„Jugendliche Unangepasstheit und ausgelassene Spielfreude“: 25 Jahre Theater „Die Schotte“

Reise um die Erde in 80 TagenErfurt, 29. September 2017. Jugendliche Unangepasstheit und ausgelassene Spielfreude – diese beiden Eigenschaften schätzt Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow an dem Kinder- und Jugendtheater „Die Schotte“ in Erfurt. Die Akteure können jetzt auf ihr 25-jähriges Bestehen zurückblicken. Im Jahr 2016 wurde das Theater auch mit dem Paritätischen Ehrenamtspreis in der Kategorie Managementpreis ausgezeichnet. Unser Bild zeigt eine Szene aus der Inszenierung "Reise um die Erde in 80 Tagen".


„Wer heute in Thüringen von Kinder- und Jugendtheater spricht, dem fällt ein Name sofort ein: Die Schotte in Erfurt. Was in den 1990er Jahren mit wenigen Spielern und viel Enthusiasmus begann, hat sich heute zu einem Unternehmen entwickelt, das ohne ein effizientes Management nicht denkbar wäre.“ Das sagte anlässlich der Verleihung des Paritätischen Ehrenamtspreises die Präsidentin der Paritätischen Buntstiftung, Evemarie Schnepel.

in den letzten 25 Jahren hat sich im Theater „Die Schotte“ einiges getan; verschiedenste Produktionen aus den Bereichen Theaterpädagogik, Sprechtheater, Musik, Schauspiel und Gesang prägen das Kinder- und Jugendtheater in der Thüringer Landeshauptstadt, heißt es in der Erfurter Staatskanzlei. „Zahlreiche Inszenierungen mit und für Mitglieder der Jugendbühne machten das Theater „Die Schotte“ zu dem was es heute ist: Ein Ort der kulturellen Begegnung und Fixpunkt im Erfurter Kulturleben mit rund 21.000 Besucherinnen und Besuchern pro Jahr.

In der aktuellen Spielzeit stehen zehn Inszenierungen auf dem Programm. Die Spannweite reicht von Klassik, Komödie, Gegenwartsdrama, Straßentheaterspektakel bis zu Mitspieltheater und Nachwuchsstücken als Eigenproduktionen.

Inszeniert werden unter anderem Macbeth, „Tartuffe“ und „der Besuch der alten Dame“ (Premiere 2018). Neben den Neuaufnahmen besteht ein laufender Spielbetrieb mit ca. 120 eigenen Vorstellungen im Jahr. Daneben gehört die Begleitung von theaterpädagogischen Projekten an Erfurter Schulen zum Spektrum der Arbeit. So werden Projekttage angeboten, in deren Rahmen sowohl themenspezifisch gearbeitet werden kann als auch Grundtechniken des Theaterspiels vermittelt werden. Die Zahlen dazu sind beeindruckend: Fast 40 Gastspiele, fast 30 Workshops, 90 Projektangebote für Schulen, dazu Theaterfestivals und ein Probenlager.

Ministerpräsident Bodo Ramelow sagte: „Gratulation zu mehr als einem Vierteljahrhundert jugendlicher Unangepasstheit und ausgelassener Spielfreude auf der Bühne!“ Die Schotte biete ein wunderbares Angebot kultureller Bildung, das die Thüringer Theaterlandschaft um frische Inszenierungen und große Vielseitigkeit bereichere. „Unsere Demokratie braucht mehr Junges Theater, weil es befähigt, künstlerische wie soziale Prozesse als komplex, vielschichtig und vielfach widerstreitend wahrzunehmen“, so Ramelow.Den Kindern und Jugendlichen, die die Welten jenseits des eigenen Lebenshorizonts erkundeten und dabei lebendige Produktivität freisetzten und den kreativen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wünscht er alles Gute, weitere preisgekrönte Produktionen und viel Freude auf der Bühne.

Eine Szene aus LysistrataHinter jeder Aufführung (links eine Szene aus Lysistrata), hinter jedem Workshop steckt für das kleine Team der Schotte ein enormer Aufwand an langfristiger Planung, Rücksprachen und Abstimmung, Vorbereitung und Organisation dahinter, zumal, wenn alle Hauptakteure ausschließlich ehrenamtlich spielen. „Da ist Überzeugungsarbeit nötig, Einfühlungsvermögen, eine gelingende Kommunikation, die natürlich auch Zeit in Anspruch nimmt.. Aufgaben und Abläufe sind abzuklären, der Spielplan ist aufzustellen, bei kurzfristigen Spielplanänderungen muss oft innerhalb von Tagen, wenn nicht gar Stunden, Ersatz gesorgt werden. Und das alles bei 149 aktiven Spielern, die regelmäßig auf der Bühne stehen“, lobte Evemarie Schnepel das Engagement der engagierten Theatermacher. Die Spieler sind aus freien Stücken dabei, aus Liebe zum Theater. Sie wollen Spaß und Freude, aber sie brauchen auch Anerkennung – persönliche und öffentliche. Das motiviert sie und hält sie im Verein.

Auf ihrer  Homepage erinnert „Die Schotte“ an ihre Anfangsjahre. Dort heißt es unter anderem: „Das Theater SCHOTTE ist aus einem Kinder- und Jugendtheater hervor gegangen, das seit 1961 auf dem Petersberg aktiv war und das im Jahre 1987 um die Jugendbühne TI(C)K erweitert wurde. Unter der Künstlerischen Leitung von Renate Lichnok und dem Schauspieler Karl-Heinz Krause wurden zahlreiche Inszenierungen mit und für Jugendliche erarbeitet.

Mit dem politischen Wandel im Jahre 1989 änderten sich die Bedingungen für das Kulturleben der Stadt Erfurt grundlegend.

Die Mitglieder der Jugendbühne gründeten sich am 25. März 1991 als Verein und verschrieben sich dem Theater für junge Leute. Sie suchten nach einem neuen, bespielbaren Raum und fanden ihn in der Turnhalle der abgewickelten Schotten-Schule. Aus dem Namen dieser ehemaligen Schule leitet sich auch der Name des für das neuen Kinder- und Jugendtheaters ab: die SCHOTTE.

Mit großem Elan wurden innerhalb weniger Monate die räumlichen und organisatorischen Bedingungen für eine neue Spielstätte geschaffen. Auch ein eigenes Logo wurde entworfen, das über mehrere Verwandlungen zu einem unverwechselbaren Markenzeichen in der Stadt geworden ist.

Im Jahre 1994 wurde das Theater durch einen Neubau erweitert: ein Foyer und zahlreiche Funktionsräume kamen hinzu. Weitere Proben- und Verwaltungsräume wurden in der angrenzenden Volkshochschule angemietet, ebenso ein Außenlager für Technik und Kostüme aufgebaut.

Tags: Bodo Ramelow, Die Schotte, Kinder-und Jugendtheater

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