Pflege-Experten sprechen von „Sondierungs-Blamage“ – „Sofort 100.000 neue Stellen in der Pflege schaffen“

rolf höfertNeudietendorf, 18. Januar 2018. Die prekäre Situation in der Pflege wird weiter von der Politik ignoriert. Daran ändert nach Einschätzung des Deutschen Pflegeverbandes auch das Ergebnis der Sondierungen von Union und SPD nichts. Der Geschäftsführer des Verbandes, Rolf Höfert – er ist auch Vorstandsvorsitzender des Paritätischen Thüringen – bewertete das Papier im Hinblick auf die Pflege als ein „Weiter so“ mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Der Verband sprach von einer „Sondierungs-Blamage“.

Das Papier verspricht durch „Sofortmaßnahmen für eine bessere Personalausstattung“ die Arbeitsbedingungen und Bezahlung in der Pflege „sofort und spürbar“ zu verbessern. Für die stationäre Langzeitpflege sind 8.000 zusätzliche Stellen geplant. Was sich zunächst positiv anhört, ist beim genaueren Hinsehen lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. Bei derzeit 13.600 Pflegeinrichtungen in Deutschland wären es nur 0,58 zusätzliche Stellen pro Einrichtung. Aktuell besteht jedoch ein akuter Bedarf von 100.000 bis 150.000 zusätzlichen Pflegekräften. Von einer „spürbaren“ Entlastung kann nicht die Rede sein!

Bei der angedachten Einführung von Personaluntergrenzen für alle bettenführenden Abteilungen in Krankenhäusern fehlen die konkreten Zahlen. Der Verband befürchtet lediglich Untergrenzen, die mehr an eine Notbesetzung als an eine qualitätsorientierte Versorgung erinnern. Es sei somit höchst fraglich, inwiefern die versprochene Entlastung „spürbar“ sein werde.

Bei den Sondierungen seien nicht die erhofften Revolutionäre, sondern die Bewahrer des Status Quo am Werk gewesen, unterstrich Höfert. Die prekäre Situation in der Pflege werde weiterhin von der Politik ignoiert. Nach einer neuen Umfrage, dem CARE-Klima-Index 2017, fühlten sich 91 Prozent der professionell Pflegenden von der Politik im Stich gelassen.

Der Pflegeverband fordert die Parteien auf, die Defizite im Rahmen der Koalitionsverhandlungen zu beheben. Insbesondere verlangt der Verband
-- die sofortige Schaffung von 100.000 neuen Stellen in der Pflege
-- die sofortige Anhebung der Gehälter um zehn Prozent
-- die zügige Umsetzung des Pflegeberufereformgesetzes

Tags: Pflege, Altenpflege, Rolf Höfert

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