Allgemeine Dienstpflicht? Nein Danke! Der Paritätische Thüringen setzt beim Thema gesellschaftliches Engagement auf Freiwilligkeit

Neudietendorf, 07. August 2018. Der Paritätische Thüringen begrüßt eine grundsätzliche Debatte über gesellschaftliche Teilhabe. Diese über eine Rückkehr zur Wehrpflicht oder eine allgemeine Dienstpflicht zu gewährleisten, lehnt der Verband jedoch ab und setzt auf Freiwilligkeit. „Bereits heute haben wir mit dem seit mehr als 50 Jahren bestehenden Freiwilligen Sozialen Jahr und dem Bundesfreiwilligendienst sehr gute Angebote, die gesellschaftliches Engagement ermöglichen“, sagt Andrea Büßer, Koordinatorin der Freiwilligendienste beim Paritätischen Thüringen. Derzeit absolvieren 180 Personen unter dem Dach des Paritätischen einen solchen Dienst. „Allerdings mangelt es an der Attraktivität der Angebote, mehr noch wir schließen einige Personengruppen aus, weil sie unter den gegebenen Bedingungen, sich den Freiwilligendienst schlichtweg nicht leisten oder mit ihrer Lebenswirklichkeit vereinbaren können“, so Büßer weiter. Der Paritätische Thüringen sieht drei konkrete Stellschrauben, um mehr Menschen einen Zugang zu den Freiwilligendiensten zu ermöglichen:

1. Flexible Zeitmodelle
Es braucht flexible Zeitmodelle, die mit den individuellen Lebensumständen der Freiwilligendienstler vereinbar sind. Hierbei sei ebenso an alleinerziehende Mütter oder Väter gedacht wie auch an die Möglichkeit, den Dienst nur einige Monate zu absolvieren, um etwa nahtlos in eine Ausbildung zu wechseln. Und immerhin: 80 Prozent all jener, die beim Paritätischen Thüringen ein Freiwilliges Soziales Jahr durchlaufen, beginnen eine Ausbildung in einem sozialen Berufsfeld.

2. „Taschengeld“
In Thüringen erhalten Personen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren 300 Euro im Monat, bei Bundesfreiwilligendienst sind es 390 Euro. Damit kommen für die Freiwilligendienste nur Jugendliche oder Personen in Betracht, die noch bei ihren Eltern wohnen oder durch die Eltern oder den Partner eine finanzielle Unterstützung erhalten. Mit einem höheren Taschengeld wäre ein breiterer Personenkreis für Freiwilligendienste angesprochen.

3. Anerkennung
Die Bundesfreiwilligendienste müssten auch gesellschaftliche Anerkennung finden – wie viele Menschen wissen beispielsweise, dass es neben dem Freiwilligen Sozialen Jahr auch noch den Bundesfreiwilligendienst gibt, der auch für Personen über 27 Jahren zugänglich ist? Hinzu kommt, dass in Thüringen etwa seit Jahren Bestrebungen bestehen, das Ticket für den öffentlichen Nahverkehr kostenlos zur Verfügung zu stellen. Eine Petition dazu, die auf die Initiative von Freiwilligendienstlern zurückgeht, liegt im Landtag auf Eis. Auch eine Befreiung vom Rundfunkbeitrag oder vergünstigte Eintrittspreise wären positive Signale.

Eine gute Gelegenheit zu erfahren, was es braucht, um Menschen für die Freiwilligendienste zu gewinnen, bietet das Paritätische Forum. Dort treffen sich aus allen Bundesländern Freiwillige, Träger und Einsatzstellen zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch. Das nächste Forum findet im Februar 2019 statt.

Tags: zivilgesellschaftliches Engagement, allgemeine Dienstpflicht

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