Sehenswerte Ausstellung in Kahla: So alltäglich ist rechtsextreme und rassistische Gewalt

Das Plakat zur Ausstellung Angsträume

 

 

Kahla, 11. April 2017. „Es tut weh hinzuschauen, wenn Menschen Gewalt und Unrecht angetan wird.“ Die evangelische Landesbischöfin Ilse Junkermann sagt das in ihrem Grußwort zur Ausstellung „Angsträume“. Junkermann ist die Schirmherrin der sehenswerten Ausstellung, die noch bis zum 22. April im großen Saal des Rathauses Kahla gezeigt wird. Die als Wanderausstellung konzipierte Ausstellung zeigt an verschiedenen Beispielen, wie alltäglich überall in Thüringen Gewalt aus rechten, rassistischen und antisemitischen Motiven ausgeübt wird.Der Demokratieladen Kahla begleitet die Ausstellung mit Aktionswochen zu Strategien der Selbstbehauptung bei rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.


Die Dokumentation basiert auf 14 Fällen rechter Gewalt, die sich zwischen 2012 und 2015 an verschiedenen Orten in Thürin¬gen ereignet haben. Sie markieren einen Querschnitt verschieden motivierter Angriffe und Formen rechter Gewalt. Die Tatorte befinden sich in fast allen Regi¬onen Thüringens. Alle Angriffe sind ezra, der mobilen Beratung für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen, bekannt und wurden in weiten Teilen auch von ezra bearbeitet. Zudem will die Ausstellung an die 8 Todes¬opfer rechter Gewalt in Thüringen erin¬nern, die unabhängige Organisationen seit 1990 wahrgenommen haben.


Blick in die Ausstellung AngsträumeDas Anliegen der Ausstellung ist es, für die Alltäglichkeit rechter Gewalt zu sensibilisieren. Einige Formen von Gewalt werden dauerhaft, andere subtiler oder bedrohlicher ausgeübt. Viele Fälle erfahren keine Öffentlichkeit. Rechte Gewalt ist an vielen Orten alltäglicher und weiter ver¬breitet, als die öffentliche Darstellung vermuten lässt.
Bei der Zählung der Todesopfer rechter Gewalt zeigt sich eine besonders starke Abweichung zwischen staatlichen Behör¬den auf der einen Seite und unabhängi¬gen Organisationen und Journalistinnen und Journalisten auf der anderen Seite. Von den in der Ausstellung aufgeführten Todesopfern rechter Gewalt ist nach wie vor lediglich eines staatlich anerkannt. Die Ausstel¬lung möchte dazu beitragen, dass diese Menschen in Erinnerung bleiben.

Für die Betroffenen bedeuten Angriffe – in welcher Form auch immer – tiefe Einschnitte in ihr vertrautes Leben. Es entstehen subjektiv wahrgenommene „Angsträume“, die individuell erlebt wer¬den. „Angsträume“ können auch für ganze Gruppen aus einem permanenten Szenario der Bedrohung heraus entste¬hen. Besonders schwierig ist die Situation für Betroffene, die aus Motiven gruppen¬bezogener Menschenfeindlichkeit in der Kneipe, im Supermarkt oder in den eigenen vier Wänden angegriffen werden: Für sie wird die persönliche Lebenswelt zu einem „Angstraum“.

Bischöfin Junkermann weist darauf hin, dass Hinschauen, so schwer es auch im Einzelfall fallen mag, die Voraussetzung dafür ist, dass Unrecht wahrgenommen wird und sich Menschen auf die Seite derer stellen, die angegriffen, verletzt und ausgegrenzt werden. „Wegschauen bedeutet dagegen, die Betroffenen allein zu lassen.“ „Nächstenliebe verlangt Klarheit“, so Junkermann. „Es ist unsere Pflicht, gegen die Abwertung und Missachtung von Menschen aufzustehen und der Gewalt klar und entschieden entgegen zu treten.“

Die Veranstaltungsreihe des Demokratieladens Kahla wird am Mittwoch, 19. April, abgeschlossen mit einem Workshop zu „Strategien der Selbstbehauptung“ mit einem Selbstverteidigungstrainer aus Gera. Teilnahme ist nur nach Voranmeldung möglich Anmeldungen an

Die Aktionswochen des Demokratieladens finden in enger Kooperation mit der mobilen Thüringer Opferberatung ezra, der SPD Kahla und der evangelischen Kirche in Mitteldeutschland statt.

Tags: Rechtsextremismus, Rassismus, Ezra, Ilse Junkermann

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