Dokumentation zum Fachtag "Armut und Gesundheit – bessere Chancen für benachteiligte Menschen in Thüringen"

Unter dem Titel „Armut und Gesundheit - bessere Chancen für benachteiligte Menschen in Thüringen“ lud der Paritätische Wohlfahrtsverband am 1.11.2011 zum Thema Armut und Gesundheit ein. Über 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten intensiv zu den Bedarfen langzeitarbeitsloser und armer Menschen, Möglichkeiten der Prävention und nachhaltiger Hilfe.

Der Paritätische LV hatte das Ziel mit dem Fachtag das Thema Armut und Gesundheit in Verbindung mit Langzeitarbeitslosigkeit in Thüringen in die öffentliche Diskussion zu bringen.

Und dies unter drei Blickwinkeln (Schwerpunktthemen in den geplanten Workshops):
- Auswirkungen auf langzeitarbeitslose Menschen
- Auswirkungen auf Kinder von Frauen und Männern, die langzeitarbeitslos sind
- und mit Blick auf die Zukunft von langzeitarbeitslosen Menschen: drohende Altersarmut.
Landesgeschäftsführer Reinhard Müller wies in seiner Einführung auf die sich in Deutschland seit Jahren ausbreitende wachsende Verunsicherung, Benachteiligung und Zunahme von Lebenslagen in Armut hin. Diese Armut bewegt sich seit Jahren auf einem hohen Niveau: eine wachsende Zahl von Familien, die sich zwangsläufig in ihrer Armut „einrichten“, können ihren Kindern immer weniger Stärke und Lebenschancen vermitteln, sie „zeigen“ ihnen durch ihren Umgang mit Armut wie man sich in benachteiligten Lebenslagen zu verhalten hat. Dies kann, bereits für Kinder, zu einem dauerhaften Ausschluss aus der Gesellschaft führen. Viele Familien sind mit den wachsenden Aufgaben einer Ernährungs- und Gesundheitsbildung ihrer Kinder schlicht überfordert.


Prof. Dr. Gerhard Trabert, Verein Armut und Gesundheit in Deutschland e. V. und Alfons Hollederer, Universität Bielefeld konnten als Experten für die thematischen Einstiege gewonnen werden. Prof. Trabert stellte fest, dass das Thema Armut nur ein Randthema in unserer Gesellschaft ist. Es besteht eine hohe Diskrepanz zu empirisch belegtem Wissen und den Folgerungen und Maßnahmen die auf politischer und gesellschaftlicher Ebene folgen müssten. In Deutschland verhungern die Menschen nicht physisch, sondern psychisch. Dr. Hollederer verwies in seinem Vortrag auf die Arbeitslosigkeit als sozialer Krankheitsfaktor und forderte stärkere Investitionen in die Prävention. Staatssekretär Dr. Schubert – in Vertretung von Frau Ministerin Taubert – begrüßte die Auseinandersetzung mit dem Thema. Er sieht vor allem den Bedarf, Gesundheitsförderung und Kinder- und Jugendhilfe strukturierter zusammenzuführen. 27 % der Kinder in Thüringen sind von Transferleistungen abhängig, also stark von Armut betroffen.

Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit haben 35 % der Langzeitarbeitslosen mit gesundheitlichen Einschränkungen zu kämpfen. Teilweise sind Arbeitssuchende doppelt so häufig krank wie Erwerbstätige. Aus Sicht des Verbandes ist die Gesundheitsförderung von Arbeitslosen in Deutschland immer noch unzureichend. Wenn wir den Betroffenen aus der Arbeitslosigkeit helfen wollen, dann muss in der Gesundheitsförderung und Präventionsarbeit deutlich mehr passieren. Denn ein guter Gesundheitszustand ist eine wesentliche Voraussetzung für den Einstieg in einen Job und dessen Erhalt.

Auf dem Fachtag wurden in den Workshops am Nachmittag unter anderem Möglichkeiten aufzeigt, wie Arbeitslosigkeit und soziale Ausgrenzung verringert und durch Gesundheitsförderung sogar vermieden werden kann. Als besonderer Gast nach Alexandra Ertelthalner, ÖSB Wien und transnationaler Partner im Projekt „Gesunde Kooperation“ am Workshop teil. Sie stellte das Netzwerk Gesundheitsförderung in Österreich vor.

Die Auswirkungen auf Kinder von Frauen und Männern, die langzeitarbeitslos sind, wurden im Workshop 2 thematisiert. Die Fachleute forderten einen Ausbau der Elternbildung, mit Ressourcen ausgestattete professionelle Netzwerke und die Sensibilisierung von LehrerInnen, ErzieherInnen und Eltern zu individuellen Lebenslagen.

In unserer Ausschreibung für den Fachtag war auch einen Workshop zum Thema Altersarmut – hier unter dem Titel „Generation Armut – Auswirkungen von Landzeitarbeitslosigkeit im Alter“ angekündigt. Obwohl in den Medien und von politischer Seite immer häufiger auf die jetzt schon bestehende Altersarmut und die zu erwartenden deutlichen Steigerungen hingewiesen wird, bestand kaum Interesse im Rahmen des Fachtages zu diskutieren. Der Workshop musste abgesagt werden. Prof. Dr. Trabert wies darauf hin, dass das Thema Altersarmut unvermeidlich und mit massiven Auswirkungen in den nächsten Jahren auf unsere Gesellschaft zu kommt. Trotz dieses Wissens wird nicht jetzt gehandelt.

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