10 Jahre UN Behindertenrechtskonventionen

Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung ist noch kein Alltag

Neudietendorf, 25. März 2019 | Am 26. März 2009 trat die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland in Kraft. Diese fordert eine inklusive Gesellschaft, also die Möglichkeit jedes einzelnen Menschen gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Inklusion ist Menschenrecht. Und wie ist es um dieses Recht am zehnten Jahrestag bestellt? Drei Fragen an den Landesgeschäftsführer des Paritätischen Thüringen Stefan Werner.

10 Jahre UN-Behindertenrechtskonventionen – wo stehen wir in Thüringen heute?
Es ist nicht mehr verhandelbar, dass Inklusion uns alle angeht. Es ist unsere Aufgabe, Wege zu finden, dass jeder Mensch unabhängig von Art und Schwere seiner Beeinträchtigung gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben kann. Dass dies nicht immer einfach ist, zeigt sich etwa am Beispiel Schule. Es gibt noch viel zu bewegen und zu verändern auf dem Weg in eine inklusive Gesellschaft.
Was ist die wichtigste Aufgabe für die nächsten Jahre?
Wenn wir das Ziel von Inklusion ernst nehmen, müssen wir verschiedene Perspektiven einnehmen. Es reicht nicht lediglich den Blick auf die Defizite der betroffenen Menschen zu richten, um daraus resultierend dann die eine oder andere Maßnahmen umsetzten. Natürlich sind Hilfsmittel, Rampen, Unterstützung und Assistenz wichtige und erforderliche Instrumente zur Unterstützung. Wirkliche Teilhabe benötigt aus unserer Sicht noch viel stärker gemeinsam mit den Menschen mit Beeinträchtigungen auf deren Wünsche, Bedürfnisse und auch Möglichkeiten zu blicken und unser Handeln daran zu orientieren. Entsprechend müssen wir in einigen Bereichen umdenken. Das bedeutet etwa den Fokus weg von der klassischen Fürsorge hin zu einer wirklichen Beteiligung richten. Menschen mit Beeinträchtigungen sind in allen Lebensbereichen als gleichberechtig anzuerkennen. Und dazu gehört, dass wir diese Lebensbereiche auch gemeinsam gestalten.
Was braucht es dafür?
Neben Partizipationsmöglichkeiten sind Gestaltungsräume wichtig. Dazu gehört auch, Veränderungen zuzulassen, neue Angebote und Leistungen zu schaffen und diese auch zu begleiten. Gelingen kann dies nur, wenn alle Beteiligten dies gemeinsam tun.

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