Paritätischer Thüringen fordert zukunftsfeste Pflegereform

Neudietendorf 06/08/2013 Das Kuratorium Deutsche Altershilfe und die Friedrich-Ebert-Stiftung legten gestern ein gemeinsames Positionspapier für eine umfassende Pflegereform vor. Dreh- und Angelpunkte bilden die Würde der pflegebedürftigen Menschen und eine neue Infrastruktur der Versorgung. Auch der Paritätische Thüringen fordert seit langem eine zukunftsfeste Pflegereform. Laut dem Verband sei es endlich an der Zeit, konkrete gesetzliche Initiativen zur Verbesserung der Pflege in Deutschland einzuleiten. Vor allem brauche es bessere Rahmen- und Beschäftigungsbedingungen in der Altenpflege sowie eine Verbesserung der Personal- und Nachwuchsgewinnung und Qualifizierung. Der Paritätische bekräftigt seine Forderung nach zusätzlichen 6 Milliarden Euro für die Pflege.

„Das Thema Pflege rangiert im Sorgenbarometer ganz oben. Zwei Millionen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen haben keine Zeit mehr zu verlieren. Über den inhaltlichen Korrekturbedarf sind sich alle Experten seit Jahren einig", sagt Britta Richter, Pflegeexpertin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Thüringen. Der demografische Wandel und die gesellschaftlichen Veränderungen verlangen nach einer zukunftsorientierten und nachhaltigen Pflegepolitik. Leider gäbe die aktuelle Pflegepolitik keine hinreichenden Antworten auf die sich abzeichnenden Versorgungsprobleme. Die Leistungen sind nicht ausreichend aufeinander abgestimmt und es fehlt mit wachsender Dramatik an pflegenden Angehörigen als auch an Fachpflegekräften. Die Arbeitsbedingungen in der Pflege seien häufig deshalb schlecht, weil sich die Pflegenden wenig Zeit für ihre "Kunden" nehmen könnten. Auch das Pflege- Neuausrichtungs- Gesetz habe hier wenig bewirkt. Die Experten sahen faktisch keine Stellschraube im Pflegesystem, die nicht neu justiert werden müsse. Die aktuelle Situation in der Pflege sei laut Verband ein Offenbarungseid.

Eine Pflegereform, die die prekäre Finanzlage der Pflegeversicherung ignoriert, ist nichts wert, heißt es beim Paritätischen Thüringen. Zukünftig brauche es mehr Personal für spezielle Angebote für demenziell und psychisch erkrankte Menschen, sowie für eine sachgerechte Unterstützung pflegender Angehöriger. Denn schon jetzt klafft eine Lücke zwischen dem Pflegebedarf und der Zuwendungszeit des Personals. In einem Zehn-Punkte-Plan hat der Paritätische bereits vor zwei Jahren unter anderem bessere Personalschlüssel und eine ausreichende Refinanzierung der Pflegeentgelte durch die öffentlichen Kassen gefordert. Man müsse weg von der Minutenpflege. Damit wäre dann nicht mehr der Zeitaufwand für die körperliche Pflege das wesentliche Kriterium für die Bedarfserhebung, sondern vor allem der Grad der Selbstständigkeit, mit dem der oder die Pflegebedürftige noch im Leben steht. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen mit Behinderung pflegebedürftig sind und derzeit kaum im System berücksichtigt würden.

Zusätzlich müsse man sich Gedanken um intelligente Lösungen machen. Die Pflege müsse endlich als gesamtgesellschaftliche Aufgabe anerkannt werden. Gerade in ländlich geprägten Bundesländern, wie Thüringen, sind neue Formen der Betreuung und Versorgung notwendig. Zukünftig könne es in den Dörfern eine Symbiose zwischen Familien ersetzendem Engagement und der Arbeit von Pflegediensten geben, heißt es

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