Knapp 14 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Thüringen leben in Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften - Paritätischer fordert Kindergrundsicherung

Symbolbild ArmutErfurt, 5. Juni 2018. 48.129 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Thüringen leben in Hartz-Bedarfsgemeinschaften. Das zeigt eine Datenauswertung der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen. Die Zahl der hilfebedürftigen Kinder und Jugendlichen ist damit im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Im Dezember 2016 waren 49.189 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren betroffen. Der Rückgang beträgt damit 2,2 Prozent. Der Paritätische fordert schon seit langem, dass die Hilfsleistungen für Kinder auf eine neue Basis gestellt werden. Der Verband setzt sich gemeinsam mit vielen anderen Organisationen für eine bedarfsgerechte und die Belange der Kinder berücksichtigende Kindergrundsicherung ein. Außerdem sollte die Unterstützung der Kinder und Jugendlichen nicht weiter über die Jobcenter laufen. „Kinder sind keine kleinen Arbeitslosen“, hat der Landesgeschäftsführer des Paritätischen, Stefan Werner, wiederholt unterstrichen.

Die insgesamt positive Entwicklung im Freistaat verläuft gegen den bundesweiten Trend. Deutschlandweit ist die Zahl der Kinder in Bedarfsgemeinschaften zwischen Dezember 2016 und 2017 um 1,7 Prozent gestiegen. Allerdings gilt nach Ansicht des Paritätischen auch: Jedes Kind, das an der Armutsgrenze lebt, ist eines zu viel.

Allerdings sind in Thüringen immer mehr ausländische Kinder und Jugendliche auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen. So lebten im Dezember 2016 noch 7.339 ausländische Kinder in einer Bedarfsgemeinschaft, ein Jahr später waren es 10.393. Der Zuwachs beträgt 41,6 Prozent. Grund für den Anstieg: Die Fluchtmigration der vergangenen Jahre. Mit anerkanntem Status haben Geflüchtete Anspruch auf Leistungen der Grundsicherung.

Setzt man die Zahlen ins Verhältnis zur Bevölkerung, so leben in Thüringen 13,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in einer Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft und haben einen Leistungsanspruch, im Jahr zuvor waren es 14 Prozent. Im Bundesschnitt liegt die sogenannte „Hilfequote“ bei 14,2 Prozent. Im regionalen Vergleich ist die Betroffenheit in Gera am höchsten, dort wächst jeder Vierte (26,2 Prozent) unter-18-jährige in einer Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft auf und hat einen Leistungsanspruch. Am niedrigsten ist die Quote mit 7 Prozent im Landkreis Hildburghausen.

„Der Rückgang der Hilfebedürftigkeit von Kindern im Freistaat ist erstmal eine gute Nachricht. Auch im deutschlandweiten Vergleich steht der Freistaat besser da. Gründe sind die Demografie, die stabile Konjunktur, ein aufnahmefähiger Arbeitsmarkt und die gute Integrationsarbeit von Jobcentern, Kommunen und dem Land. Zurücklehnen ist aber jetzt nicht angebracht. Im Gegenteil: Die Kinder, die heute im Freistaat von Hilfebedürftigkeit betroffen sind, leben häufig in besonders schwierigen sozialen Verhältnissen. Etwa weil beide Eltern keine Arbeit haben oder das Einkommen nicht für den Lebensunterhalt der Familie reicht. Andere wachsen nur mit einem Elternteil auf, das den Spagat zwischen Kinderbetreuung und Beruf nicht schafft. Es gibt aber auch immer mehr Kinder, deren Eltern aus dem Ausland nach Thüringen geflohen sind und aufgrund von Sprachbarrieren nur schwer auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen. In den größeren Städten wächst die Gefahr der sozialen Spaltung. Dort gibt es Quartiere mit einer angespannten sozialen Lage, von der Kinder ganz besonders betroffen sind. Ohne verstärkte Unterstützung der Eltern durch lokale Sozialarbeit und Bildungsangebote für die betroffenen Kinder wird man das Armutsrisiko nicht weiter senken und die Gefahr des Vererbens von Armut nicht verringern können“, erklärte der Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, Kay Senius.

 

Tags: Armut, Kinderarmut

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