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Es geht auch anders! Gemeinsam für Schutz und Zusammenhalt

Geflüchtete brauchen gute Startbedingungen

Neudietendorf, 19.06.2026 | Zum Internationalen Tag des Flüchtlings (20. Juni) fordert der Paritätische Thüringen eine konsequente Umsetzung sozialer Rechte für geflüchtete Menschen. Gute Startbedingungen sind keine Frage der Großzügigkeit – sie sind eine Frage der Menschenrechte. Und sie können und müssen auch auf Landesebene gestaltet werden. Aus diesem Grund ist der Paritätische Thüringen Mitunterzeichner des Memorandums „Es geht auch anders! Gemeinsam für Schutz und Zusammenhalt“, welches durch ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis aus Wohlfahrt, Menschenrechtsarbeit, Kirchen und Zivilgesellschaft ins Leben gerufen wurde. Das Memorandum wird von Amnesty International, dem AWO Bundesverband, dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband, der Diakonie Deutschland, Handicap International und PRO ASYL herausgegeben und von 275 Organisationen, darunter 68 Bundesorganisationen inklusive der Evangelischen Kirche Deutschland, mitgetragen.
Weltweit sind mehr als 120 Millionen Menschen auf der Flucht – so viele wie nie zuvor. Auch in Deutschland und seinen Bundesländern kommen täglich Menschen an, die Schutz suchen. Die entscheidende Frage ist nicht, ob diese Menschen da sind, sondern wie wir als Gesellschaft mit ihnen umgehen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband macht an diesem Tag deutlich: Drei Handlungsfelder sind auf Landesebene unmittelbar gestaltbar – und sie entscheiden darüber, ob Ankommen gelingt.

Dezentrale, bedarfsgerechte und barrierefreie Unterbringung#

Wer sicher wohnt, kann ankommen. Stabilität, soziale Kontakte und die Chance auf ein selbstständiges Leben entstehen dort, wo Menschen in echten Nachbarschaften leben – nicht in isolierten Sammelunterkünften. Deshalb brauchen geflüchtete Menschen die freie Wahl ihres Wohnorts und ihrer Unterbringungsart. Wo eine Unterkunft notwendig ist, muss sie dezentral, barrierefrei und möglichst in eigenen Wohnungen organisiert sein. Klare Gewaltschutzstandards schützen dabei besonders vulnerable Gruppen: Frauen, Kinder, Menschen mit Behinderungen und queere Personen. Gut geplante Unterbringung zahlt sich für alle aus – Infrastruktur, die heute für Geflüchtete entsteht, stärkt die gesamte Kommune.
Worüber wir jetzt reden müssen: Staatliche Unterbringung als Angebot – nicht als Pflicht.

Gute Startbedingungen durch unterstützende Strukturen

Wer ankommt, muss sofort loslegen können. Sprachkenntnisse sind die Grundvoraussetzung für Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und am Arbeitsmarkt – deshalb braucht es vom ersten Tag an kostenfreie, bedarfsgerechte und barrierefreie Sprachkurse. Parallel dazu müssen Kinder unmittelbar Zugang zu Regelschulen und Kitas erhalten, damit Bildungschancen nicht vom Aufenthaltsstatus abhängen. Eine sofortige Arbeitserlaubnis, kombiniert mit gezielter Qualifizierung und der unbürokratischen Anerkennung von Berufsabschlüssen, schafft echte Perspektiven. Inklusive Betreuungsangebote stellen sicher, dass auch Alleinerziehende, Menschen mit Behinderungen und pflegende Angehörige diesen Weg gehen können.
Worüber wir jetzt reden müssen: Integrationskurse, Schulzugang und Arbeitserlaubnis – für alle, ohne Wartezeit.

Teilhabe und Mitbestimmung – Gesellschaft gemeinsam gestalten
Zusammenleben gelingt nicht von selbst – es braucht Räume, Strukturen und den politischen Willen, alle einzubeziehen. Institutionen, die alle Bevölkerungsgruppen repräsentieren und sichtbar machen, stärken das Vertrauen in den Staat und machen Demokratie erlebbar. Dafür braucht es eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit Rassismus, Diskriminierung und Ausschlüssen – in Schulen, Behörden und Unternehmen gleichermaßen – sowie verlässliche Beschwerde- und Monitoringstrukturen. Offene Quartiere, Nachbarschaftstreffs und Kulturorte schaffen im Alltag die Begegnungen, aus denen Gemeinschaft wächst. Zivilgesellschaftliche Initiativen und migrantische Selbstorganisationen sind dabei unverzichtbare Partner: Wer das eigene Lebensumfeld mitgestalten kann, stärkt den Zusammenhalt vor Ort – und gehört dazu.

Worüber wir jetzt reden müssen:

Menschenrechtsbildung als Standard in Schulen und Erwachsenenbildung, Begegnungsorte als Pflichtaufgabe kommunaler Planung – und eine dauerhafte Finanzierung von Programmen wie „Demokratie leben" und „Gesellschaftlicher Zusammenhalt".

Für mehr Informationen kommen Sie hier zum unterzeichneten Memorandum.

Illustration: Christian Kirchner

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