Kinderarmut geht auch in Thüringen zurück

Neudietendorf 26/01/2012 - Trotz des Rückgangs der Kinderarmut sieht der Paritätische Thüringen keinen Grund zur Entwarnung. Laut einer aktuellen Auswertung der Bundesagentur für Arbeit sank die Zahl der jungen Hartz-IV-Empfänger in den zurückliegenden fünf Jahren von rund 1,9 Millionen auf etwa 1,64 Millionen Anspruchsberechtigte. In Thüringen sank die Zahl von 60.623 auf 47.493 anspruchsberechtigte Kinder unter 15 Jahren. Das bedeutet einen Rückgang von über 21 Prozent. „Wir müssen aufpassen, dass wir uns bei aller Freude nicht von statistischen Zahlenreihen beim Kampf gegen Kinderarmut blenden lassen“, warnt Reinhard Müller, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Thüringen, mit Blick auf die positiven Zahlen für Thüringen. „Auf den ersten Blick sind solche Zahlen immer beeindruckend. Aufschluss darüber, inwieweit sich tatsächlich etwas verbessert hat, gibt nur die reale Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen“, so Müller weiter. Die im Dezember veröffentlichte Studie des Paritätischen machte deutlich, dass Armut und Armutsgefährdungsquote nicht zwingend abhängig von Hartz IV sind.

Die statistischen Zahlenreihen der Bundesagentur für Arbeit geben nach Ansicht des Wohlfahrtsverbandes keine Aufschlüsse über besondere regionale Gegebenheiten. Vor allem die Abwanderung und der Rückgang der Kinderzahlen in Thüringen wirken sich auf die Ergebnisse aus. Nach wie vor drohen einige Regionen in Thüringen abgehängt zu werden. Neben Gera sind es der Landkreis Altenburg und der Kyffhäuserkreis, die die höchsten Armutsquoten aufweisen. Wenn nach „überstandener“ Kinderarmut der Weg in die Jugendarbeitslosigkeit führt, kann aus Sicht des Paritätischen Thüringen nicht von erfolgreicher Armutsbewältigung gesprochen werden. „In einer älter werdenden Gesellschaft muss irgendwann die Kinderarmut sinken. Auf der anderen Seite aber wirft schon heute die drohende Altersarmut ihre Schatten voraus“, konstatiert Müller.

Das bei aller Kritik Thüringen in letzten Jahren einiges gegen Kinderarmut unternommen hat, weiß auch Müller. Auch der Paritätische Thüringen beteiligt sich an vielen durch den Europäischen Sozialfond geförderten Projekten, dem Landesarbeitsmarktprogramm oder
Tizian, eine Initiative zur Integration, Armutsbekämpfung und Nachhaltigkeit. Nachhaltige Erfolge in der Armutsbekämpfung sind nach Meinung des Paritätischen Thüringen nur mit einer weiterhin umfassenden Bildungs- und Teilhabeförderung zu erwarten. Aus Sicht des Wohlfahrtsverbandes kommt es vor allem auf die Wertschätzung jedes einzelnen Kindes und dessen konsequente individuelle Förderung an. „In der Armutsbewältigung muss uns jedes einzelne Kind wichtig sein“, betont Müller. Hier braucht es die konkreten Angebote vor Ort, die diejenigen, die Hilfe und Unterstützung benötigen, auch erreichen.

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