Frauenförderung in Thüringen nachhaltig sichern

Neudietendorf 07.03.2013 Am 8. März feiert die Welt wieder den internationalen Frauentag. Ein Blick auf die aktuelle Situation von Frauen stimmt dabei wenig feierlich. Der „Lagebericht der Bundesregierung zur Situation der Frauenhäuser, Fachberatungsstellen und anderer Unterstützungsangebote für gewaltbetroffene Frauen und deren Kinder" belegt, dass das Hilfesystem nicht für alle Frauen zugänglich ist. Immer noch sind Frauen aller Altersgruppen, Schichten und ethnischer Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Lebensverlauf im hohen Maß von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen. Insbesondere werden Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen unzureichend vor Gewalt geschützt. „Trotz augenscheinlich voranschreitender Gleichstellung von Männern und Frauen werden viele Frauen immer noch Opfer von Diskriminierung und Gewalt", stellt Julia Heidekrüger, Referentin für Frauen und Familie beim Paritätischen Thüringen fest. „Immer wieder stehen diese Frauen im Verlauf ihres Lebens vor Herausforderungen, bei denen sie auf Unterstützung angewiesen sind", so Heidekrüger weiter.

In Thüringen setzen sich 30 Frauenzentren, 16 Frauenhäuser, 4 Interventionsstellen und weitere frauenspezifische Institutionen Einrichtungen und Projekte für die Frauenförderung ein und bieten Schutz und Sicherheit bei häuslicher Gewalt. Hier erhalten Frauen Beratung in unterschiedlichen Lebenslagen, Bildungs- und Freizeitangebote. Immer wieder aber drohen diese Angebote den Sparbemühungen von Land und Kommunen zum Opfer zu fallen. „Es braucht ein hohes Maß an ehrenamtlichen Engagement, um die Angebote überhaupt aufrecht erhalten zu können", weiß Heidekrüger. Doch gerade Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, Förderung der Beschäftigungsfähigkeit, Bereitstellung von Angeboten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Hilfsangebote für gewaltbetroffenen Frauen und Mädchen benötigen gesicherte Finanzierungsstrukturen.

In Thüringen sind es vor allem arbeitslose Frauen, die Schwierigkeiten haben, sich im Arbeitsmarkt zu platzieren. Gerade Alleinerziehende stehen vor dem Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Über 30 Prozent der von Armut betroffenen Menschen in Deutschland sind alleinerziehende Mütter. 13 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in Thüringen arbeiten in Minijobs. Aus Sicht des Paritätischen brauche es zur Sicherstellung gleicher Verwirklichungschancen von Männer und Frauen eine aktive Gleichstellungspolitik auf allen politischen Ebenen. Hierfür sei eine praktikable gesetzliche Untermauerung als Handwerkszeug für die Akteure vor Ort nötig. Mit dem neuen Thüringer Gleichstellungsgesetz aber habe die Gleichstellung lediglich auf dem Papier ihren festen Platz.

Die Paritätischen Mitgliedsorganisationen betreiben in Thüringen sechs Frauenhäuser, 25 Frauenzentren und eine Täterberatungsstelle.

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