Modellprojekt läuft gut: Verhütungsmittel für Frauen mit wenig Geld kostenfrei

Die Informationsbroschüre zum Projekt biko

 

 

 

Erfurt/Artern, 27. September 2017. Mehr als 400 Frauen mit niedrigem Einkommen haben nach Angaben der drei Regierungsfraktionen im Thüringer Landtag mittlerweile in Erfurt und Artern von dem Angebot kostenfreier Verhütungsmittel Gebrauch gemacht. Die beiden Thüringer Städte sind Standorte des neuen Modellprojekts biko, mit dem pro familia den niedrigschwelligen Zugang zu Verhütungsmitteln erprobt. Biko wird vom Bundesfamilienministerium gefördert. Das Modellprojekt soll noch bis Juni 2019 laufen.

Mit dem Modellprojekt möchte pro familia Frauen zu ihrem Recht verhelfen, Verhütungsmittel selbstbestimmt zu wählen. Das entspricht dem Recht auf Verhütung und hilft, Schwangerschaftskonflikte zur vermeiden. Angesprochen sind Empfängerinnen von Leistungen nach dem SGB II, SGB XII, § 6a BKGG, von BAföG, Berufsausbildungshilfen BAB, von Wohngeld oder von Zahlungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Ebenso richtet sich das Angebot an Frauen, deren Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegt. Neben Erfurt wurden als Standorte für das Projekt Erfurt /Artern, Halle (Saale), Lübeck, Ludwigsfelde (Landkreis Teltow-Fläming), Recklinghausen/Marl, Saarbrücken und Wilhelmshaven ausgewählt.

Durch weitere Öffentlichkeitsarbeit soll vor allem bei Studentinnen, bei Frauen in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, aber auch in den Beratungsangeboten der Kirchen und aller freien Träger über dieses Projekt informiert werden.

Im Gleichstellungsausschuss des Landtages hatte die CDU eine Beratung zu diesem Punkt verweigert, da das Thema nach Ansicht der Union nicht in den Ausschuss passe.
Frauen brauchen für die Kostenübernahme ein Rezept von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt. Zusammen mit einem Leistungsnachweis legen sie das Rezept in der pro familia-Beratungsstelle vor. Ihnen wird dann sofort eine Zusage zur Kostenübernahme ausgestellt. Mit dieser Zusage erhalten sie das Mittel ihrer Wahl in der Apotheke kostenfrei. Die Apotheke rechnet direkt mit pro familia ab. Die Frauen müssen nichts bezahlen.

Zum Hintergrund: Mit der Einführung von Hartz IV entfiel seit 2004 die sogenannte „Hilfe zur Familienplanung“, mit der das Sozialamt bis dahin die Kosten für Verhütungsmittel bei anspruchsberechtigten Frauen übernommen hatte. Seitdem müssen die verschreibungspflichtigen Verhütungsmittel über den Regelsatz von 17 Euro monatlich finanziert werden, der allerdings auch alle anderen, nicht-verschreibungspflichtigen Medikamente und Mittel abdeckt. In einigen Kommunen gibt es Ersatzlösungen durch spezielle Fonds, die allerdings nicht flächendeckend zur Verfügung stehen. . Der pro familia Bundesverband hat sich bereits 2015 in einer deutschlandweiten Kampagne für eine bundesweite, einheitliche Regelung mit Rechtsanspruch auf kostenfreie Verhütungsmittel für Menschen mit geringem Einkommen stark gemacht.

Mehr zu biko unter www.biko-verhuetung.de

Tags: pro familia, biko

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