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Fort und Weiterbildungsangebot will wachsendem Antisemitismus in Thüringen entgegentreten

2018 09 05 jüdisches lebenNeudietendorf, 05. September 2018. Die Sicherheitsbehörden in Thüringen und jüdische Organisationen registrieren seit Jahren einen steigenden Antisemitismus in Thüringen. Mittlerweile liegt der Freistaat mit 29,8 antisemitischen Straftaten auf Platz zwei in der Liste der Bundesländer hinter Berlin (46,1 antisemitische Straftaten), aber deutlich über dem Bundesdurchschnitt, der bei etwa 15 Straftaten je 100.000 Einwohnern liegt.

Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsabgeordneten Linda Teuteberg hervor, über die die TLZ jetzt berichtete. Wie geht man mit Antisemitismus um, wie kann man ihm entgegentreten? All das sind Fragen, die bei einer Fortbildungsreihe für pädagogische und soziale Fachkräfte zum Thema „Umgang mit Antisemitismus“ diskutiert werden sollen. Die Veranstaltungsreihe wird gemeinsam mit der Zentralen Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland und dem Paritätischen Thüringen auf die Beine gestellt.
Antisemitismus tritt als gesamtgesellschaftliches Phänomen in diversen Sozialräumen auf. Dabei überlagern die offenen, gewaltförmigen Aggressionen gegen Jüdinnen und Juden zunehmend die subtileren Erscheinungsformen und manifestieren sich speziell in Bildungseinrichtungen besonders häufig. In Deutschland schafft die historische Tradierung von Antisemitismus einen besonderen Kontext für die pädagogische Prävention. Jahrelang wurde die Judenfeindlichkeit ausschließlich im Kontext von Geschichtsvermittlung behandelt. Aktueller Antisemitismus ist nach wie vor kein Lerngegenstand der pädagogischen Ausbildung. Die steigenden Fallzahlen antisemitischer Diskriminierung und Gewalt stellen Fachkräfte vor die Herausforderung, kompetent auf diese Entwicklungen zu reagieren. Dabei geht es um Fragen wie: Was ist Antisemitismus? Welche Erscheinungsformen sind heute relevant? Welche pädagogischen Grundprinzipien, Gegenstrategien und Arbeitsformen haben sich bewährt? Welche Handlungsstrategien im Umgang mit Vorfällen sind wirksam und empfehlenswert? Wie kann der Schutz derer, die Antisemitismus erfahren, gewährleistet werden?

Die Weiterbildung besteht aus drei Modulen und soll Fachkräfte der sozialen Arbeit und Pädagogik darin unterstützen
• den aktuellen Antisemitismus unter Einbeziehung jüdischer Perspektiven wahrzunehmen und seine aktuelle Relevanz anzuerkennen,
• seine gegenwärtigen Erscheinungsformen unter Berücksichtigung ihrer zentralen Mechanismen und Funktionen zu identifizieren,
• zeitgemäße pädagogische Zugänge einzuüben,
• Reaktions- und Interventionsmöglichkeiten zu erproben bzw. zu implementieren.

Das ACT Training ist ein bundesweites Programm des Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment (ZWST), welches in verschiedenen Bundesländern umgesetzt wird. In Thüringen wird das ACT Training in Kooperation mit dem Paritätischen Thüringen und dem Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment durchgeführt. Die Teilnahme an dem Programm ist kostenfrei.
Am 17. September findet im Zinzendorfhaus eine Auftaktveranstaltung statt, bei der es weitere Informationen zu der Weiterbildungsreihe geben wird. Weitere Informationen und Anmeldung bei Elisa Grahmann vom Projekt Schau HIN vor Ort, Mail
Und auf https://mailchi.mp/19f3b0d0a4b0/1792018-auftaktveranstaltung-act-neudietendorf

Foto: pixabay
Schau Hin wird gefördert durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat im Rahmen des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“ und durch das Thüringer Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit.

Tags: Fort- und Weiterbildung, Schau HIN, ZWST, Antisemitismus

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