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Ehrenamtliches Engagement

"Ehrenamtliches Engagement macht die Gesellschaft bunter und gerechter" - Rückblick auf den Paritätischen Ehrenamtspreis 2018

Ehrenamtspreis 2018 PreitsträgerNeudietendorf, 8. Juni 2018. Ehrenamtliches Engagement heute heißt auch genau hinzuschauen auf gesellschaftliche Entwicklungen der jüngsten Zeit. Das unterstrich der stellvertretende Vorsitzende des Paritätischen, Christian Stadali, bei seiner Rede anlässlich der Verleihung der Paritätischen Ehrenamtspreise. Sie werden jedes Jahr für herausragendes ehrenamtliches Engagement in den Reihen des Paritätischen vergeben.
Stadali rief dazu auf, auch bei ehrenamtlichen Engagement genau hinzuschauen, genau zu prüfen, an welcher Stelle sich jemand für oder gegen etwas in dieser Gesellschaft einsetze.

Christian StadaliUnd Stadali (Foto) nannte konkrete Beispiele: „Etwas gegen Hunger, gegen Wohnungsnot, gegen Vereinsamung, gegen Ausgrenzung zu tun, sich für Teilhabe, für Freude am Leben, für Erleichterungen bei Belastungen einzusetzen – das sind Grundwerte, wie wir sie als Paritäterinnen und Paritäter teilen. Was aber, wenn sich jemand für oder gegen etwas engagiert, was nur auf den ersten Blick „Edel, hilfreich und gut WIRKT“?, wie es Goethe formuliert. Was, wenn jemand sagt, ich engagiere mich gegen Hunger, aber nur für Deutsche, gegen Wohnungsnot, aber nur für Arbeitnehmer, für bessere Bildung, aber nur für geistig und körperlich Topfitte. Dann haben wir es auch mit gesellschaftlichem Engagement zu tun. Aber nicht in dieser Gesellschaft. Dann geht es um eine andere Gesellschaft, eine Gesellschaft der Ab- und Ausgrenzung.“

Stadali machte deutlich, dass der Paritätische seine Aufgabe darin sieht, den Finger in die Wunde zu legen, wo die soziale Marktwirtschaft Lücken habe. „Wir brauchen keine EhrenamtlerInnen, die lediglich still und leise wie ein Ausbesserungskollektiv bereit stehen, da wo der Staat falsche Prioritäten setzt. Jede Tafel ist eine Tafel zu viel. Aber gegen Tafeln zu sein, die Politik für falsche Weichenstellungen zu kritisieren und sich trotzdem IN Tafeln zu engagieren, das ist für mich kein Widerspruch.“

Stadali weiter: „Wir brauchen Menschen, die Ja sagen, wenn es darum geht, dem Menschen Mensch zu sein. Die sagen: Ja, ich habe Talente, ich habe Erfahrungen, ich habe selbst Not oder Krankheit erlitten und ich möchte etwas zurückgeben, egal ob ich ein Kind, ein Jugendlicher oder ein Erwachsener bin. Ich möchte daran mit bauen, die Gesellschaft friedlich und offen zu halten.“

Genau das tun Zehntausenden von Ehrenamtlern in den Reihen des Paritätischen, die Stadali als „Leuchttürme“ bezeichnete. „Durch Ihr Engagement helfen sie und legen gleichzeitig die Finger in die Wunden. Aber nicht nur. Denn Ihr Engagement ist ja nicht nur an Defiziten orientiert, sondern stärkt die Gemeinschaft, das Miteinander und macht unsere Gesellschaft bunter und im besten Fall gerechter.“

Ausgezeichnet wurden bei der Veranstaltung vier Einzelpersonen und vier Projekte.

