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Fachtag Arbeitgeberattraktivität: „Sozialwirtschaft muss lernen, sich besser zu verkaufen.“

Fachtag 25.02.2016Neudietendorf, 24.02.2016. Der bisher so vertraute Arbeitgebermarkt hat sich zu einem Arbeitnehmermarkt mit gänzlich anderen Mechanismen entwickelt. Mit diesen Worten brachte Ramona Klein die aktuelle Situation in der Sozialwirtschaft auf den Punkt. Im Rahmen eines Fachtages trafen sich Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Thüringen um der Frage nachzugehen, wie Unternehmen in der Sozialwirtschaft für Fachkräfte attraktiv(er) werden können.
Der Vormittag setzte sich aus einer Reihe von Vorträgen, unter anderem von den QualifizierungsentwicklerInnen Susann Steinbrück, Ramona Klein und Jan Montag, zusammen. Aus den Vorträgen ging das Problem des Fachkräftemangels in Thüringen, aber auch in ganz Deutschland, hervor. Für diesen Mangel gibt es mehrere Gründe, demografischer Wandel und Abwanderung wurden hier nur exemplarisch genannt, aber auch eine adäquate Nachqualifizierung ist in der Sozialwirtschaft im Gegensatz zu anderen Branchen kaum möglich, sodass dieses Potenzial ungenutzt verstreicht. Das Fehlen an ausreichenden Fachkräften führt dazu, dass Arbeitnehmer eine größere Auswahl an offenen Stellen vorfinden und somit ganz spezielle Ansprüche an ihren Arbeitgeber stellen können. Susann Steinbrück bezeichnete dies als „War for Talents“, den Kampf und die besten Köpfe.

Cornelia Heider-Winter, die Autorin des Buches „Employer Branding in der Sozialwirtschaft. Wie Sie als attraktiver Arbeitgeber die richtigen Fachkräfte finden und binden“, referierte zum Thema Arbeitgebermarkenbildung. Eine authentische Arbeitgebermarke hilft nicht nur dabei, die richtigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die richtige Arbeitsstelle zu gewinnen, sondern auch zu halten und zu binden. Wichtig sei es, sagt Heider-Winter, sich bewusst zu machen, wo die Stärken und Schwächen eines Unternehmens liegen. Die Vorteile in der Sozialwirtschaft wie etwa sinnstiftende Aufgaben, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die Berücksichtigung von Überstunden werden einfach als selbstverständlich angesehen und dementsprechend nicht als besondere Vorteile gegenüber anderen Branchen erkannt. Dabei gibt es ganze Generationen, die besonders nach Sinnstiftung und Work-Life-Balance streben.
In Workshops am Nachmittag diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterschiedlichste Aspekte einer gelingenden Arbeitgebermarke. Im Forum zum Thema Öffentlichkeitsarbeit wurden u.a. hilfreiche Anknüpfungspunkte für das kleine Budget besprochen, denn oft sind es gerade die unscheinbaren Aktionen, mit denen sich Unternehmen der Sozialwirtschaft nach außen und innen gut aufstellen können. Auch die psychische und physische Gesundheit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wurde als wichtiges Handlungsfeld diskutiert. Im Workshop Personalgewinnung wurden Strategien zur Mitarbeitergewinnung besprochen und die Bindung von ausländischen Fachkräften sowie deren langfristige Integration in das gesellschaftliche Leben als ein wichtiger Punkt herausgestellt. Dieses Potential zukünftig besser anzugehen war Konsens der Runde. Wenn jedoch Führung und Unternehmenskultur konträre Signale senden, „verpuffen“ die vielen einzelnen Aktionen. Daher müssen Werte und Ansichten im gesamten Unternehmen gelebt werden.
Viele Unternehmen arbeiten bereits mit verschiedensten Elementen an ihrer Attraktivität. Diese zu bündeln und die eigenen Vorteile als passender Arbeitgeber klar herauszustellen, bleibt jedoch weiterhin eine Herausforderung für die Zukunft.

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