Ehrenamt, der Kitt der Gesellschaft

Ehrenamtliches Engagement

Viel Lob und Anerkennung für die PARITÄTISCHEN Ehrenamtspreisträger - Projekte und Personen im Detail vorgestellt

Die Zeitung zum EhrenamtspreisNeudietendorf, 19. Mai 2017. 800.000 ehrenamtlich Engagierte leisten Tag für Tag in Thüringen wertvolle Arbeit, Zehntausende von ihnen in den Reihen des PARITÄTISCHEN. Herausragendes ehrenamtliches Engagement würdigt der PARITÄTISCHE jedes Jahr mit der Verleihung des Ehrenamtspreises. Dabei stehen die Geehrten stellvertretend für alle anderen, ohne deren Engagement viele soziale Aktivitäten in Thüringen nicht stattfinden würden. „Sie sind der Kitt der Gesellschaft“, so der Vorstandsvorsitzende des PARITÄTISCHEN, Rolf Höfert, bei der Feierstunde. Nachfolgend stellen wir die Gewinnerinnen und Gewinner der PARITÄTISCHEN Ehrenamtspreise dieses Jahres ausführlich vor (die Fotos zeigen die VertreterInnen der Projekte bzw. die Einzelpreisträger jeweils mit den Laudatoren und dem früheren Vizekanzler Franz Müntefering, Fotos: Marcus Scheidel)


Geburtshaus Erfurt stiftet Familienpatenschaften
Ehrenamtspreis für das Geburtshaus ErfurtDie junge Mutter aus Syrien ist überglücklich. Sie und ihre Familie haben Freundschaft geschlossen mit einer Familie aus Erfurt, sie gehen zusammen mit den Kindern spazieren, die Erfurter Familie hilft den Geflüchteten bei vielen Behördengängen, sie nimmt sie mit zu Müttertreffs und Krabbelgruppen. So ist schnell eine Freundschaft entstanden, eine Freundschaft, die vor allem die MitarbeiterInnen des Geburtshauses Erfurt freut. Denn dort haben die Mütter sich kennengelernt, dort sind die regelmäßigen Kontakte über das Projekt „Familienpatenschaft“ zustande gekommen. Das Projekt wurde deshalb beim PARITÄTISCHEN Ehrenamtspreis mit dem Themenpreis „Starke Familien – solidarische Generationen“ ausgezeichnet (unser Bild: die Vertreterinnen des Geburtshauses Sabine Noell und Katrin Lauinger mit Jochen Fasco und Franz Müntefering)

„Auf eindrucksvolle Art und Weise werden hier Patenschaften zwischen einheimischen und geflüchteten Familien geschaffen. Das Geburtshaus fungiert dabei als eine Art Plattform, auf der sich die Familien begegnen und Kontakt miteinander finden“, würdigte Laudtor Jochen Fasco, der Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt, bei der Festveranstaltung in Neudietendorf das Projekt. „Das ist ein Musterbeispiel gelingender Integration“, so Fasco weiter.

Die geflüchteten Familien haben Krieg, Flucht und Vertreibung hinter sich. Für sie ist die Geburt eines Kindes auch ein Zeichen der Hoffnung auf eine glücklichere Zukunft. Aber die jungen Mütter haben auch besondere Probleme. Sie fallen durch Schwangerschaft und Geburt oft aus Integrationsmaßnahmen wie Sprachkursen heraus.

„Sie brauchen die Kontakte mit anderen Müttern, um aus der Isolation herauszukommen und die Integration voranzutreiben“, erläuterte Fasco das Projekt. Und bei den einheimischen Müttern beobachtete das Geburtshaus-Team ein großes Interesse an den neuen Mitbürgerinnen und deren kulturellem Hintergrund.
Und so entstand die erfolgreiche und preiswürdige Idee der Familienpatenschaften im Geburtshaus Erfurt.