Gerda SaupeDie 96-jährige Erfurterin Gerda Saupe (Bild) ist die vermutlich älteste ehrenamtlich tätige Thüringerin erhielt den Sonderpreis in der Kategorie „Weise Stars“.Wöchentlich entführt Gerda Saupe die Kinder der Kita „SteigerBurg“ in ihre Märchenwelt. Die Kinder lieben und schätzen „unsere Märchen-Oma“, wie sie sie nennen. Das zeigte sich auch bei der Preisverleihung, zu der 17 Mädchen und Jungen der Kita mitgekommen waren und gemeinsam mit Gerda Saupe einen kleinen Ausschnitt aus einer Märchen-Erzählung aufführten. Mit dem „Regenbogenlied“ dankten sie ihrer „Märchen-Oma“ und wünschten sich, dass sie noch viele Jahre lang ihnen Märchen erzählen möge. Gerda Saupe nahm bewegt den Dank der Kinder entgegen.
Eve-Marie Schnepel, die Präsidentin der Paritätischen BuntStiftung, würdigte in ihrer Laudatio das große Engagement von Gerda Saupe in ihrem hohen Alter und hob auch die Bescheidenheit der Ausgezeichneten hervor. Denn sie hatte sich gewünscht, dass die Kita-Kinder bei der Preisverleihung dabei sein sollten und widmete ihnen ihren Preis. Den mit der Auszeichnung verbundenen Geldbetrag in Höhe von 100 Euro stiftete sie spontan der Kita. „Ich habe eine Aufgabe, das hält jung und ist für mich Lebenselexier“, unterstrich Gerda Saupe.

Katharina Nöthlich und Jochen FascoFür ihre ehrenamtliche Arbeit als Familienbegleiterin beim Kinderhospiz in Tambach-Dietharz wurde Katharina Nöthlich (im Bild mit Jochen Fasco) mit dem Preis in der Kategorie „Junge Stars“ ausgezeichnet. „Sie ist ein gelebtes Beispiel für die vielen Ehrenamtler, die sich beim Kinderhospiz engagieren“, unterstrich Jochen Fasco, Mitglied im Stiftungsrat der Paritätischen BuntStiftung und Direktor der Landesmedienanstalt, in seiner Laudatio.Fasco verwies auf die zentrale Botschaft, die das Kinderhospiz auf seine Internet-Seite gestellt habe: „Ein Kind bedeutet nicht wenig und nicht viel – es bedeutet alles“. „Diejenigen, die dort tagtäglich Familien mit unheilbar erkrankten Kindern begleiten, wissen um die Bedeutung dieses Satzes für die Betroffenen“, so Fasco.

Katharina Nöthlich begleitet seit sechs Jahren ehrenamtlich eine Familie mit einem schwer erkrankten und behinderten Jungen. „Sie ist für die Familie und für das kranke Kind zu einem wichtigen Ansprechpartner und einer wichtigen Vertrauensperson geworden“, so Fasco. Sie und die anderen Familienbegleiterinnen und Familienbegleiter seien wichtige Bezugspersonen für die Familien in Zeiten, in den sich oft viele von den Betroffenen abwenden.

Katharina Nöthlich engagiert sich darüber hinaus auch aktiv bei Veranstaltungen des Kinderhospizes, bei denen über die Arbeit berichtet und für das Kinderhospiz wirbt. „Sie erhält den Preis auch stellvertretend für die jungen Stars, die sie und ihre Kolleginnen und Kollegen betreuen“, so Fasco bei der Preisverleihung.

Holger Gerlach und Christian StadaliDer Jenaer Dr. Holger Gerlach (im Bild mit Christian Stadali) wurde in der Kategorie „Regie-Star“ ausgezeichnet. Gerlach ist Präsident des Vereins „QuerWege e.V.“. In seiner Laudatio unterstrich der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Paritätischen, Christian Stadali: „Dr. Holger Gerlach ist ein Idealist, der nicht müde wird, für seine zivilgesellschaftliche Idee zu kämpfen.“ Stadali wies auf das Selbstverständnis des Vereins „QuerWege e.V.“ hin, das sich in dem Motto zusammenfassen lässt „Jeder ist anders – und das ist gut.“ Von Anfang an war Gerlach bei dem 1993 gegründeten Verein dabei. Mittlerweile ist „QuerWege e.V.“ Träger von neun
Bildungs- u. Fördereinrichtungen mit über 270 Mitarbeitern und rund 760 betreuten Kindern und Jugendlichen.

Gerlach wurde 1994 in den Vorstand gewählt und war von 2004 bis 2014 Vorsitzender des Vereins. Seit 2014 ist er im Präsidium vertreten und fungiert als Präsident. Er vertritt den Verein nach außen und ist Impulsgeber nach innen.
„Er hat einen Verein mit aufgebaut, der weit über Jena hinaus Impulse gibt und zivilgesellschaftliche Veränderungen und politische Prozesse vorantreibt“, so Stadali in seiner Laudatio.

