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Ehrenamtliches Engagement

Paritätischer baut die Kooperation mit den Hochschulen aus – Zweiter Verbandstag in Neudietendorf

Die Studierenden aus Jena stellten die Ergebnisse ihrer Arbeit vorNeudietendorf, 6. April 2018. „Für mich ist Ehrenamt Herzenssache“ und „Wir sind die Mädchen für alles“. Zwischen diesen beiden Extrempositionen bewegten sich die Reaktionen von Paritäterinnen und Paritätern, als sie von Studierenden der Ernst Abbé-Hochschule in Jena nach ihrer Einstellung zu ehrenamtlichem Engagement, insbesondere zu ehrenamtlicher Vorstandsarbeit, gefragt wurden. Im Auftrag des Paritätischen waren die Studierenden unter Leitung von Professor Michael Opielka wissenschaftlich den Problemen auf der Spur, die sich bei der Gewinnung ehrenamtlich tätiger Vorstandsmitglieder ergeben (unser Bild zeigt die Vorstellung ihrer Zwischenergebnisse beim Verbandstag in Neudietendorf).. Das Forschungsprojekt ist ein Beispiel für gelingende Kooperation zwischen dem Paritätischen Thüringen und den Hochschulen im Land. Diese Zusammenarbeit auf den verschiedensten Gebieten soll in Zukunft weiter ausgebaut werden. Das unterstrich der Landesgeschäftsführer des Paritätischen, Stefan Werner, beim zweiten Verbandstag der in Neudietendorf stattfand.


Unter dem Titel „Forschung trifft Praxis – Praxis trifft Forschung“ wurden bei dem Verbandstag die Möglichkeiten einer intensiveren Kooperation ausgelotet. Interessant und wichtig ist die Zusammenarbeit für beide Seiten, die Studierenden gewinnen Praxiserfahrung, können Kontakte in die Sozialwirtschaft hinein knüpfen und die Sozialwirtschaft hat die Möglichkeit, ihre praktischen Tätigkeiten theoretisch zu untermauern und sich dabei auch universitäres Know-how zu holen.

Thomas RzepusSo wie es der Verein „Horizont“ in Nordhausen seit Jahren intensiv macht. Thomas Rzepus (Foto) gewährte einen Einblick in diese umfassende und für beide Seiten gewinnbringende Kooperation. So arbeiteten der Verein und die Hochschule bei der Entwicklung des Projektes „Sociallook“ eng zusammen. Erarbeitet wurde dabei von Rzepus und seinem Team eine App, mit der soziale Dienstleistungen und Dienstleister enger mit den Bedürfnissen des Klienten verzahnt werden, bei der kurze digitale Informationswege an der Tagesordnung sind und bei der – das unterstrich Rzepus – der Datenschutz höchste Priorität hat. Die Hoheit über die Daten liege immer beim Klienten, unterstrich Rzepus.

Annett TittmannAus den Erkenntnissen der wissenschaftlichen Forschungsarbeit können die sozialen Verbände wichtige Schlussfolgerungen für ihre tägliche Arbeit ziehen. Diese Erfahrung macht Annett Tittmann vom Verein „Ländliche Kerne“ aus Nickelsdorf/Crossen (Foto). Im Auftrag der Regionalen Aktionsgruppe Saale-Holzland des LEADER-Projektes untersuchten Studierende aus Jena unter Leitung von Professor Andreas Lampert die soziale Infrastruktur in den ländlichen Regionen des Kreises. Gewünscht wurden beispielsweise von den Befragten ein größeres Angebot im öffentlichen Nahverkehr und auch mehr Freizeitmöglichkeiten. Annett Tittmann zieht für sich und ihre Mitstreitenden aus der Forschungsarbeit auch den Schluss, dass man für jedes Dorf einen ehrenamtlich tätigen „Dorfmoderator“ berufen sollte, der die Bedürfnisse der Dorfgemeinschaft zusammenführt. Mit der wissenschaftlichen Expertise im Hintergrund könne man jetzt gegenüber der Kommunalpolitik wesentlich besser argumentieren, so Tittmann.

Auch der Paritätische wird sich mit den Ergebnissen des Forschungsprojektes zur Vorstandsnachfolge noch intensiv auseinandersetzen. Die Zwischenergebnisse, die beim Verbandstag präsentiert wurden, zeigen deutlichen Handlungsbedarf. 58,8 Prozent der befragten Mitgliedsorganisationen bejahten beispielsweise die Frage, ob sie Probleme bei der Gewinnung ehrenamtlicher Vorstandsmitglieder haben.

Genug Diskussionsstoff bieten die Ergebnisse, die im Juni endgültig präsentiert werden sollen. Beispielsweise auch, wenn es darum geht, potenziellen Vorstandskandidaten die Angst und die Sorgen bei der Übernahme von Verantwortung zu nehmen. „Ich möchte mich nicht richtig binden und Verantwortung übernehmen“, bekamen die Studierenden beispielsweise bei ihrer Befragung zu hören. Die Aufgabe derjenigen, die sich jetzt in Verantwortung befinden, wird es sein, durch eine gute Kommunikation, untermauert mit eigenen Erfahrungen und profundem Fachwissen, dem Nachwuchs diese Sorgen zu nehmen.

Ausreichend Material zum Weiterarbeiten gibt es bei allen drei vorgestellten Projekten. „Die Beteiligten vor Ort haben es in der Hand, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen“, unterstrich das Vorstandsmitglied des Paritätischen, Christian Karl, Geschäftsführer des ASB Sömmerda. Und in Bezug auf die Vorstandsstudie fügte er hinzu: „Vorstandsarbeit ist Beziehungsarbeit. Und die findet vor Ort statt.“

Tags: Ehrenamtliches Engagement, Verbandstag

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