Ehrenamt, anpacken und gestalten!

Ehrenamtliches Engagement

Erfahrungen aus der Praxis: Haupt- und Ehrenamt sind beim Frauenbund in Gera eng verzahnt

Petra Meyenberg berichtete in ihrem Workshop über ihre Erfahrungen aus GeraNeudietendorf, 16. September 2016. Bei Petra Meyenberg trifft die These von einer sinnvollen Symbiose zwischen Ehrenamt und Hauptamt voll zu. „Ohne Ehrenamtler wäre meine Arbeit nicht möglich“, sagt die Vertreterin des Demokratischen Frauenbundes und des Frauenkommunikationszentrums Gera beim „Zukunftsforum Ehrenamt“, das die Paritätische BuntStiftung mit Unterstützung der Glücksspirale auf die Beine gestellt hat (unser Foto zeigt den Workshop von Petra Meyenberg). Und umgekehrt gilt das Gleiche: Die hauptamtlich angestellte Petra Meyenberg ist die Schnittstelle der Aktivitäten, sie koordiniert, gibt Tipps für die Arbeit. Bis zu acht Bundesfreiwilligendienstler unterstützen sie dabei. Ob Stricken, Klöppeln, Wandern oder die Geschichtswerkstatt – alles wird von ehrenamtlich Tätigen aus Gera und Umgebung angeleitet. Sie bringen sich auch ein in ein Willkommensprojekt, das die Stadt Gera für junge Familien aus der Taufe gehoben hat. Die jungen Eltern bekommen handgestrickte Babyschuhe überreicht.


Drei Gründe sind es nach Überzeugung Meyenbergs, die Menschen dazu bewegen, sich ehrenamtlich zu engagieren, Gründe, die sie auch in ihrer täglichen Arbeit immer wieder gesagt bekommt: Da ist zum einen das Suchen nach einer beruflichen Perspektive in einer überalterten Stadt wie Gera. Über das ehrenamtliche Engagement hoffen viele, einen Fuß in die Tür zu bekommen. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, fasst Meyenberg die Motivation dieser Betroffenen zusammen. Zweiter Grund ist der Wunsch nach sozialer Teilhabe. Viele Ältere plagt vor allem die Angst vor dem Alleinsein, deshalb sind bei Petra Meyenberg auch noch über 70-Jährige ehrenamtlich aktiv. Und eine dritte Gruppe treibt der Wunsch an, etwas Sinnvolles zu tun.

Die Zugangswege, die diese drei Gruppen zu ehrenamtlicher Tätigkeit haben, sind nach den Erfahrungen von Petra Meyenberg höchst unterschiedlich. Diejenigen, die nach einer beruflichen Perspektive suchen und die Tätigkeit als eine Art Sprungbrett in den Arbeitsmarkt betrachten, kommen häufig aus Arbeitsgelegenheiten. Die zweite Gruppe, also diejenigen, die neue soziale Kontakte suchen, kommen von alleine. „Die finden mich“, sagt Meyenburg. Und die dritte Gruppe – diejenigen, die etwas Sinnvolles tun wollen – kommen häufig über die kommunale Ehrenamtszentrale in Gera, die einzige ihrer Art im Freistaat.

Für Meyenberg ist bei ihrer koordinierenden Tätigkeit die Teambildung wichtig. So trifft man sich jeden Tag um halb zwölf zum gemeinsamen Mittagessen. Die Menschen finden hier Abwechslung vom Alltag, sie suchen nach Gesprächspartnern. Außerdem achtet Meyenberg darauf, den Ehrenamtlern genügend Freiraum zu lassen, auch wenn es um die Gestaltung der Schaufenster für ihre jeweiligen Gruppierungen geht. Jeden Montag findet außerdem eine Weiterbildung statt. „Das Bilden von Netzwerken ist enorm wichtig“, sagt Meyenberg, die aus ihrer Tätigkeit in einem der Workshops des Fachtages berichtete.

Netzwerke bilden – das ist auch für Katja Kliewe ein zentrales Anliegen ihrer Arbeit. Sie ist Leiterin der Selbsthilfekontaktstelle bei der Stadt Weimar und auch eine derjenigen, die über ihre Erfahrungen bei dem Fachtag berichtete. Sie gibt Selbsthilfegruppen Unterstützung, baut neue Gruppen mit auf, hilft bestehenden Gruppierungen, wenn sie in Krisen geraten. In der Klassikerstadt gibt es mittlerweile 55 Selbsthilfegruppen. „Wichtig ist mir auch, dass die Gruppen über den eigenen Tellerrand hinausblicken, dass sie untereinander Verbindung halten – und zwar über ihr eigentliches Thema hinaus“, so Klieve. Dadurch entstünden positive Energien, die man dann nutzen könne.

Edith Handschuh vom Landesverband der Psychiatrie-Erfahrenen war die dritte Praktikerin, die über die Arbeit ihrer Organisation und das Engagement der Ehrenamtlichen in einem Workshop berichtete. Sie erzählte beispielsweise von einem Problem, das viele Vereine plagt: Mitglieder für die Vorstandsarbeit zu gewinnen. Der Landesverband der P>sychiatrie-Erfahrenen beschreitet dafür jetzt einen neuen, erfolgreichen Weg: Interessenten können hospitierend an Vorstandssitzungen teilnehmen. „So kann man ihnen die Angst nehmen“, berichtet Handschuh aus ihren Erfahrungen.

Tags: Ehrenamtler, Ehrennamt

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