Bundesweit einmalig: Schuldenwörterbuch in leichter Sprache

Schuldenwörterbuch in leichter SpracheSonneberg, 21. März. Schuldner-Beraterinnen wie Beate Ulbricht kennen das: Sie geben den Klienten gute Ratschläge mit auf den Weg, möglichst auch noch in schriftlicher Form – und dann passiert seitens der Betroffenen nichts. „Krisentermine sind notwendig, weil Zwangsvollstreckungs- und Sanktionierungsmaßnahmen eingetreten sind, die durch geeignetes Handeln der Ratsuchenden hätten vermieden werden können“, sagt sie. Das aber liegt oft genug nicht am bösen Willen der Klienten, sondern daran, dass sie bei den zahlreichen Fachbegriffen, die in Schreiben von Gerichten oder Behörden auftauchen, schnell den Überblick verlieren und nichts mehr verstehen. Das muss künftig nicht mehr sein. Denn die Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle der Volkssolidarität Südthüringen in Sonneberg hat ein Schuldenwörterbuch in leichter Sprache herausgegeben. Dort werden Dort werden hochkomplexe Sachverhalte von Abtretung bis Zwangsvollstreckung in einfacher Sprache erläutert. „Das ist ein bundesweit einmaliges Projekt“, so Beate Ulbricht.


Das Interesse an dem Schuldenwörterbuch in leichter Sprache ist riesengroß – sogar aus Österreich erreichte den Verband schon eine Anfrage. „Jetzt können wir den Klienten eine einfache, kompakte Übersicht über die in der Beratung relevanten Themen zum Nachlesen mit nach Hause geben“, freut sich Beate Ulbricht. Da kann man zum Beispiel zum Thema „Bürge oder Bürgschaft“ lesen: "Sie unterschreiben einen Vertrag von Verwandten mit. Oder von Bekannten oder von Freunden. Zum Beispiel einen Handy-Vertrag für Ihre Freundin. Oder einen Auto-Kauf auf Raten für Ihren Sohn. Die Verwandten oder Freunde zahlen nicht mehr? Dann müssen Sie die Raten übernehmen.“ So geht es auf 31 Seiten von A bis Z durch alle für eine Schuldnerberatung relevanten Begriffe. Da wird der Begriff „Schufa“ ebenso erklärt wie die Möglichkeit einer außergerichtlichen Schulden-Regulierung.

Ursprünglich waren nur Informationsblätter in einfacher Sprache angedacht. Je mehr sich die Mitarbeitenden an dem Projekt aber auf die Thematik einließen, desto umfangreicher wurde das Vorhaben. Und schließlich entschied man sich, ein richtiges „Schulden-Wörterbuch“ in leichter Sprache zu veröffentlichen. Die besondere Herausforderung dabei: Die wesentlichen Inhalte der Begriffe zu erhalten, die Fachsprache aber derart zu vereinfachen und zu verknappen, dass es Menschen mit Lese- und Verständnisschwierigkeiten dennoch gelingt, sich auf die Materie einzulassen. Dass das gelungen ist, zeigt die große Resonanz auf die Veröffentlichung. „Jedes Wort wurde drei Mal in die Mangel genommen, rauchende Köpfe bei allen Beteiligten waren unvermeidlich“, berichtet Beate Ulbricht.

Denn das Siegel für Leichte Sprache darf nur vergeben werden, wenn die Texte selbst von schwerbehinderten Menschen geprüft wurden. Das Büro für Leichte Sprache in Erfurt war dafür der Ansprechpartner. Unterstützt wurde das Vorhaben auch vom Thüringer Sozialministerium. „Bisherige Rückmeldungen von Fachkollegen bestätigen, dass die Broschüre einen echten Nerv getroffen hat“, sagt Beate Ulbricht.

Das Schuldner-Wörterbuch steht im Internet als pdf-Datei zum Herunterladen zur Verfügung.

 

 

Tags: Schuldnerberatung, Überschuldung, Schuldenwörterbuch

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