„Radiopolis“ – Wegweisend für die Thüringer Medienlandschaft
Ehrenamtspreis für das Projekt RadiopolisMonopoly kennt jeder. Da werden Straßen gekauft und verkauft, da lernt man zu taktieren und sein Wissen und Können klug einzusetzen. Auf dieser Grundlage basiert auch ein innovatives Medienprojekt in Thüringen. Bei „Radiopolis – eine neue Stadt entsteht“ kooperierten vier Thüringer Bürgerradios. Das Vorhaben verband sowohl in der Planung wie auch in der Ausführung die jeweiligen Rundfunkanstalten, deren Hörer sowie die Regionen mit ihrer Wirtschafts- Politik und Sozialstruktur. Für dieses innovative Projekt gab es beim PARITÄTSICHEN Ehrenamtspreis den Managementpreis (unser Bild: die Vertreter der Bürgerradios mit dem Direktor der Landesmedienanstalt, Jochen Fasco, der Präsidentin der PARITÄTISCHEN BuntStiftung, Evemarie Schnepel und Franz Müntefering)

So ähnlich wie bei Monopoly wurde bei Radiopolis im Internewt ein Spielfeld entworfen, das mit Gebäuden und Plätzen aller vier Regionen bestückt war. Spielerisch bewegten sich die Radiomacher vor ihren Hörerinnen und Hörern auf dem Spielfeld im Internet. Dabei wurden sie mit Aufgaben konfrontiert, die sie gemeinsam mit Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur bewältigen müssen. Beteiligt waren 20 Mitwirkende der vier Bürgerradios.
Evemarie Schnepel, die Präsidentin der PARITÄTISCHEN BuntStiftung, würdigte in ihrer Laudatio das Pionierprojekt der Bürgerradios als „wegweisend für die Thüringer Medienlandschaft“. „Das Projekt war für Haupt- und Ehrenamtliche bei den vier beteiligten Radios eine gewaltige Herausforderung. Mitwirkende, Technik und Logistik mussten koordiniert werden“, erläuterte sie das Projekt, bei dem Radio Lotte aus Weimar, Radio ENNO aus Nordhausen, das Wartburg-Radio aus Eisenach und Radio SRB aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt kooperierten.

Gleichzeitig lobte Schnepel die Arbeit der Bürgerradios in Thüringen. Sie sicherten die Meinungsvielfalt vor Ort, sei seien eine Plattform für lokale Initiativen, Vereine und Verbände und dort erhalte man eine Vielzahl von lokalen Informationen, die man ansonsten nicht geboten bekomme.

Anschubpreis hilft bei Weiterführung des Projekts „Äpfel für Aleppo“
Ehrenamtspreis für das Projekt "Äpfel für Aleppo"„Eine Aktion, die durch ihre Einfachheit ebenso besticht wie durch die große Hilfsbereitschaft, die dadurch ausgelöst wurde“ - so beschrieb Dr. Hei8de Wildauer die Aktion „Nordhausen zeigt Herz – Äpfel für Aleppo“, die in diesem Jahr mit dem PARITÄTISCHEN Ehrenamtspreis in der Rubrik „Ideenreiche Köpfe“ ausgezeichnet wurde.
Heide Wildauer, Mitglied im Stiftungsrat der PARITÄTISCHEN BuntStiftung, lenkte die Erinnerung der Zuhörenden noch einmal zurück in den Herbst des vergangenen Jahres. „Täglich haben wir damals in den Nachrichten die schrecklichen Bilder von den Kämpfen rund um die syrische Stadt Aleppo gesehen“, sagte sie. Es seien Bilder gewesen, die alle berührt hätten (unser Bild: die Vertreterinnen des Projekts, Vivian Grabe und Nancy Ziesemann in der Mitte, eingerahmt von Dr. Heide Wildauer und Franz Müntefering)

An eine der wenigen Hilfsorganisationen, die seinerzeit noch in Aleppo tätig waren, ging der Reinerlös der Aktion aus Nordhausen – an „Ärzte ohne Grenzen“. Die Nordhäuser, genauer das Familienzentrum, eine Einrichtung des Jugendsozialwerks, hatten folgende ebenso einfache wie geniale Idee:

An mehreren Aktionstagen im September und Oktober 2016 trafen sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene verschiedener Nationalitäten in und um Nordhausen auf den stadteigenen Streuobstwiesen und ernteten in ihrer Freizeit Äpfel. Die Stadtwerke Nordhausen stellten Sammelbehälter zur Verfügung und organisierten den Transport in die örtliche Mosterei. Dort wurden die Äpfel kostenlos zu Saft verarbeitet.

Der Erlös aus dem Verkauf ging an „Ärzte ohne Grenzen“. So kamen 1600 Euro zusammen, mit denen die vor Ort tätigen Mediziner wichtige Hilfe für die notleidenden Menschen leisten konnten.

Das Projekt soll auch in diesem Jahr weitergeführt werden. Denn viele soziale Einrichtungen und Hilfsorganisationen brauchen Unterstützung. Der Anschubpreis soll bei der Weiterführung helfen und vielleicht auch andere anregen, den Nordhäusern nachzueifern.

