Mitgliederversammlung: Paritätischer stellt sich rasantem Veränderungsprozess in der Sozialwirtschaft

Blick in die MitgliederversammlungNeudietendorf, 8. November 2017. Die Sozialwirtschaft befindet sich in einem rasanten Veränderungsprozess. Dieser Herausforderung will sich der Paritätische stellen. Das unterstrich Landesgeschäftsführer Stefan Werner bei der Mitgliederversammlung des Paritätischen. Flexibilität sei dabei ebenso gefragt wie neue Wege für Dienstleistungen und die Einführung neuer Technologien. Auf vier Gebieten, so Werner in seinem Bericht in der Mitgliederversammlung, werde der Paritätische im kommenden Jahr besondere Schwerpunkte legen: Ausbau der sozialen Dienstleistungen, Stärkung der Rolle als Arbeitgeber, Ermöglichung bürgerschaftlichen Engagements und noch stärkerer Einsatz als Anwalt benachteiligter Menschen.


Der Ausbau der sozialen Dienstleistungen hat dabei viele Facetten: Der sich abzeichnende Fachkräftemangel in der Sozialwirtschaft rückt dabei in den Fokus der Arbeit. Mit verschiedenen Konzepten und Projekten werden die Mitgliedsorganisationen dabei unterstützt, ihren künftigen Fachkräftebedarf zu decken. Außerdem, so Werner, wird der Entgeltbereich im Paritätischen ebenso gestärkt wie der Bereich der Mitgliederbetreuung. Entwickelt werden sowohl neue individuelle Angebote wie auch Angebote mit einer großen Breitenwirkung. Auch Fortschritte auf dem Gebiet der Digitalisierung sollen gemeinsam mit den Mitgliedsorganisationen entwickelt werden.

Mehr als 28.000 Beschäftigte zählen die Mitgliedsorganisationen des Paritätischen. Deshalb, so Werner, soll die Rolle als Arbeitgeber stärker in den Blick genommen werden. Der Arbeitgeberverband PATT hat dabei eine zentrale Funktion. Die von ihm ausgehandelten Tarifverträge bieten eine passgenaue Entlohnung für die Sozialwirtschaft, für die man auch auf politischer Ebene streiten werde. Fort- und Weiterbildung sollen ausgebaut und neue Berufsfelder entwickelt werden.

Das Schaffen von guten Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagement steht ebenfalls auf der Agenda des Paritätischen ganz oben. Werner verwies auf das laufende Forschungs- und Entwicklungsprojekt des Paritätischen gemeinsam mit der Ernst Abbé-Hochschule in Jena. Die Stärkung des demokratischen Engagements in den Mitgliedsorganisationen ist eine Hauptaufgabe des sehr erfolgreichen Projektes Schau HIN. Und auch die Frage, wie der Ausbau ehrenamtlichen Engagements mit der Digitalisierung verknüpft werden kann, beschäftigt den Paritätischen.

Schließlich wird der Paritätische auch seine bisher schon starke Rolle als Anwalt benachteiligter Menschen auf weitere Betätigungsfelder ausdehnen. Werner nannte als Beispiele die Begleitung der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes ebenso wie die digitale Inklusion.

Der Landesgeschäftsführer unterstrich den Anspruch des Paritätischen auf eine mitgestaltende Rolle in der Gesellschaft. „Die beispiellose Vernetzung untereinander macht den Paritätischen und seine Mitgliedsorganisationen zu einem einflussreichen Akteur hierbei.“ Diese Potenziale gelte es zu nutzen, gleichzeitig müsse man aber auch überlegt und besonnen agieren. „Wir dürfen uns nicht überrennen lassen“, so sein Plädoyer für ein gewisses Maß auch an Entschleunigung.

Werner und auch der Vorstandsvorsitzende Rolf Höfert verwiesen in ihren Berichten auf den geplanten Ausbau am Standort Neudietendorf. Gleichzeitig dankten sie den Mitarbeitenden für das große Verständnis und die Geduld, die diese während der Sanierungsarbeiten im Haus der Parität an den Tag gelegt hätten.

Werner Hesse, Geschäftsführer beim Paritätischen Gesamtverband, kündigte an, dass der Gesamtverband im kommenden Jahr das Thema Menschenrechte in den Fokus. Das Thema habe sich bei den Diskussionen um das Bundesteilhabegesetz in den vergangenen Monaten in den Vordergrund gedrängt. „Inklusion ist ebenso ein Menschenrecht wie gleichberechtigte Teilhabe.“ Die Kampagne 2018 solle deutlich machen, dass die Betroffenen selbstbewusst ihre Ansprüche vertreten und nicht „als Almosenempfänger“ dastehen dürften.
Zwölf neue Mitgliedsorganisationen wurden begrüßtDer Paritätische Thüringen verzeichnet ein stetiges Wachstum. Die Zahl der Mitgliedsorganisationen ist auf mittlerweile 352 angewachsen. Zwölf neue Mitgliedsorganisationen, die seit der Mitgliederversammlung 2016 dazugekommen sind, wurden in der Versammlung neu begrüßt. Sie erhielten ein Starterpaket in einem Blumenkasten (unser Bild)


Ein besonderer emotionaler Höhepunkt der Versammlung war der Dank an Hannelore Loos, die seit vielen Jahren Ansprechpartnerin für die Mitgliedsorganisationen ist. Sie geht demnächst in den Ruhestand. Rolf Höfert würdigte die Tätigkeit von Hannelore Loos für den Verband und hob ihre langjährigen Verdienste hervor. Er wünschte ihr einen „erfolgreichen Unruhestand“ und bedankte sich mit einem Blumenstrauß. Der lang anhaltende Applaus der Mitglieder unterstrich dann noch einmal, wie eng verbunden Hannelore Loos mit den Mitgliedsorganisationen war und ist.

Fotos: Frank Diehn

Tags: Stefan Werner, Rolf Höfert, Mitgliederversammlung, Hannelore Loos

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