Projekt „Kultur macht stark“ in Neudietendorf: Afrikanische Trommelklänge und intensive Diskussionen um das Thema Toleranz

Trommeltag beim Projekt Kultur macht stark

Neudietendorf. Afrikanische Trommelklänge erfüllen den Krügerpark. 21 junge Leute sitzen im Kreis, und trommeln, was das Zeug hält. Den Takt gibt Philipp Breitenstein vom Musikwerk Erfurt vor. „Djigbo“ heißt das Stück, das hier gespielt wird. „Ein leichter Rhythmus, es kommt darauf an, dass die Spieler aufeinander achten, reagieren und vor allem fühlen, wie es klingt“, sagt Breitenstein. Der Trommel-Tag ist ein Zusatzangebot im Rahmen des Projektes „Kultur macht stark“.

Zwei Wochen lang setzen die Mädchen und Jungen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren das Thema „Toleranz“ auf schauspielerische und tänzerische Weise um. Die Teilnehmenden kommen aus weiten Teilen Thüringens, von Saalfeld bis Wutha-Farnroda, von Gotha bis Erfurt. Sie öffnen mit diesem Tag ihren Blick auch für fremde Kulturen. Das Projekt ist Teil des Bundesprogramms „Kultur macht stark – Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.
Trommeltag im KrügerparkJustine (17) und Clarissa (16) aus Wutha-Farnroda sitzen in einer Pause im Krügerpark auf ihren Trommeln. Beide sind in Wutha-Farnroda zu Hause und mittlerweile zum dritten Mal beim Ferienprogramm des Paritätischen Bildungswerks mit dabei. Warum sie immer wiederkommen? „Na, es bringt Abwechslung, man lernt immer neue Leute kennen und wir können selbst entscheiden, wie wir uns einbringen und was genau wir machen wollen“, strahlen die beiden. Dafür nehmen sie jeden Tag die Anreise per Bahn nach Neudietendorf gerne in Kauf. Auch die 14-jährige Sophie aus Gotha, die sich dazugesellt, ist von der Atmosphäre in dem Kurs begeistert. Sie ist das erste Mal da und fühlt sich sehr wohl. Für alle drei ist das diesjährige Thema „Toleranz“ ganz wichtig. „Jeder ist doch gleich, egal wie er ist“, sagt Clarissa. „Jeder ist anders und wir akzeptieren jeden so, wie er ist“, fügt Sophie hinzu.

Zehn Tage lang tauchen die jungen Menschen in eine bunte Welt der Kulturen ein, entwickeln ihre eigene Geschichte zum Thema Toleranz durch Bewegung, Sprache und Rhythmus. Professionelle Unterstützung erhalten die Jugendlichen durch den Schauspieler und Theatertrainer Christof Düro und den Hip-Hop-Tänzer Alex Bernhardt vom Verein Bewegungsküche aus Jena.
Christof Düro und Alex Bernhardt sind schon seit vielen Jahren bei dem Projekt „Kultur macht stark“ dabei.

Aber sie erleben immer wieder neue Überraschungen. Für beide war es beeindruckend, wie gleich am ersten Tag sich zwei Mädchen bei einer ersten Diskussionsrunde zum Thema Toleranz öffneten und sehr persönliche Dinge aus ihrem Leben offenbarten. In den Diskussionen, mit denen sich die jungen Menschen an das Thema herantasteten, kamen klassische Mobbing-Situationen ebenso zur Sprache wie der Umgang mit dem Anderssein. Die Erkenntnis hieraus fassen Christof Düro und Alex Bernhardt so zusammen: „Wir sind alle anders – und das ist universal.“ Eins ist schon nach den Diskussionen der ersten Tage deutlich: Das Thema Toleranz bewegt die Teilnehmenden ungemein. „Sie sind fit und motiviert“, so Düro.

Dann ist es wieder Zeit für die nächste Trommelrunde. Wean Almalouli fotografiert und filmt fleißig. Der syrische IT-Experte hilft, über das Projekt einen Film zu drehen und unterstützt beim Filmschnitt und bei der Bildbearbeitung. Philipp Breitenstein vom Musikwerk-Musikschule Erfurt schlägt schon wieder leise seine Trommel, das Zeichen, sich für die nächste Trommelrunde bereit zu machen. „Es macht einfach Spaß, mit diesen hochmotivierten jungen Menschen zu arbeiten“, sagt er, bevor wieder die afrikanischen Trommellaute rund um die Krügervilla zu hören sind.

Tags: Kultur macht stark

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