Edith König und Dr. Heide WildauerDie Geraerin Edith König (hier im Bild mit Dr. Heide Wildauer) wurde mit dem Preis in der Kategorie „Weise Stars“ geehrt. „Das Lebensmotto von Edith König könnte lauten: Nicht reden, machen!“. Das sagte Dr. Heide Wildauer, Mitglied im Stiftungsrat der Paritätischen BuntStiftung, in ihrer Laudatio auf Edith König. Die Geraerin leiste mit ihrem Einsatz in der Kreisgruppe der Volkssolidarität einen unschätzbaren Beitrag für das Gemeinwohl und den Erhalt von Lebensqualität vieler Mitmenschen.Edith König leitet im Verband der Volkssolidarität eine Ortsgruppe mit etwa 100 Mitgliedern.

Gemeinsam mit den ehrenamtlichen Helfern gestaltet sie ein niveauvolles, interessantes und abwechslungsreiches sozial-kulturelles Gruppenleben für Vereinsmitglieder und Gäste. Dazu gehört die Organisation von Themennachmittagen, Konzertbesuchen und Ausflügen.

„Am meisten Freude bereitet ihr aber die unmittelbare Arbeit mit und für die Menschen“, hob Dr. Wildauer hervor. „Das ist für Edith König Herzenssache. Sie ist begehrte Ansprechpartnerin, wenn jemand Rat und Hilfe bei der Bewältigung von Alltagsproblemen benötigt. Ihre Überzeugungskraft ist außergewöhnlich.“ Sie kämpfe gegen Ausgrenzung und Isolation und setze sich mit ihrer optimistischen Ausstrahlung und ihrem stetigen Engagement immer und überall für die Belange ihrer Mitmenschen ein.

Neben den Einzelpersonen wurden auch vier Projekte für ihre Arbeit ausgezeichnet:

Blankenhainer Tafel und Eve-Marie SchnepelDie Blankenhainer Tafel ist für ihre Arbeit mit dem Paritätischen Ehrenamtspreis 2018 in der Kategorie Themenpreis ausgezeichnet worden. „Die Arbeit der Tafeln ist in Deutschland in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden, immer mehr arme Menschen sind auf das Angebot der Tafeln angewiesen“, unterstrich Petra Michels, Vorstandsmitglied des Paritätischen Thüringen in ihrer Laudatio. Der Themenpreis stand in diesem Jahr unter dem Motto der Paritätischen Jahreskampagne „Mensch, Du hast Recht!“. Unser Bild zeigt bei der Auszeichnung die Vertreterinnen der Blankenhainer Tafel mit Petra Michels und Andreas Kotter.

Die Überlastungen der Tafeln zeigten aber auch, dass der Staat bei der Aufgabe versage, für die Sicherung des Existenzminimums vieler Menschen zu sorgen, denn eigentlich dürfte in Deutschland niemand auf Lebensmittelspenden angewiesen sein, so Michels.

Michels würdigte das große ehrenamtliche Engagement bei der Tafel-Arbeit: 50 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter packten dort an. Wichtig sei aber auch die Arbeit jenseits des Austeilens von Lebensmitteln, so Michels. Viele Gespräche mit den Kunden der Tafel würden geführt. „Häufig wird dabei klar, dass es an Rat und Hilfe fehlt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tafel vermitteln dann gern weiterführende Adressen von Beratungsstellen oder bieten auch ein persönliches Gespräch an“, so Michels.

Den Ratsuchenden werde auch immer wieder vermittelt, dass sie Ansprüche hätten -
Ansprüche gegenüber Behörden, gegenüber Ämtern. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tafel weisen ihre Kunden auch auf ihre Rechte hin, ganz im Sinne der Menschenrechtskampagne des Paritätischen „Mensch Du hast Recht“,“ so Michels.

Mit der Kampagne weist der Paritätische darauf hin, dass es bei vielen sozialen Grundrechten in Deutschland wie Wohnen, Gesundheit, Bildung oder Teilhabe noch immer große Defizite und auch erheblichen Beratungsbedarf gebe.

Team Wünschewagen mit Evemarie Schnepe.Das Projekt „Wünschewagen“ des ASB Jena erhielt die Auszeichnung in der Kategorie „Managementpreis“. „Die vielen hoch engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Wünschewagens erhalten das wertvollste Dankeschön für ihr Engagement: leuchtende Augen bei den Fahrgästen und vor allem die Gewissheit, Menschen in einer scheinbar ausweglosen Situation Momente des Glücks und der Freude zu bereiten“, würdigte Evemarie Schnepel, die Präsidentin der Paritätischen BuntStiftung, in ihrer Laudatio das Projekt. Unser Bild zeigt das Team des Wünschewagens mit der Präsidentin der BuntStiftung, Evemarie Schnepel.

