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Ehrenamtliches Engagement

Studie zeigt: Rahmenbedingungen für das Ehrenamt verbessern – Vorstandsmitglieder motivieren

Die Studierenden aus Jena legen ihre Studie vorNeudietendorf, 10. April 2018. Ehrenamtliche Vorstandsmitglieder zu gewinnen, ist nicht einfach. Elke Lieback weiß das. Die Geschäftsführerin von pro familia berichtet aus ihren Erfahrungen: „Viele junge Leute wollen sich sozial engagieren aber nicht Vorstandsarbeit machen.“ Viel Überzeugungsarbeit ist da notwendig, eine lange Einarbeitung. Aber das allein reicht nicht: Es müssen sich auch Rahmenbedingungen ändern. Das machen  Studierende der Ernst Abbé-Hochschule Jena in ihrer Forschungsarbeit deutlich, die beim zweiten Verbandstag des Paritätischen vorgestellt wurde (Foto). Dabei ging es darum, die aktuelle Situation ehrenamtlicher Vorstandsarbeit zu untersuchen und Handlungsempfehlungen zu entwickeln, wie mehr Ehrenamtler für Vorstandstätigkeiten gewonnen werden können. Die Stellschrauben können ihrer Meinung nach in vielen Bereichen angesetzt werden: Bei der attraktiveren Gestaltung ehrenamtlichen Engagements ebenso wie bei der Förderung der Motivation von Vorstandsarbeit und organisatorischen Verbesserungen.


Auf 58,8 Prozent der Fragebögen hieß es, dass es Probleme bei der Gewinnung ehrenamtlicher Vorstandsmitglieder gibt – ein Trend, der schon seit längerem zu beobachten ist und auch einer der Gründe war, warum die Paritätische BuntStiftung diese Forschungsarbeit mit angestoßen hat. Den Ursachen sollte tiefer nachgespürt und Handlungsempfehlungen entwickelt werden.

Viele potenzielle Vorstandsmitglieder schrecken vor einem Engagement zurück, weil sie durch unvorhersehbare Lagen und subjektiv unklare Haftungsfragen verunsichert sind. Hier müsse Aufklärung geschaffen werden und auch durch umfassende Information den Vorstandsmitgliedern ihre Sorgen genommen und so ein umfassendes Bewusstsein für die Arbeit im Vorstand geschaffen werden. Auch sei es notwendig, die Beantragung von Fördermitteln zu vereinfachen, empfehlen die Studierenden. Und es gehöre sehr viel Überzeugungsarbeit dazu: „Mögliche Vorstandsmitglieder sollten darin bestärkt werden, dass sie die Fähigkeiten für einen Vorstandsposten mitbringen und sich für die Tätigkeit als Vorstand eignen“, empfehlen die Studierenden nach der Auswertung der von ihnen erhobenen Daten.

Bei dem Verbandstag legten sie einen ausführlichen Zwischenbericht vor, der Abschlussbericht soll dann im Juni erscheinen. Die Studierenden empfehlen auch, den Blick über die jeweilige Organisation hinaus zu weiten und möglicherweise Noch-Nicht-Vereinsmitglieder anzusprechen und für eine solche Tätigkeit zu begeistern. Dabei sollten vor allem die Vorteile, die sich durch ein solches Amt ergeben, herausgestrichen werden. „Wichtige subjektive Motivlagen sollten dabei gemeinsam erörtert und mit den Möglichkeiten der Organisation abgeglichen werden“, heißt es in den Handlungsempfehlungen. Dabei weisen die Studierenden darauf hin, dass es keinen „wichtigsten“ motivierenden Aspekt für freiwilliges Engagement gibt, sondern immer nur Motivbündel.

Ein weiterer erfolgversprechender Ansatz ist aus Sicht der Studierenden eine bessere Aufklärung über die Vorstandsarbeit. Veranstaltungen zu Vereinsrecht, Vorstandsarbeit und anderen Themen sollten auf regionaler Ebene organisationsübergreifend organisiert und wahrgenommen werden. Darüber hinaus wird empfohlen, die Vorstandswerbung zu intensivieren und auch die Arbeitsorganisation auf den Prüfstand zu stellen. Empfohlen wird, Einarbeitungsstrukturen zu schaffen, um ehrenamtliche Vorständen dabei zu helfen, ihre Tätigkeit nahtlos und mit einem bestimmten Wissensfundus aufzunehmen.
Eingebettet werden sollten diese Maßnahmen in die Verbesserung von Rahmenbedingungen, um ehrenamtliche Tätigkeit attraktiver zu machen und mehr Anreize zu schaffen. Für ehrenamtliche Arbeit könnten beispielsweise Zusatzqualifikationen ermöglicht oder Zertifikate ausgereicht werden. Auch bei Aufwandsentschädigungen, Fahrgeld und Versicherungen sehen die Studierenden Möglichkeiten, das Ehrenamt attraktiver zu gestalten.

Eins bleibt auch nach den Zwischenergebnissen dieser Studie klar: Es ist noch viel zu tun. Der Paritätische wird das Thema Ehrenamt weiter mit all seinen Facetten begleiten, wird bei der Politik entsprechende Maßnahmen anmahnen, selbst Weiter- und Fortbildungen anbieten und gemeinsam mit den Mitgliedsorganisationen an dem Thema weiterarbeiten.

Verbandsinterne Motivation dazu liefert die Studie ebenfalls: Das Angebot des Paritätischen in diesem Bereich wird von den Befragten als gut bewertet und auch die Auszeichnung ehrenamtlichen Engagements durch die Verleihung des Paritätischen Ehrenamtspreises findet positive Resonanz. Am 23. Mai ist es in diesem Jahr wieder so weit. Dann wird der Ehrenamtspreis 2018 verliehen.

 

Tags: Ehrenamtliches Engagement, Ernst-Abbe-Hochschule Jena, Vorstandsnachfolge

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