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„Frieden ist keine unerreichbare Utopie“: Appell zum Kampf gegen die Gleichgültigkeit

Friedensdemonstration auf dem Erfurter AngerErfurt, 2. September 2016. Der Song von Olaf Bessert, dem Liedermacher aus Gotha, geht den Menschen auf dem Erfurter Anger nahe. Bessert besingt eindrucksvoll das Leid einer Mutter, die ihr Kind bei einem Bombenangriff verloren hat. „Das war ein Kinderbett, dieses halbverkohlte Holzgestellt“, heißt es da. Und weiter: „Und die Kriegsherren sagen, ihr Krieg sei gerecht.“ Auf dem Erfurter Anger demonstrieren Thüringerinnen und Thüringer für den Frieden, auf dem Pflaster und an der Straßenbahnhaltestelle macht die bunte Regenbogenfahne mit der Aufschrift „Pace“ auf das Anliegen derjenigen aufmerksam, die sich hier zum Weltfriedenstag auf Initiative des Erfurter Aktionskreises Frieden versammelt haben.


Ute Hinkeldein, die unermüdliche Erfurter Friedensaktivistin, vergleicht den jährlichen Weltfriedenstag mit einem Stern, nach dem sich die Menschen sehnen. Sie spricht von den Kriegen in der Welt, von der Aufrüstung, von den Milliarden für Waffen. Und sie unterstreicht, wie wichtig der Protest ist. „Frieden ist möglich“, so ihr Credo, für das sie seit vielen Jahren in Erfurt auf die Straße geht. Karin Landherr, die Stadträtin der Linkspartei, stimmt ihr zu. „Frieden ist keine unerreichbare Utopie.“ Sie erinnert daran, dass viele Kriege auch aus sozialer Ungerechtigkeit entstehen. „Die wirtschaftlichen und politischen Interessen stehen über den Interessen der Menschen.“

Die Gleichgültigkeit vieler Menschen gegenüber denen, die Not leiden – sowohl im In- wie auch im Ausland – prangert Hartmut Kaczmarek, der Profiler des Paritätischen, in seiner Rede an. Er erinnert daran, dass das Leiden der Menschen in der Ost-Ukraine oder den Kurdengebieten in den Nachrichten kaum noch eine Rolle spielten, dass sich die Menschen angesichts der vielen Katastrophen in der Welt in ihre Privatsphäre zurückzögen. „Diese Gleichgültigkeit ist eine große Gefahr für den Frieden“, sagte er und forderte die Menschen zur Solidarität mit denen in Not auf. Jeder könne in seinem eigenen Umfeld etwas tun, damit diese Gleichgültigkeit überwunden werde.

„Zur Gleichgültigkeit kommt auch noch das Gefühl der Hilflosigkeit“, nahm der grüne Stadtrat Peter Bender den Faden auf. Von diesem Gefühl der Hilflosigkeit dürfe man sich nicht überwältigen lassen, sondern man müsse aktiv sein. Bender warnte vor neuen Feindbildern, die ständig aufgebaut würden. Und er forderte Konversionsanstrengungen in der Rüstungsindustrie.

Für Matthias Weiß von der offenen Jugendarbeit der evangelischen Kirche war die Bundeswehr-Aussstellung auf dem Erfurter Domplatz ein „Dammbruch.“ Es sei „unglaublich, dass Waffen als Spielzeug missbraucht wurden.“ Sein Appell: „Gewehre, Panzer und Drohnen sind keine Spielgeräte“. Und Klaus Schöller vom DGB Hessen-Thüringen erinnerte daran, dass Deutschland der viertgrößte Rüstungsexporteur der Welt sei, dass die meisten Kriege Wirtschaftskriege seien. Und er zog auch die Linie vom äußeren zum inneren Frieden und prangerte die sozialen Ungerechtigkeiten in Deutschland an.

Tags: Aktionskreis Frieden Erfurt

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