PARITÄTISCHES Jahresgutachten zur sozialen Lage in Deutschland: Aufstiegsversprechen der sozialen Marktwirtschaft werden immer weniger eingelöst

Prof. Dr. Rolf Rosenbrock

Neudietendorf/Berlin, 20. Juni 2017. Das zentrale Versprechen der sozialen Marktwirtschaft - wer sich anstrengt und sich bildet - kann auch sozial aufsteigen, wird trotz der anhaltend guten Wirtschaftsentwicklung in Deutschland immer weniger eingelöst. Das stellt das aktuelle Jahresgutachten des Paritätischen Gesamtverbandes zur sozialen Lage in Deutschland fest. Der Bundesregierung sei es nicht gelungen, Armut und Ungleichheit spürbar zu reduzieren und mehr soziale Aufwärtsmobilität zu ermöglichen, so das Ergebnis zahlreicher Studien, die der Paritätische für das Jahresgutachten ausgewertet hat.


Der Paritätische fordert eine „Agenda des Sozialen“ und in der Konsequenz einen rigorosen Kurswechsel in der Steuer- und Finanzpolitik. „Ungleichheit und die Blockade von Aufstiegschancen werden immer mehr zu einer Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“ warnt Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes. Wachsende soziale Verwundbarkeit lasse sich nicht nur in einzelnen, vorübergehenden Lebensphasen beobachten, sondern bestehe heute über die gesamte Biografie und sogar generationenübergreifend.

Der Ausgrenzungsprozess beginne schon in der Kindheit. „Die seit Jahren relativ stabile Zahl von etwa 2,5 Millionen Kindern und Jugendlichen, die an oder unter der Armutsgrenze leben, bestätigt nachdrücklich nicht nur das Versagen der bestehenden Sicherungssysteme, sondern auch das fehlende Interesse, daran etwas zu ändern“, so Rosenbrock. Armut und wachsende soziale Ungleichheit seien mit Chancengleichheit und sozialer Aufwärtsmobilität nicht vereinbar.

Der Paritätische fordert in seinem Jahresgutachten eine „Agenda des Sozialen“. Wesentliche Punkte:

 eine nachhaltige Bildungsoffensive,

 ein sozialer Arbeitsmarkt, der Langzeitarbeitslosen Chancen eröffnet,

 eine bedarfsgerechte Anhebung der Regelsätze in Hartz IV

 eine durchgreifende Rentenreform enthalten muss.

Um dies zu finanzieren, sei ein konsequentes Umsteuern in der Steuerpolitik unumgänglich. So müssten etwa große Erbschaften und Vermögen deutlich stärker zur Finanzierung sozialer Investitionen herangezogen werden. „Mit ein bisschen höheren Spitzensteuersätzen, ein bisschen mehr Reichensteuer und vagen Andeutungen zur Erbschaftsteuer kann es nicht getan sein“, mahnte Prof. Rosenbrock, Vorsitzender des Verbandes.

Hier können Sie das Jahresgutachten abrufen:  pdfJahresgutachten Druckfassung

Tags: Rolf Rosenbrock, Jahresgutachten zur sozialen Lage

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