Paritätischer Fachtag „Für jeden das Richtige. Angebote für ältere Menschen mit Behinderungen und Pflegebedarf"

Fast 70 Vertreterinnen und Vertreter von Trägern der Eingliederungshilfe in Thüringen diskutierten am 4. Dezember 2012 zu Fragen der Schnittstelle SGB XI und XII. Die bisherige Angebotslandschaft für alt gewordene Menschen mit Behinderung galt allen Beteiligten als weiterentwicklungsbedürftig. Die vorhandene Datenlage belegt einen Zuwachs an älter werdenden Menschen mit Behinderungen in den Angeboten der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen. Die drohende „demografische Welle" ist aber noch nicht angekommen.

Ziel des durch die Glücksspirale geförderten Fachtages war die Forcierung eines Auseinandersetzungsprozesses zur künftigen Gestaltung personenzentrierter Hilfen für älter werdende Menschen mit Behinderungen, psychischen oder Suchterkrankungen mit zusätzlichem oder steigendem Pflegebedarf unter dem Fokus Sozialraumorientierung und Inklusion. Der Gesamtbedarf für solche Angebote wächst in den nächsten Jahren immens. Die individuellen Bedarfe alt gewordener Menschen treffen auf ein schwach ausgeprägtes (quantitativ und qualitativ) und wenig flexibles Netz angemessener Angebote.

Mit fachlichen Inputs zur aktuellen Situation in Thüringen durch Renate Rupp und Ralf Schneider, Paritätischer Thüringen, zur rechtlichen Entwicklung im Bereich Pflege/Eingliederungshilfe auf Bundesebene durch Gerd Künzel, Ministerialdirigent a. D. Brandenburg und der Darstellung von Studienergebnissen der Contec – Gesellschaft für Organisationsentwicklung mbH durch Matthias Konrad zu Fragen der Anpassung der Träger an die steigenden Bedarfe konnte der Einstieg in die Diskussion begonnen werden. Als Vertreter der Leistungsträger stellte Manuela Brozat, Landratsamt Gotha und für die Leistungserbringer Christina Reinhardt, Bodelschwingh-Hof Mechterstädt Lösungsansätze und Hindernisse bei der Entwicklung von personenzentrierten Hilfen für die Zielgruppe im Landkreis Gotha vor.

Die Unsicherheiten im weitergehenden Reformprozess im SGB XI und die anstehende Reform des SGB XII bieten keine Orientierung für den notwendigen Weiterentwicklungsprozess für Angebote der Zielgruppe. In Thüringen bleibt zu hoffen, dass durch die landesweite Einführung des Instruments der Integrierten Teilhabeplanung (ITP Thüringen) neue Impulse ausgelöst werden. Es bedarf den erklärten Willen des Landes in seiner Planungshoheit einen gemeinsamen Prozess der Entwicklung bedarfsgerechter finanzierbarer Angebote mit den Leistungsträgern, den Leistungserbringern, Betroffenen und Angehörigen anzustoßen. Um Sozialraumorientierung und Inklusion auf Landes- und kommunaler Ebene voranzubringen, braucht es eine enge Zusammenarbeit mit den entsprechenden Beiräten für älter werdende Menschen. Das Persönliche Budget bietet als eine Möglichkeit der Hilfegewährung jetzt schon Möglichkeiten, bestehende Angebotsdefizite auszugleichen, es wird noch zu wenig genutzt.

Die Träger- und Einrichtungsebene ist gefordert, sich intensiv mit den bestehenden Konzepten und den notwendigen Anpassungen auseinanderzusetzen. Notwendige Diskussionsprozesse sind u. a. personelle Weiterentwicklungen, Chancen in der Nutzung von Fachlichkeit im Verbund, Prüfung/Entwicklung von Pflegefachlichkeit in Einrichtungen der Eingliederungshilfe usw. Ziel muss es sein, vorhandene Lösungskompetenzen jetzt zu nutzen und nicht abzuwarten, bis „aus der Not heraus Innovation geschehen muss".
Der Paritätische Thüringen wird mit seinen Mitgliedsorganisation weiter aktiv auf die personenzentrierte Gestaltung der zukünftigen Thüringer Versorgungslandschaft einwirken.

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