Netzwerke der Suchtprävention in Thüringen noch enger knüpfen – 25 Jahre Thüringer Landesstelle für Suchtfragen

Jubiläum beider Thüringer Landesstelle für SuchtfragenErfurt, 21. November 2017. Manuel Kressin ist Schauspieldirektor des Landestheaters Altenburg. „Vom Gefühl her Fuck u“ heißt das Stück, das er mit seinem Team auf die Bühne gebracht hat. Darin geht es um das Schicksal einer drogensüchtigen Mutter, um ihre Sorgen und Ängste, um ihre Probleme, sich in die neue Rolle als Mutter einzufinden. Es ist ein eindrucksvolles Stück, ein Stück, das zu Herzen geht, das berührt, das aber auch einen tiefen Einblick in das Seelenleben von Drogenabhängigen gibt. Bei einer szenischen Lesung anlässlich des25-jährigen Jubiläums der Thüringer Landesstelle für Suchtfragen (TLS)  erhielten die Gäste der Veranstaltung einen Eindruck von dem Stück. Sozialministerin Heike Werner, TLS-Vorstandsvorsitzende Renate Rupp und Sven Spier von der TLS schnitten bei der Veranstaltung auch eine Geburtstagstorte an (unser Bild)


„Immer, wenn wir das Stück wieder auf dem Spielplan haben, sind die Aufführungen schnell ausgebucht“, berichtet Kressin in einer Talkrunde bei der Jubiläumsveranstaltung. Es sind vor allem Schulen, die vor allem die Vormittagsvorstellungen buchen und das Theaterstück in ihre Präventionsstrategie einbauen. „Die Kultur kann ein völlig neuer Zugang zur Prävention sein“, bemerkte Thüringens Sozialministerin Heike Werner. Und Gerald Böhm, Leiter der Suchtberatungsstelle Kompass in Eisenach, war von dem Stück so angetan, dass er spontan fragte, ob auch Aufführungen in Eisenach vorstellbar seien.

Die Netzwerke der Suchtprävention in Thüringen sollen noch enger geknüpft werden, Betroffene sollen noch besser erreicht werden. Darüber waren sich Suchthilfeexperten und Thüringens Sozialministerin bei der Veranstaltung der Suchthilfe einig. Vor allem die Kommunen und Kreise sollen dabei stärker in die Pflicht genommen werden.

Es ist vor allem die synthetische Droge Crystal Meth, die den Verantwortlichen derzeit Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Die Zahl der Klientinnen und Klienten, die mit der Hauptdiagnose Stimulanzien in die Beratungsstellen der Suchthilfe kommen, ist innerhalb von vier Jahren um über 50 Prozent gewachsen, 2015 waren es 1223 Menschen. Im Vergleich dazu kamen 3897 mit der Hauptdiagnose Alkohol und 574 mit der Hauptdiagnose Cannabis zur Beratung.

Die Thüringer Landesstellte für Suchtfragen sieht hier großen Handlungsbedarf und setzt gemeinsam mit der Landesregierung und den anderen Trägern der Suchtkrankenhilfe auf frühzeitige Aufklärung und vor allen Dingen auf den Ausbau der Hilfen für Suchterkrankte und die Entwicklung eines Thüringer Gesamtkonzeptes zum Thema Crystal Meth.

Notwendig sind nach Meinung der Suchtexperten auch neue Zugänge und neue Wege der Prävention, um die Betroffenen schneller und besser zu erreichen. Denn die Gefahren, die durch Crystal Meth drohen, sind groß: „Der Konsum von Crystal führt rasch zu einer starken psychischen Abhängigkeit“, heißt es in einer Informationsbroschüre der Landesstelle. Die Gewöhnung und damit auch die Dosissteigerung ist im Vergleich zu anderen Drogen besonders hoch, heißt es dort weiter. Rasche Hilfe ist deshalb besonders wichtig.
Weitere Infos: www.tls-suchtfragen.de

 

Tags: Drogen, Crystal Meth, Thüringer Landesstelle für Suchtfragen, Renate Rupp

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