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Studie zeigt: Dorfbewohner fürchten um ihre Mobilität - Angebote in ländlichen Regionen bündeln

Elanah Lohse stellte die Ergebnisse vorNeudietendorf, 11. April 2018. Elanah Lohse (Foto) kann sich noch gut an jene Zeit im vergangenen Herbst und Winter erinnern, als sie in den Dörfern des Saale-Holzland-Kreises war – auf der Suche nach Menschen, die sie für ihre Forschungsarbeit interviewen konnte. Aber auf den Straßen waren nur wenige Leute unterwegs. Und auch die Bereitschaft, Interviews zu geben, war nicht so ausgeprägt, wie es Elanah Lohse und ihre Mit-Studierenden gehofft hatten. Trotzdem haben sie in 17 Gemeinden 134 Personen zwischen 8 und 89 Jahren befragt – bei den Rahmenbedingungen eine zeitaufwändige Arbeit. Der Forschungsauftrag für die Studierenden der Ernst Abbé-Hochschule Jena autete: „Wie kann es gelingen, soziale Beratung und niedrigschwellige Alltagsangebote im ländlichen Raum zu organisieren?“ Bei ihrer Arbeit wurden sie von der Regionalen Aktionsgruppe des Saale-Holzland-Kreises unterstützt.


Ein großes Thema, das sich sehr schnell herauskristallisierte, war der Wunsch nach größerer Mobilität. Die Busse sollten in einer deutlich besseren Frequenz fahren und auch außerhalb der Schulzeiten. Nur so können auch ältere Menschen in den ländlichen Regionen Thüringens weiterhin mobil bleiben. Beklagt wurden auch fehlende Angebote zur Freizeitgestaltung, gewünscht wurden mehr Angebote für Erwachsene und Kinder. Ebenfalls hatte der Wunsch nach der Einrichtung von Jugenclubs bei den Befragten einen hohen Stellenwert.

Oft fehlt eine ausreichende Information über Unterstützungs- und Beratungsangebote. So erzählte Elanah Lohse beim Verbandstag des Paritätischen, bei dem sie die Ergebnisse ihrer Arbeit vorstellte, von einem Rollstuhlfahrer, den sie befragt hatte, und der nur unzureichend über ihm zustehende Hilfen informiert war.
Positiv vermerkten die Studierenden, dass vor allem in kleineren Orten der dörfliche Zusammenhalt groß ist, dass viele Dinge in familiärer oder nachbarschaftlicher Selbsthilfe organisiert werden.

Mobilität, soziale Angebote, Sport, Angebote für Kinder und Jugendliche, Freizeitmöglichkeiten – das waren die am häufigsten genannten Themen bei den Befragungen der dörflichen Bewohner. Für Annett Tittmann vom Verein „Ländliche Kerne“ belegt die Studie vieles von dem, was die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in den ländlichen Räumen vom „Bauchgefühl“ her schon erahnten. In den kleineren Orten gibt es noch ein starkes dörfliches Netzwerk, je größer die Orte werden, umso mehr steigt auch die Einsamkeit der Menschen.

Ziel müsse es jetzt sein, die Angebote zu bündeln, so Tittmann. In anderen Regionen gibt es bereits Dorfmoderatoren, die als ehrenamtliche Soziallotsen in dem Ort unterwegs sind, die die Sorgen und Nöte der Dorfgemeinschaft aufgreifen, in dem Dorf motivierend wirken und die örtlichen Stimmungen auffangen. Notwendig, so Tittmann, sei für die weitere Entwicklung der ländlichen Räume in Thüringen auch ein engeres Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamtl.

Annett Tittmann und ihre Mitstreitenden in den sozialen Netzwerken der ländlichen Räume Thüringens können nach dieser Studie jedenfalls mit wissenschaftlicher Unterstützung ihre Anliegen bei den verantwortlichen Kommunalpolitikern weiter vortragen und auf Lösungen drängen. Und Elanah Lohse zieht eine ganz persönliche Schlussfolgerung aus ihren Erhebungen vor Ort: „Solche Umfragen macht man doch besser im Frühling oder im Sommer.“

Tags: Ländliche Kerne, Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ländlicher Raum

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