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„Wirtschaftliches Handeln schafft neue Spielräume für Soziales“ - Zertifikatskurs: Betriebswirtschaftliche Steuerung sozialer Organisationen

Professor Klaus SchellbergNeudietendorf, 30. Juni 2016. Führungskräfte sozialer Organisationen sind in der heutigen Zeit immer stärker auf betriebswirtschaftliches Know How angewiesen, um strategische Entscheidungen nicht nur werteorientiert, sondern auch unternehmerisch fundiert treffen zu können. Ein Zertifikatskurs der Paritätischen Akademie vermittelt grundlegende betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Kompetenzen, die für die Steuerung sozialer Organisationen relevant sind. Er richtet sich an Fach- und Führungskräfte, die hierzu Kenntnisse erlangen, erweitern oder auffrischen wollen. Für Interessenten, die speziell nur in einem Handlungsfeld ihr Wissen erweitern wollen, ist auch die Buchung einzelner Module – nach Absprache mit der Paritätischen Akademie – möglich. Die Veranstaltungen finden jeweils in einem 2-Tages-Block von Freitag bis Samstag statt.


Die Chancen, die im wirtschaftlichen Handeln in der Sozialwirtschaft stecken, sind nach Meinung von Professor Klaus Schellberg (siehe Foto) noch nicht ganz durchdrungen. „Wie oft heißt es, die Finanzierung ist zu eng und bei genauerer Analyse kommen dann Marketingprobleme, Steuerungsprobleme oder anderes zum Vorschein“, sagt er im Interview. Der Kurs „Betriebswirtschaftliche Steuerung von sozialen Organisationen“ kann nach Einschätzung von Schellberg Grundlagenwissen systematisieren und damit helfen, die richtigen Prioritäten zu setzen. Durch wirtschaftliches Handeln könne man sich finanzielle Spielräume schaffen, die dann wieder für die Realisierung sozialer Ziele eingesetzt werden könnte, so Schellberg. Schellberg ist einer der beiden Referenten des Zertifikatskurses. Er ist Professor für Betriebswirtschaft für Sozialunternehmen an der Evangelischen Hochschule in Nürnberg. Er leitet die Module 1 und 3: Grundlagen betriebswirtschaftlicher Steuerung und Finanzierung.

Nachfolgend lesen Sie das Interview mit Professor Schellenberg:

Ökonomie und soziale Arbeit sind keine Gegensätze. Hat sich diese Erkenntnisse nach Ihrer Einschätzung schon überall in der Sozialwirtschaft durchgesetzt?
In der Praxis ist sich wohl jeder bewusst, dass wirtschaftliches Handeln notwendig ist. Doch die Chancen, die darin stecken, sind oftmals noch nicht ganz durchgedrungen. Wie oft heißt es „die Finanzierung ist zu eng“ und bei genauerer Analyse kommen dann Marketingprobleme, Steuerungsprobleme oder anderes zum Vorschauen. Manchmal werden auch die Chancen und Gestaltungsräume für das soziale Ziel, die wirtschaftliches Handeln bietet, nicht genützt.

Wenn es schon keine Gegensätze sind, gibt es denn trotzdem Besonderheiten, die die Sozialwirtschaft von anderen Wirtschaftszweigen bei der betriebswirtschaftlichen Steuerung von Unternehmen unterscheidet?

Wir brauchen die Ökonomie nicht neu erfinden, sondern wir können 70 % übernehmen. Aber wir müssen anders mit unseren Zielen umgehen – die sind vielfältiger und eben nicht in Geldeinheiten messbar, wie in anderen Unternehmen. Wir haben einige Besonderheiten beim Rechnungswesen und bei den Steuern. Der Umgang mit öffentlichen Sozialleistungsträgern und den daraus resultierenden Entgeltkalkulationen ist einem „normalen“ Betriebswirt fremd.

Was ist aus Ihrer Sicht das Wichtigste, wenn man Betriebswirtschaft und soziale Unternehmerschaft zusammen denken will?
Ich spreche da mal als Betriebswirt: Uns muss klar sein, dass im Sozialunternehmen nicht die Ökonomie die Ziele setzt, sondern das Sozialunternehmen verfolgt vorrangig soziale Ziele. Aber uns muss halt auch klar sein, dass nicht jedes Ziel erreichbar ist und nicht alles, was als soziales Ziel deklariert wird, es auch wirklich ist.

Steht die Werteorientiertheit von sozialen Unternehmen nicht betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten im Wege – und wie löst man diesen Konflikt auf?
Das Stichwort heißt „Spielräume“: Wir müssen uns finanzielle Spielräume schaffen durch gutes betriebswirtschaftliches Handeln. Und die finanziellen Spielräume können wir für die schlecht finanzierten, aber wünschenswerten sozialen Ziele einsetzen, für Innovationen und Modellprojekte, für die Nachhaltigkeit.

Warum sind Kurse wie dieser Zertifikatskurs für Geschäftsführende aus sozialwirtschaftlichen Unternehmen wichtig? Wen würden Sie sich als Teilnehmende wünschen?

Ein solcher Kurs kann Grundlagenwissen, das ja alle Geschäftsführende schon haben, systematisieren und damit helfen, die richtigen Prioritäten zu setzen. Und erfahrungsgemäß gibt es in einem solchen Kurs dann immer wieder die Ideen, die Instrumente oder Sichtweisen, die ein Leuchten auf das Gesicht der TeilnehmerInnen bringen – und die sie dann für die eigene Organisation zum Ausprobieren mitnehmen.

Wenn Sie mehr zum Zertifikatskurs wissen wollen, wenden Sie sich an
Antje Steinborn, Leiterin der Paritätischen Akademie, E- Mail: , Tel. 036202/26227
Oder an Daniela Kahl, Referentin Bildung, E-Mail: , Telefon: 036202/26151

Weitere Infos und Anmeldung unter: http://buchung.parisat.de/index.php?option=com_extcalendar&Itemid=61&extmode=view&extid=1874http://buchung.parisat.de/index.php?option=com_extcalendar&Itemid=61&extmode=view&extid=1874

 

Tags: Paritätische Akademie Thüringen, Sozialwirtschaft, Zertifikatskurs Betriebswirtschaftliche Steuerung von sozialen Organisationen

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