In Thüringen sind 11.000 Menschen von Glücksspielsucht betroffen

11.000 Thüringerinnen und Thüringer sind glücksspielsüchtigErfurt, 27. September 2017. Etwa 11.000 Menschen sind in Thüringen von Glücksspielsucht betroffen. Für die Betroffenen und auch ihre Angehörigen sind diese Sucht und ihre Folgen sehr belastend. Durchschnittlich hat jeder Glücksspieler, der im ambulanten Hilfesystem nach Hilfe nachfragt, 57.700 Euro Schulden, so das Thüringer Sozialministerium. Bei einem Aktionstag wurde am Mittwoch, 27. September, auf die Gefahren und Folgen der Glücksspielsucht aufmerksam gemacht.


„In Thüringen sind und bleiben Prävention, Hilfe, Selbsthilfe sowie Forschung zu pathologischen Glücksspielen Schwerpunkte der Sucht- und Drogenpolitik“, sagte Sozialministerin Heike Werner anlässlich des Aktionstages. Sie wies darauf hin, dass Glücksspiele heute durch zahlreiche online-Angebote leicht zugänglich sind. Es gebe nicht mehr den einen Ort, an dem gespielt oder gewettet werde. „Die Selbstüberschätzung über die realen Gewinnchancen und die Kontrollillusion, den Ausgang des Glücksspiels mit vermeintlicher Kompetenz beeinflussen zu können, lassen Glücksspiele sehr attraktiv erscheinen“, so Werner.

Die Glücksspielsucht geht nach den Erfahrungen der Beraterinnen und Berater häufig noch mit anderen psychischen Störungen einher, wie zum Beispiel Depressionen, Substanzstörungen und Angststörungen. Auch das Selbstmordrisiko liegt bei Glücksspielsüchtigen neunmal so hoch wie bei nicht Süchtigen. Außerdem kommen Süchtige oft zu spät in das Hilfesystem. „Ich ermuntere darum Betroffene sowie ihre Angehörigen, rechtzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und nicht erst dann, wenn alle anderen Lösungsversuche fehlgeschlagen sind“, so Werner.
Bundesweit gibt es 241.000 problematische und 215.000 pathologische Spieler. 55 Prozent der Jugendlichen unter 18 Jahren haben bereits Glücksspielerfahrung, 10 Prozent von ihnen spielen mehrfach im Monat.

In Thüringen wird den Glücksspielsüchtigen in 28 psychosozialen beratungs- und Behandlungsstellen Hilfe angeboten. Es gibt vier Selbsthilfegruppen. Jährlich suchen derzeit etwa 175 Neuzugänge eine Beratungsstelle auf. Die meisten Glücksspieler in Thüringen (81,2 Prozent) sind männlich, 69,2 Prozent sind ledig, 28,6 Prozent der Glücksspielsüchtigen in Thüringen sind Empfänger von Arbeitslosengeld I und Arbeitslosengeld II.

Am Aktionstag am Mittwoch gab  es in Thüringen unterschiedliche Aktionen. Mitarbeitende aus Suchthilfe, Ehrenamtliche und Betroffene gingen auf Menschen zu, informierten sie im persönlichen Gespräch.

Foto: pixabay

Tags: Glücksspielsucht

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