Ute Stadelhofer: „Eine Frau, die andere begeistern kann“
Ehrenamtspreis für Ute StadelhoferMit ihren Reiseberichten, Fotausstellungen und ihren Projekten begeistert Ute Stadelhofer aus Gotha Senioren und Kinder gleichermaßen. Für ihr außerordentliches ehrenamtliches Engagement wurde sie jetzt mit dem PARITÄTISCHEN Ehrenamtspreis ausgezeichnet.Ute Stadelhofer ist die „Seele des Projekts Kinder- und Seniorenakademie“ im Klub Galletti in Gotha. So würdigte der Landesgeschäftsführer des PARITÄTISCHEN, Stefan Werner, in seiner Laudatio einen Teil des Engagements von Ute Stadelhofer. „Sie baut Brücken zwischen Jung und Alt.“ Werner wies auch auf ihr großes Engagement bei der Volkssolidarität in Gotha an, wo sie im neu gegründeten Beirat mitarbeitet (unser Bild: Dr. Heide Wildauer von der Volkssolidarität Gotha, Landesgeschäftsführer Stefan Werner, UIte Stadelhofer und Franz Müntefering)

Aber auch ihre Reisevorträge sind in Gotha legendär, weil sie hautnah Menschen und Kultur vermittelt und ihre Zuhörerinnen und Zuhörer auf spannende Reisen in viele Länder mitnimmt, unterstrich Werner Unter dem Motto „So sah ich...“ hat sie bereits 11 afrikanische, sechs amerikanische, 13 asiatische und sechs europäische Länder präsentiert, außerdem Australien und Neuseeland.

Die begeisterte Fotografin organisiert darüber hinaus mit ihren Kolleginnen und Kollegen der Interessengruppe „Photo Gotha 07“ auch immer wieder interessante Foto-Ausstellungen in der kleinen Galerie des Klubs Galletti.

„Diejenigen, die mit ihr seit mehr als zehn Jahren in der Volkssolidarität zusammenarbeiten, würdigen sie als sozial denkend, feinsinnig und klug – eine Frau, die andere begeistern kann“, so Werner bei der Preisverleihung.

Bettina Bräsicke steht Kranken mit Rat und Tat zur Seite
Ehrenamtspreis für Bettina BräsickeBettina Bräsicke weiß, was es heißt, von einer neuromuskulären Erkrankung betroffen zu sein. Sie engagiert sich deshalb intensiv, wenn es darum geht, anderen Erkrankten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Die Bad Salzungerin erhielt für ihr Engagement den PARITÄTISCHEN Ehrenamtspreis in der Kategorie „Regiestars“. Bettina Bräsicke ist aktives Mitglied des Landesverbandes Thüringen der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke. sie ist in der Selbsthilfegruppe im Wartburgkreis aktiv. „Dank ihrer langjährigen Erfahrung weiß sie auch, wie die Anträge für Fördermittel richtig gestellt und dann auch abgerechnet werden“, so der für das Thema Ehrenamt beim PARITÄTISCHEN verantwortliche Referent Andreas Kotter in seiner Laudatio. „Sie unterstützt andere Betroffene, sie ist eine Kämpferin, wenn es darum geht, anderen Betroffenen Mut zu machen“, sagte Kotter weiter (unser Bild: Andreas Kotter,  Bettina Bräsicke und Franz Müntefering)

Er wies darauf hin, dass es in Deutschland mehr als 100.000 Menschen gebe, die von einer neuromuskulären Erkrankung betroffen seien. „ Da es für diese Erkrankungen keine Heilung gibt, sind für die Betroffenen der Erhalt von Lebensqualität, die individuelle Anpassung von lindernden Therapien und die optimale Versorgung mit Hilfsmitteln besonders wichtig“, so Kotter. Auf diesem Gebiet leisteten die Selbsthilfegruppen Hervorragendes, so Kotter weiter. „Sie geben den Betroffenen Rückhalt, sie können mit ihrem Wissen den anderen mit Rat und Tat zur Seite stehen“.

