Altersarmut: Paritätischer fordert Strukturreformen

Viele alte Menschen verfügen über eine zu geringe RenteNeudietendorf, 28. Juni 2017. Der eine hat einen befristeten Vertrag, die Andere arbeitet in Teilzeit, der Nächste ist über eine Leih- oder Zeitarbeitsfirma angestellt – und alle erhalten ein vergleichsweise niedriges Gehalt. Diese Situation ist für viele Deutsche Realität. Auf Menschen in diesen atypischen Beschäftigungsverhältnissen, auf Personen mit unterbrochenen Erwerbsbiographien und mit geringem Einkommen ist unser Rentensystem nicht ausreichend vorbereitet. Davor hat jetzt die Bertelsmann-Stiftung in einer vielbeachteten Studie gewarnt. Bis 2036 steigt in verschiedenen Gruppen das Risiko, im Alter arm zu werden. Am stärksten betroffen sind alleinstehende Frauen, Niedrigqualifizierte und Langzeitarbeitslose. Schon bald könnte jeder fünfte Rentner nach dieser Studie von Altersarmut betroffen sein.


Die Bertelsmann-Studie bestätigt frühere Expertisen des Paritätischen. Eine Prognose der Paritätischen Forschungsstelle aus dem vergangenen Jahr weist beispielsweise aus, dass die Zahl der armen Rentner in Thüringen sich von 3,3 Prozent im Jahre 201 auf 8,0 Prozent im Jahre 2021 erhöhen wird. Etwa jeder achte Rentner in Thüringen wird dann in Thüringen von Altersarmut betroffen sein

Die niedrigsten Altersarmutsquoten bei Rentnern prognostizieren die Experten des Paritätischen für das Jahr 2021 in den Kreisen Hildburghausen (4,2%), Schmalkalden-Meiningen (5,1%), im Wartburgkreis und im Kreis Sonneberg (je 5,5 Prozent) sowie im Wartburgkreis (5,7 Prozent). Thüringen liegt mit einer prognostizierten Armutsquote von 8 Prozent unter dem Schnitt der ostdeutschen Länder mit 10,2 Prozent im Jahr 2021. Innerhalb von zehn Jahren wächst die Altersarmut in Thüringen nach diesen Zahlen um 142 Prozent im Freistaat. Nach der Prognose werden der Kyffhäuserkreis ( + 274 Prozent), der Kreis Schmalkalden-Meiningen (+246 Prozent), der Kreis Nordhausen (+243 Prozent), der Kreis Sömmerda (+231 Prozent) sowie das Altenburger Land (+ 222 Prozent) und der Kreis Gotha (+200 Prozent) am stärksten betroffen sein. Am geringsten fällt der Anstieg der Altersarmut in Jena (+65 Prozent), Eisenach (+ 83 Prozent), Weimar (+89 Prozent) sowie Erfurt (+98 Prozent) aus.

Der Paritätische hatte außerdem in seinem diesjährigen Bericht zur Armutsentwicklung in Deutschland Strukturreformen gegen strukturelle Risiken verlangt. Die Weichen der Alterssicherungspolitik müssten endlich umgestellt werden, heißt es. Und beim aktuellen Armutskongress des Paritätischen in Berlin wurde eindringlich davor gewarnt, dass die politischen Eingriffe in das Alterssicherungssystem in Zukunft zunehmend mehr Menschen in die Altersarmut treiben werden.

Foto: pixabay

Tags: Armut, Altersarmut

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