Zum Team des Wünschewagens zählen zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus den Bereichen Gesundheit und Pflege, Psychologie, Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei. An sie alle würden hohe Anforderungen für ihre Tätigkeit der Begleitung und Betreuung von schwerstkranken Menschen gestellt, hob

Schnepel das außergewöhnliche Engagement des „Wünschewagen“-Teams hervor.
Und sie berichtete auch über einen konkreten Fall aus der Arbeit des Teams. So konnte der „Wünschewagen“ den Wunsch einer 62-jährigen erfüllen, die in der Vorweihnachtszeit ihre Enkelin noch einmal als Schauspielerin bei einem Weihnachsmärchen bewundern wollte. „Der Wünschewagen brachte Oma und Enkelin ein vielleicht letztes Mal zusammen“, so Schnepel.

Das Bürgerbus-TeamDas Projekt Bürgerbus in Stadroda und Schlöben erhielt die Auszeichnung in der Kategorie „Anschubpreis“. In seiner Laudatio würdigte Andreas Kotter, Referent beim Paritätischen Thüringen, das Engagement der acht ehrenamtlichen Busfahrer als beispielhaft für den Freistaat. „Der Bürgerbus könnte so auch ein Modellprojekt für andere ländliche Regionen Thüringens sein“, sagte Kotter. Kotter wies darauf hin, dass es im öffentlichen Nahverkehr Thüringens viele weiße Flecken gebe. Menschen, die über kein eigenes Auto verfügen, seien in den Dörfern Thüringens benachteiligt. Seit Jahren werde nach Konzepten gesucht, die Mobilität im ländlichen Raum zu fördern. Unser Bild zeigt das Team des Bürgerbusses.

Die ehrenamtlichen Fahrer des Bürgerbusses hätten sich auf ihre Fahnen das Motto geschrieben: Nicht reden, sondern handeln. Sie opferten einen Großteil ihrer Freizeit, um das Angebot vor allem für die älteren Menschen in den Dörfern Ostthüringens zu ermöglichen. Ohne den Bürgerbus würden viele aus ihrem Dorf kaum noch herauskommen. „Denn der Bürgerbus ist mehr als nur ein Bus. Er ist mittlerweile auch Treffpunkt und Kommunikationsplattform für die Menschen vor Ort und für die Dorfbewohner aus ihrem Leben kaum noch wegzudenken“, unterstrich Kotter.

Menschen stärken Menschen mit Stefan WernerDas Erfurter Projekt „Menschen stärken Menschen“ des Deutschen Familienverbandes Thüringen (DFV) erhielt die Auszeichnung in der Kategorie „Managementpreis“. In dem Projekt unterstützen einheimische Paten Asylbewerber und Flüchtlinge dabei, sich in der neuen Heimat zurechtzufinden. „Die ersten Schritte in einem fremden Land sind schwer. Da ist es gut, jemanden zu haben, der einem hilfreich zur Seite steht, der mit zu Ämtern und Behörden geht, der bei Arztbesuchen mit dabei ist“, unterstrich Stefan Werner, der Landesgeschäftsführer des Paritätischen, in seiner Laudatio die Arbeit des Vereins. Unser Bild zeigt die Vertreterinnen und Vertreter des Projektes mit dem Landesgeschäftsführer des Paritätischen, Stefan Werner.

In dem Projekt „Menschen stärken Menschen“ kümmern sich etwa 10 Paten um Geflüchtete. Viele sind schon seit 2015 mit dabei. Sie unterstützen ihre „Patenkinder“ nicht nur bei Behördengängen, sondern sie zeigen ihnen auch ihren Wohnort, die Umgebung, sie unternehmen gemeinsame Ausflüge oder kochen gemeinsam.

„So sind im Laufe der Zeit eine Vielzahl wunderbare Beziehungen entstanden, in denen auch die Paten viel von den jeweiligen anderen Kulturen und den Lebensverhältnissen in Syrien, Afghanistan, Irak usw. erfuhren. So werden aus Paten Freunde“, sagte Stefan Werner. Und er wies darauf hin, dass die Freundschaften oft auch dann noch halten, wenn die Geflüchteten eine eigene Wohnung und/oder einen Arbeits- und Ausbildungsplatz gefunden haben.

Bilder: Frank Diehn

 

 

 

Tags: Ehrenamtspreis, Ehrennamt, Ehrenamtliches Engagement, Paritätischer Ehrenamtspreis

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