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Kinder aus benachteiligten Familien brauchen mehr Unterstützung

Die jüngsten Zahlen der Bertelsmann Stiftung über Kinderarmut sind alarmierend. Zur Gleichbehandlung aller Kinder fordert der Deutsche Kinderschutzbund eine Umstellung der Familienförderung hin zu einer Grundsicherung für Kinder in Höhe von 536 €. Das hilft besonders auch Kindern aus armen Familien entgegen dem in der Koalitionsvereinbarung festgehaltenen gebührenfreien ersten Kindergartenjahr. Wie die Bertelsmann-Studie kürzlich zeigte, bleibt die Kinderarmut in Deutschland weiterhin auf sehr hohem Niveau. Auch nach den Zahlen der statistischen Ämter des Bundes und der Länder stieg die Armutsquote der Minderjährigen von 2012 auf 2013 gleich um 0,7 Prozentpunkte auf 19,2 Prozent an und bekleidet damit den höchsten Wert seit 2006.

Gemessen am Bundesmedian betrug die Armutsgefährdungsquote in Thüringen für Kinder und Jugendliche im Alter unter 18 Jahren im Jahr 2013 insgesamt 23,0 Prozent. Innerhalb Thüringens fielen die Armutsquoten im Jahr 2013 sehr unterschiedlich aus: Während Südthüringen einen Wert von 15,8 Prozent erreicht, liegen die Quoten für Ostthüringen (18,2 Prozent), Mittelthüringen (18,8 Prozent) und Nordthüringen (19,2 Prozent) deutlich darüber. In allen Planungsregionen stieg die Quote im Vergleich zum Jahr 2012 um 1,0 bis 1,5 Prozent an .

Die Thüringer Landesregierung hat in der Koalitionsvereinbarung festgehalten, das erste Jahr im Kindergarten gebührenfrei zu gestalten. Doch davon haben sozioökonomisch benachteiligte Kinder und deren Familien nichts! Sie sind von diesen Kosten freigestellt. Damit kommt diese Entscheidung Kindern aus besserverdienenden Elternhäusern zugute. Finanziert wird das zum Teil aus der Abschaffung des Landeserziehungsgeldes.
Wenn die Gleichbehandlung aller Kinder angestrebt wird, kann dies als ein erstes kleines Zeichen dafür wahrgenommen werden, betont Dr. Rainer Benkmann, Vorsitzender des Deutschen Kinderschutzbundes in Thüringen. Maßnahmen zur Armutsbekämpfung müssen eine landes- und ressortübergreifende Aufgabe sein. Diesem Vorstoß muss die Initiative folgen, bundesweit Bildung und Erziehung für Kinder kostenfrei zu stellen. Damit würden alle Kinder und Jugendlichen dem Staat gleich viel wert sein.
Dazu trägt die vom Deutschen Kinderschutzbund geforderte Kindergrundsicherung bei. Sie besteht aus einem sächlichen Existenzminimum in Höhe von derzeit 356 €, dass unabhängig vom elterlichen Einkommen gezahlt und jährlich an das kindliche Existenzminimum angepasstwird. Zusätzlich wird ein Betrag in Höhe von 180 € für Bildung und Betreuung gezahlt, so lange der Staat nicht sämtliche Kosten für Betreuung, Bildung Ausbildung aber auch Kursgebühren, Mitgliedsbeiträge, Lernmittel, Fahrtkosten oder Studiengebühren übernimmt.
Um eine sozialen Ausgleich herzustellen würde diese Leistung in Höhe von 536 € versteuert werden, so dass mit steigendem Einkommen der Eltern die Kindergrundsicherung abnimmtund so besonders benachteiligte Kinder und Familien unterstützt werden.
Das ist eine enorme finanzielle Aufgabe, die jedoch nicht unlösbar ist. Doch in diese Leistung würden die bisherigen wie Kindergeld, Kinderzuschlag, Sozialgeld und Unterhaltsvorschuss integriert. Zudem ist das Ehegattensplitting abzuschaffen und aus der Besteuerung würden ebenfalls Mittel zurück fließen. Die verbleibende Lücke muss in einer Diskussion über die Einführung der Vermögenssteuer oder die Anhebung der Erbschaftsteuer geschlossen werden.
Damit sollte der Forderung nach Gleichbehandlung aller Kinder entsprochen werden können. Im Gegenzug der Thüringer Maßnahme soll das Landeserziehungsgeld abgeschafft werden.

 

Tags: Kinderarmut, Kinderschutzbund

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