gedacht werden“, so Stefan Werner (auf unserem Bild links neben Dr. Burkhardt Kolbmüller vom Landnetz Thüringen und Sozialministerin Heike Werner). So sei die Frage der Zukunft von ambulanten Diensten in den ländlichen Strukturen des Freistaates nicht ohne das Thema Mobilität zu beantworten. Es müssten mehr Anreize auch für junge Menschen geschaffen werden, in den Dörfern zu bleiben. Dazu aber sei eine intakte bildungspolitische Infrastruktur ebenso erforderlich wie der Aufbau eines Verkehrsnetzes, das den Bewohnern die nötige Mobilität gibt, um Ärzte, Jugend- und Familienzentren oder auch Einkaufsmöglichkeiten zu erreichen. „Wir müssen mehr Anreize zum Bleiben schaffen“, so Werner.

Sozialministerin Heike Werner erläuterte in der Runde ihren neuen Ansatz zur Förderung dieser Strukturen. Ein Förderprogramm für den ländlichen Raum wird es nicht geben. Das Landesprogramm „Solidarisches Zusammenleben der Generationen“ soll diesen Bereich mit abdecken. Im Dialog mit den Verantwortlichen vor Ort sollen Lücken und weiße Flecken im Versorgungsnetz ausgemacht und beseitigt werden. Und auch hier kommt wieder die Mobilität ins Spiel. „Was nützt ein Arzt, was nützte ein Sozialzentrum, wenn die Einrichtungen nicht erreichbar sind?“, so Heike Werner. Ziel des neuen Landesprogramms ist es, die Infrastruktur für Familien und ältere Menschen zu verbessern.

Stefan Werner wies darauf hin, dass eine strategische Sozialplanung in Thüringen noch ganz am Anfang sei. Die Verzahnung der verschiedenen Planungsebenen sei für ein erfolgreiches Konzept zur Weiterentwicklung des ländlichen Raumes in Thüringen unabdingbar – ebenso wie die Gewährung des nötigen Freiraums für die Akteure vor Ort, um passgenaue Lösungen für die Ortschaften zu finden.
Der ländliche Raum Thüringens werde, so ein Teilnehmer, zu gerne noch immer als ein „problembehaftetes Reservat“ betrachtet. Dem sei aber nicht so. Notwendig sei es jetzt, mit dem ländlichen Raum statt nur über ihn zu reden. Dieser Position stimmten alle Teilnehmenden an der Veranstaltung zu. Und sie verabredeten, weiter in Kontakt zu bleiben, um so ein Netzwerk aufzubauen, als dessen Teil sich auch der Paritätische sieht und versteht.

Tags: Heike Werner, Sozialplanung, Stefan Werner, Landsalon

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