Verein für Barrierefreiheit in Thüringen und die Kommunale Wohnungsgesellschaft mbH (KoWo) Erfurt machen sich für altersgerechtes Wohnen stark

Erfurt 03/07/2013 In Deutschland fehlen über 2,5 Millionen barrierefreie Wohnungen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der Anforderungen der UN-Behindertenrechtskonvention fehlen bundesweit ausreichende altersgerechte und barrierefreie Wohnungen. Nur knapp über 1 Prozent der Wohnungen in Deutschland sind überhaupt barrierefrei. Vor diesem Hintergrund sind für den Verein Barrierefreiheit in Thüringen, kurz bith e. V. und die KoWo Erfurt altersgerechtes und barrierefreies Bauen und Wohnen ein zentrales Anliegen der Quartiersentwicklung in den Kommunen. Ziel müsse es sein, den Wohnungsbestand, das Umfeld und Infrastruktur in den Wohnvierteln an die Bedürfnisse, insbesondere behinderter und älterer Menschen anzupassen. Auch der Mitglieder-Stammtisch des bith e. V. wird sich am 8. Juli ab 18 Uhr in den Räumen der KoWo Erfurt mit diesem Thema befassen.

„Viele Menschen leben mit Barrieren in ihrer Wohnung. Stufen beim Zugang zur oder in der Wohnung, zu enge Bäder und kleine Bewegungsflächen lassen oft eine selbstständige Lebensführung nicht zu", weiß Petra Michels, Vorsitzende des bith e. V.. Auch deshalb sind
staatliche Förderungen aus Sicht des Vereins als Anreize für dringend notwendige Investitionen unverzichtbar. Alles andere sei das falsche Signal, so die Vereinsvorsitzende.

Barrieren sind häufig Anlass für Stürze und schwere Verletzungen. Das weiß auch die KoWo Erfurt. Damit ältere Menschen ihrem Wunsch entsprechend so lange wie möglich selbständig und möglichst unfallfrei in ihrer Wohnung und in ihrer vertrauten Umgebung leben können, sind Investitionen in die Anpassung des Wohnungsbestandes und des Wohnumfeldes erforderlich. „Vieles haben wir schon jetzt bei der Planung neuer und der Sanierung unserer älteren Objekte für das Wohnen im Alter berücksichtigt. So sind beispielsweise über die Hälfte des KoWo-Wohnungsbestandes durch Aufzüge und Rampen komfortabel zu erreichen", sagt Friedrich Hermann, Geschäftsführer der KoWo Erfurt. Dazu gehören auch neue gemeinschaftliche Wohnformen für die Älteren. Dass es jedoch eines größeren Angebots jenseits von Heimen bedarf, um die freie Wahl des Wohnortes für Menschen mit einer Beeinträchtigung tatsächlich zu verwirklichen, ist Michels und Hermann klar. Mit Blick auf die sogenannte UN-Behindertenrechtskonvention fordert der Verein für Barrierefreiheit in Thüringen, künftige Umbauprogramme so auszugestalten, dass Maßnahmen zur Herstellung von Barrierefreiheit künftig insgesamt umfasst werden. „Wenn es um Barrierefreiheit geht, reden wir eben nicht nur über Rollstuhlrampen. Das sollte selbstverständlich sein", betont Michels.

Informationen zum aktuellen Stand des altersgerechten Wohnens in Erfurt und Thüringen gibt es zum Mitglieder-Stammtisch. Neben den Mitgliedern sind Sabine Kamke, Koordinierungsstelle barrierefrei beim Thüringer Behindertenbeauftragten und Vertreter der Bauhaus UNI Weimar eingeladen.

2009 gründete sich, auf Initiative des Paritätischen Thüringen, der Verein bith. Bith e. V. steht für Barrierefreiheit in Thüringen und zielt auf die nachhaltige Verbesserung dieser im Freistaat. Ziel ist es, Thüringer Unternehmen, Städte und Gemeinden mit Expertenwissen in die Lage zu versetzen, ihre Bürger- und Kundenfreundlichkeit zu verbessern. Zu den Gründungsmitgliedern des Vereins zählen Betroffene in eigener Sache, Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie aus den Bereichen Familie und Sport

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