verband

„Wir müssen mit unseren Aufgaben wachsen“ - Mitgliederversammlung des Paritätischen - Vorstand und Stiftungsrat neu gewählt


Der neue Landesvorstand des ParitätischenNeudietendorf, 11. November 2015. „Wir PARITÄTERINNEN und PARITÄTER haben weiter Visionen. Wir gehen aber nicht zum Arzt, sondern zu Ihnen.“ Rolf Höfert, der wiedergewählte Vorstandsvorsitzende des PARiTÄTISCHEN, blickt bei diesen Worten Thüringens Finanzministerin Heike Taubert (SPD) fest an. Taubert, die an diesem Tag die Glückwünsche der Landesregierung zum 25. Geburtstag des Paritätischen überbringt, hat zuvor dazu ermuntert, sich an sie zu wenden: „Ich wünsche mir, immer wieder etwas von der PARITÄT zu hören.“ Spontane Reaktion von Landesgeschäftsführer Reinhard Müller: „Das ist versprochen.“
Gleich zwei Ministerinnen der Landesregierung gratulieren dem Landesverband zu seinem 25. Jubiläum, das einen Schwerpunkt der Mitgliederversammlung bildete. In zwei Talkrunden wurde zurück- und nach vorne geblickt. Zweiter Schwerpunkt der Mitgliederversammlung war die Wahl des Vorstandes und des Sitftungsrates der Paritätischen BuntStiftung.

Vorstandsvorsitzender bleibt Rolf Höfert. Er erhielt 78 von 78 abgegebenen Stimmen. Weitere Vorstandsmitglieder: Katja Heinrich (Jena), Elke Lieback (Weimar), Petra Michels (Bad Klosterlausnitz), Christian Karl (Sömmerda), Christian Stadali (Wemar), Dr. Nikolaus Dorsch (Altenburg).
Die neu gewählten Stiftungsratsmitglieder der Paritätischen BuntStiftung, Wolfgang Volkmer und Katrin Welke, mit Stiftungspräsidentin Evemarie Schnepel und dem stellv. Direktor der BuntStiftung Stefan Werner. Nicht auf dem Bild: der ebenfalls in den Stiftungsrat gewählte Matthias WilfrothIn den Stiftungsrat der Paritätischen Buntstiftung wurden gewählt: Katrin Welke (Neuhaus a.R.), Wolfgang Volkmer (Jena) und Matthias Wilfroth (Waltershausen).
Thüringens Sozialministerin Heike Werner (Linkspartei) dankt in ihrer Rede den Tausenden ehrenamtlicher Helfer in Thüringen für ihren Pragmatismus bei der Aufnahme der Flüchtlinge in Thüringen gedankt. „Sie überwinden die Zuständigkeitsgrenzen und packen an, sie erhalten die soziale Infrastruktur aufrecht“, sagt Werner mit Blick auf viele bürokratische Hürden, mit denen sich Ehrenamtler bei ihrer Arbeit konfrontiert sehen. Es habe Fehler bei der Zusammenarbeit mancher Behörden gegeben, räumt Werner ein. Die Sozialministerin sagt, gerade in der aktuellen Situation zeige sich die Notwendigkeit einer umfassenden Sozialplanung in Thüringen. Bei ihr genießt die Sicherstellung der sozialen Infrastruktur Thüringens in den nächsten Jahren Priorität.

Werner wie auch die stellvertretende Ministerpräsidentin Heike Taubert und der Landesgeschäftsführer des Paritätischen, Reinhard Müller, heben in der Veranstaltung die Bedeutung hervor, die in ihren Augen die Arbeit des Bündnisses „Mitmenschlich in Thüringen“ hat. Müller ruft die Politiker auf, das Bündnis nicht parteipolitisch zu vereinnahmen. „Das Bündnis macht allen Mut, die sich einsetzen und helfen“, so Taubert. Sie sieht die Notwendigkeit, bei allen Debatten über die Bewältigung der Integrationsaufgabe immer „der Mitmenschlichkeit verpflichtet“ zu sein. Reinhard Müller ruft Sozialverbände und Politik auf, gemeinsam nach neuen Lösungen zu suchen. Patentrezepte habe keiner. Aber in der aktuellen Situation mache sich der Rückbau der sozialen Infrastruktur in den vergangenen Jahren negativ bemerkbar. „Eine öffentliche Verarmung bei gleichzeitiger Steigerung des privaten Reichtums – das rächt sich jetzt.“ „Wir haben viele gemeinsame Aufgaben, damit die Dumpfsprüche der Wutbürger nicht die vielen Freiwilligen demotivieren“, so Müller.

