Wenn Flüchtlinge Nazis und Juden spielen: Neuer bewegender Film über Flüchtlingsschicksale hatte in Thüringen Vorpremiere – Am Wochenende Start bei Berliner Filmfestival

Bad Salzungen/Erfurt. Ein beeindruckender Film über Flüchtlingsschicksale heute und in der Zeit des Nationalsozialismus hat an diesem Wochenende bei dem renommierten Berliner Festival „Achtung, Berlin“ seine Premiere. Der Film „Alle in einem Boot“ der Berliner Filmemacher Christoph Düro und Tobias Stille wird vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Thüringen unterstützt. Die Idee zu dem Projekt entstand während der Zusammenarbeit zwischen Düro und dem Paritätischen Bildungswerk bei einem Ferienprojekt für Jugendliche in Neudietendorf. Eine viel umjubelte Vorab-Aufführung gab es in dieser Woche im Burgtheater in Bad Langensalza. „Ich habe viel Kraft und Rückenwind aus Thüringen erhalten“, so Düro. Nach dem sehr positiven Echo in Langensalza, wo der Film das erste Mal in voller Länge zu sehen war, geht Düro mit großen Hoffnungen in das Berliner Festival.

Der Film „Alle in einem Boot“ ist ein Film über Flüchtlinge – aber kein Dokumentarfilm, sondern ein Film der ganz besonderen Art. Denn in diesem Streifen spielen Flüchtlinge von heute Flüchtlinge aus den 30er-Jahren, sie spielen jüdische Menschen, die auf der Flucht vor dem Nazi-Regime sind. Unter den Schauspielerin sind auch Geflüchtete, die in Thüringen eine neue Heimat gefunden haben und die Düro während des Ferienprojektes „Kultur macht stark“ beim Paritätischen Bildungswerk in Neudietendorf kennengelernt hat.

„Vor unseren Augen sterben täglich Menschen im Mittelmeer. Wie die europäischen Politiker damit umgehen, ist ein Skandal“, so Düro. Und auf diesen Skandal soll der Film aufmerksam machen. Die Geschichte handelt von einer Schauspieltruppe, die im Theater das Schicksal jüdischer Flüchtlinge erzählen, die 1939 auf dem Schiff „St. Louis“ vor dem Nazi-Regime nach Amerika auswandern wollten. Aber niemand will die Geflüchteten aufnehmen. „Ihr seht doch, Flüchtlinge sind nirgends willkommen“, sagt einer der verzweifelten Passagiere. Und dieser Satz gilt damals wie auch heute. Unter den Schauspielern sind auch Geflüchtete von heute. Da spielt ein türkischer Mitbürger einen Juden, ein Farbiger spielt einen Nazi, ein Mensch mit Handicap hat die Hauptrolle, ein Flüchtling spielt den deutschen Kapitän der St. Louis. Es ist dieses Prinzip auch der Verfremdung, das die Angst vor dem Fremden nehmen soll. Insofern ist „Alle in einem Boot“ auch ein inklusiver Film.

Jetzt hoffen die Filmemacher, dass auch bei dem Festival in Berlin der Funke auf die Zuschauerinnen und Zuschauer überspringt – so wie bei der Preview in Bad Langensalza.
Mehr zum Film: www.alleineinemboot.de

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