Christoph Seifert: Jung und vielfältig engagiert
Ehrenamtspreis für Christof SeifertFranz Müntefering, der Präsident des Arbeitersamariterbundes und frühere Vizekanzler Deutschlands, war voll des Lobes. „Solch ein Engagement von jungen Leuten ist in der Tat preiswürdig“, sagte Müntefering, nachdem er gehört hatte, was Christoph Seifert, der Preisträger in der Kategorie „Junge Stars“ beim PARITÄTISCHEN Ehrenamtspreis, in seinem Verband in Sömmerda so alles leistet. 2010 stieß Seifert zum Arbeitersamariterbund in Sömmerda. Er übernahm die Kreisleitung der ASJ, der Arbeitersamariter-Jugend mit derzeit 10 Jugendgruppen und sieben Kita-Gruppen. Der 27-Jährige organisiert in dieser Funktion auch den jährlichen Kreiswettbewerb der ASJ (unser Bild: Christian Stadali, Christof Seifert, Franz Müntefering und Christian Karl, der Geschäftsführer des ASB Sömmerda)

Aktiv ist er auch im Schulsanitätsdienst und im Katastrophenschutz. An Grundschulen bietet er Klassenprojekte zum Thema Erste Hilfe an.

Jungen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen hilft er beim Start in ihr neues Leben in Deutschland. Er ist für sie ein vertrauensvoller Ansprechpartner.

„Wenn man beim ASB Sömmerda nach dem fragt, was Christoph Seifert alles macht, wird einem schon mal gesagt: Fragen Sie lieber, was er nicht macht“, würdigte Christian Stadali, Vorstandsmitglied im PARITÄTISCHEN, die Aktivitäten des jungen Mannes, auf den immer Verlass ist. „Er springt ein, wenn im Fahrdienst jemand fehlt, auch im Freibad in Buttstädt, das vom ASB Sömmerda betrieben wird, ist er im Sommer schon mal als Rettungsschwimmer im Einsatz. Christoph Seifert begleitet die Partnerschaft von Sömmerda mit der Partnerstadt in Litauen, er organisiert den Jugendaustausch mit dem Baltikum“, so Stadali.

Karl Matthias: Für die Schwerhörigen ist er stets da
Ehrenamtspreis für Karl MatthiasFür die Schwerhörigen in Bad Salzungen und Umgebung ist Karl Matthias seit fast 40 Jahren ein zuverlässiger Ansprechpartner. Dieses langjährige ehrenamtliche Engagement wurde mit dem PARITÄTISCHEN Ehrenamtspreis in der Kategorie „Weise Stars“ ausgezeichnet. Rolf Höfert, der Vorstandsvorsitzende des PARITÄTISCHEN, wies in seiner Laudatio darauf hin, dass Karl Matthias auch über den Wartburgkreis hinaus lange Jahre im Landesverband der Hörgeschädigten aktiv war. Bis 1999 war er stellvertretender Vorsitzender im DSB-Landesverband. In dieser Funktion war er maßgeblich an der Vorbereitung des sehr erfolgreichen Bundeskongresses 1993 in Erfurt beteiligt. Auch das Thüringer Hörmobil brachte er mit auf den Weg. Seit 1997 fährt das Hörmobil durch die Gemeinden des Freistaates. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hörmobils beraten Hörgeschädigte und ihre Angehörigen individuell, so Höfert (unser Bild: Jens Elschner, Rolf Höfert, Karl Matthias, seine Tochter Katharina und Franz Müntefering).

Höfert wies auf das unermüdliche Engagement von Karl Matthias hin, auf die unzähligen Beratungsgespräche, die er geführt habe, auf die zahlreichen Tipps und Ratschläge, die er Neuerkrankten gegeben habe. 2016 ist er 80 Jahre geworden, 2017 legte er die Vereinsführung in jüngere Hände. Sie blieb aber in der Familie, denn jetzt leitet Tochter Katharina den Verein in Bad Salzungen.

Höfert wies in seiner Rede auch darauf hin, dass Schwerhörigkeit in unserer Gesellschaft noch immer häufig ein Tabu sei, dass Menschen mit Hörhandicap häufig ausgegrenzt würden. Dabei ist Schwerhörigkeit vor allem im Alter schon eine Art Massenkrankheit. Vier von fünf über 65-Jährigen in Deutschland leiden bereits an einer Hörstörung. Deshalb sei die Arbeit von Selbshilfegruppen und Schwerhörigenverbänden so wertvoll, erläuterte Höfert. Dort könnten die Betroffenen sich gegenseitig unterstützen, sich helfen, miteinander reden. „Dort finden sie Verständnis und Rücksichtnahme“

Tags: PARITÄTISCHER Ehrenamtspreis, Franz Müntefering

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