Die stellvertretende Ministerpräsidentin Heike Taubert dankt den PARITÄTERINNEN und PARITÄTERN in Thüringen für ihren „Dienst am Menschen und Dienst mit den Menschen.“ Der Paritätische mit seinen 340 Mitgliedsorganisationen sei ein Zusammenschluss „vieler bunter Vögel im besten Sinne, mal kleinere, mal größere“, so die frühere Sozialminiisterin. Und weil sie jetzt die oberste Hüterin der Thüringer Kassen ist, verweist sie darauf, dass in den Sozialbereich in Thüringen auch mehr Geld geflossen sei. Sie nennt die gemeinwohlorientierte Beschäftigung und die Erhöhung des Landesblindengeldes. Und sie hebt die Vorteile eines Doppelhaushaltes für die Projekte der sozialen Verbände hervor: „Das gibt Ihnen Planungssicherheit.“

Die Stimme des Paritätischen hat in der Thüringer Sozialpolitik Gewicht. Das unterstreichen nicht nur die Zahlen, die die Mitgliederpilotin Sandra Geyer vorlegt. Danach sind den 340 Mitgliedsorganisationen 28.000 Hauptamtliche beschäftigt, 10.000 sind ehrenamtlich tätig. „Und die sozialwirtschaftlichen Bilanzen, die einige Kreisgruppen vorgelegt haben, unterstreichen die Wichtigkeit der Sozialwirtschaft“, ergänzt Rolf Höfert. Auch die Politikerinnen und Politiker heben die Bedeutung des PARItÄTISCHEN in Thüringen in ihren Reden hervor.

Reinhard Müller fordert in seinem Bericht eine größere Mitbeteiligung der Zivilgesellschaft bei politischen Entscheidungen im Land ein. Er kritisiert auch die Absichten der Landesregierung, auf einen Branchentarifvertrag für die Sozialwirtschaft hinzuwirken: „Wir stehen für das Prinzip der Subsidiarität. Wir wollen die Entwicklung in unseren eigenen Händen haben.“ Und er verweist auf die Erfolgsgeschichte des Paritätischen Arbeitgeberverbandes PATT, an dessen Erfolgsgeschichte sich auch mittlerweile Landesverbände wie die in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern orientierten.

Mit einem Rückblick auf die Anfänge des PARiTÄTISCHEN vor 25 Jahren hatte die Mitgliederversammlung begonnen. Margit Jung, die Vorsitzende der Volkssolidarität Gera, erinnerte sich an einen Lkw voller roter Grütze, der von einem Thüringer Unternehmen für Seniorenheime und unKitas gespendet worden war. Drei Jahre habe der Vorrat gereicht. Elke Lieback, ausgebildete Hygiene-Ingenieurin, schilderte ihren Weg in die soziale Arbeit, Caritas-Direktor Bruno Heller berichtete von der neu gewonnen Freiheit der kirchlichen Sozialarbeit und Reinhard Müller erinnerte sich an seine ersten Schritte in Thüringen, noch bevor er sich als Landesgeschäftsführer bewarb. Ein von ihm geleiteter hessischer Sozialverein bildete in Jena unter anderem Suchtberater aus – und das ausgerechnet als Untermieter in einer Gastwirtschaft. „Manchmal haben wir am Telefon auch Essens-Bestellungen entgegengenommen,“ schmunzelt Müller.

Einig ist sich die Runde, dass nur im Zusammenspiel zwischen Sozialverbänden und Politik Thüringen sozialpolitisch nach vorne kommt. Bruno Heller wünscht sich eine Diskussion auf Augenhöhe mit der Politik, Elke Lieback beklagt den ständigen Kampf um ausreichende Finanzierung. Das sei heute nicht anders als vor 25 Jahren. Margit Jung, auch Landtagsvizepräsidentin, fordert die Sozialverbände auf sich einzumischen. Und Reinhard Müller hebt bei allen Schwierigkeiten und allen Wünschen an die Politik hervor, dass Thüringen auf diesem Gebiet deutlich weiter sei als die Nachbarländer Sachsen-Anhalt und Sachsen.

Müllers Appell an die PARITÄTERINNEN und PARITÄTER an diesem Tag und sein Wunsch für die nächsten 25 Jahre: : „Wir müssen mit unseren Aufgaben wachsen, wir müssen offen sein für Veränderungen, wir müssen manchmal auch anstößig sein, um anzustoßen.

Tags: Paritätische BuntStiftung, Mitgliederversammlung, Landesvorstand

Drucken

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies.
Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer
Datenschutzerklärung Ich habe Verstanden.