Arbeitsagenturen: Menschen mit Handicap haben großes Potential

Das Logo der ArbeitsagenturenNeudietendorf/Erfurt, 8. Januar 2018. Im Vergleich zu allen Arbeitslosen sind schwerbehinderte Arbeitslose besser qualifiziert. Das hat jetzt eine Auswertung der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit ergeben. Danach haben fast 80 Prozent der schwerbehinderten Arbeitslosen eine abgeschlossene Ausbildung, sind aber im Durchschnitt länger arbeitslos. Barrieren in den Köpfen verhindern oftmals noch immer die Einstellung von schwerbehinderten Arbeitslosen.


Aktuell leben etwa 202.000 Bürger mit Beeinträchtigungen in Thüringen. Mehr als die Hälfte aller Betroffenen befindet sich schon in einem Beschäftigungsverhältnis. „Leider sehen immer noch viele zuerst das, was behinderte Menschen nicht können, statt ihre Potentiale zu erkennen“, so der Chef der Regionaldirektion, Kay Senius. Die Betroffenen seien nicht nur im Schnitt höher qualifiziert, sondern auch sehr motiviert, so Senius. Und trotzdem scheuten sich noch viele Arbeitgeber sie einzustellen. „Lieber leisten sie eine Ausgleichszahlung, statt die gesetzliche Beschäftigungsquote von fünf Prozent zu erfüllen.“ So zahlen aktuell von den 4500 Betrieben in Thüringen über 54 Prozent eine Ausgleichsabgabe.

Bei der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen liegt Thüringen mit einer Quote von 4,5 Prozent bundesweit auf Platz 6 und damit im oberen Mittelfeld. Die Quote gibt den Anteil der schwerbehinderten, gleichgestellten oder sonstig anrechnungsfähigen Personen gemessen an allen zu zählenden Arbeitsplätzen an.
Arbeitslose schwerbehinderte Menschen profitieren aber offenbar nicht gleichermaßen von der guten wirtschaftlichen Lage wie die nicht schwerbehinderten Arbeitslosen. Nach den Zahlen der Arbeitsagentur ging die Zahl der Arbeitslosen in den vergangenen zehn Jahren insgesamt um 56 Prozent zurück, die Zahl der schwerbehinderten Arbeitslosen sank im gleichen Zeitraum lediglich um 30 Prozent.

Kay Senius weist darauf hin, dass noch nie Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft so akzeptiert waren wie heute. „Aber von der Akzeptanz zur Inklusion ist es eben noch ein weiter Weg. Denn Inklusion ist viel mehr. Es bedeutet, dass alle Menschen selbstbestimmt zusammen leben, lernen, arbeiten und niemand dabei ausgeschlossen wird, egal, welche Einschränkung er hat.“

Tags: Arbeitsmarkt, Schwerbehinderte, Menschen mit Behinderung

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