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Bericht zu den Auswirkungen der Finanzkrise und der darauffolgenden Sparpolitiken auf die Gesundheit in Europa

Die Fachzeitschrift “The Lancet” hat einen Bericht zu den Auswirkungen der Finanzkrise und der darauffolgenden Sparpolitiken auf die Gesundheit in Europa veröffentlicht.

 

Er analysiert zunächst die Ursprünge der Wirtschaftskrise in Europa und die Reaktionen der nationalen Regierungen. Hierbei stehen europäische Entscheidungen im Vordergrund, die die Auswirkungen der Finanzkrise verstärkt oder abgeschwächt haben, insbesondere die Durchführung von Sparmaßnahmen oder aber die Ergreifung von Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft.

Die Auswertung eines an Experten in allen europäischen Mitgliedsstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gesendeten Fragebogens zeigt auf, wie unterschiedlich diese auf die Krise reagierten: Einige Länder (die Tschechische Republik, Estland, Italien, Litauen, die Slowakei) waren aufgrund vor der Krise ergriffener Maßnahmen besser auf diese vorbereitet und konnten durch antizyklische Politiken reagieren. In anderen Ländern wurden die entsprechenden Budgets geschützt (Belgien, Dänemark) oder eingefroren (Großbritannien), während andere Sektoren Kürzungen hinnehmen mussten. Einige Länder nutzten die Krise, um Kosten zu verringern, insbesondere im Krankenhaus- und Pharmabereich. Die Regierungen von Österreich, Lettland, Polen und Slowenien beispielsweise verbesserten ihre Position in Preisverhandlungen mit Pharmaunternehmen und die von Dänemark, Griechenland, Lettland, Portugal und Slowenien beschleunigten die Umstrukturierung ihres Krankenhaussektors. 13 Mitgliedsstaaten reduzierten die Gehälter des Gesundheitspersonals oder froren sie bzw. reduzierten die Steigerungsraten der Gehälter. Dies könnte Lohnungleichgewichte zwischen verschiedenen Ländern und somit die Abwanderung von Gesundheitsfachkräften verstärken. Zwar wurden zu Beginn keine Änderungen im Bereich des Umfangs oder der Breite der Gesundheitsversorgung vorgenommen, jedoch verringerten einige Staaten indirekt die Deckungsbreite der Gesundheitssysteme, indem sie Gebühren für bestimmte Leistungen erhoben. Dies führt dazu, dass der Zugang zu qualitativ hochwertiger Pflege erschwert wird und sich die Gesundheit der Bevölkerung verschlechtert.

Der Bericht stellt fest, dass Daten zu den Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung oft erst Jahre nach der Veröffentlichung wirtschaftlicher Daten verfügbar sind. Daher thematisiert sie im Folgenden frühere Wirtschaftskrisen und die damals festgestellten Auswirkungen auf das Gesundheitswesen, beispielsweise die von Arbeitslosigkeit sowie schlechterer Arbeitsbedingungen und anderer wirtschaftliche Indikatoren.

Einige Auswirkungen sind jedoch den Autoren zufolge jetzt schon erkennbar. Die Anzahl an Selbstmorden bei unter 65-jährigen ist in der EU seit 2007 angestiegen. Arbeitslosigkeit sowie Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes haben negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, wie beispielsweise in Griechenland, Spanien und Portugal festgestellt wurde. Islands Bevölkerung hingegen, die ebenfalls stark von der Krise betroffen war, sparpolitische Maßnahmen jedoch ablehnte, spürte kaum gesundheitliche Folgen der Krise. Die Verfasser des Berichts folgern daraus, dass die Kombination aus Sparmaßnahmen, wirtschaftlichen Schocks und gering ausgeprägten Sozialschutzes gesundheitliche und soziale Krisen eskalieren lässt.

Abschließend wirft der Bericht einen Blick in die Zukunft. Da die wirtschaftliche Erholung sehr langsam anlaufen wird, werden die Auswirkungen der Krise weiter anhalten. In dieser Zeit sind der Schutz der Gesundheit sowie der Zugang zu Gesundheits- und Sozialdienstleistungen gerade für die am meisten gefährdeten Mitglieder der Gesellschaft besonders wichtig. Er zieht mehrere Lehren aus den Ergebnissen: Zunächst stellt er fest, dass mangels aktueller Morbiditäts- und Mortalitätsdaten die genauen Auswirkungen der Krise auf die Gesundheit derzeit nicht zu berechnen sind, was dazu führt, dass sich die Politiken mehr auf wirtschaftliche Aspekte konzentrieren. Zudem stellt er fest, dass nur sehr wenig zu den Auswirkungen der Krise auf die Gesundheit geforscht wurde. Dem Bericht zufolge sollte insbesondere erforscht werden, wieso manche Bevölkerungsgruppen besser mit der Krise umgehen oder sich schneller von deren Auswirkungen erholen als andere. Schließlich betont er, dass kaum Meinungen von Vertretern des öffentlichen Gesundheitswesens zum Umgang mit den Auswirkungen der Krise eingeholt wurden. Auch das verantwortliche Generaldirektorat der Europäischen Kommission habe die Auswirkungen der Sparmaßnahmen nicht untersucht und nur Ratschläge zur Ausgabenkürzung auf nationaler Ebene gegeben. Jedoch stellt der Bericht abschließend fest, dass sich europäische Organisationen der Zivilgesellschaft zu gesundheitsschädigenden Auswirkungen von Sparmaßnahmen im Sozial- und Gesundheitswesen geäußert haben und appelliert an die Verantwortlichen, diese Analysen in Betracht zu ziehen.

Mehrere Textboxen zu den von der Troika in Griechenland unternommen Reformen sowie der Entwicklungen in Griechenland, Spanien, Portugal sowie Island komplettieren die Analyse.

Quelle: http://www.eufis.eu

Zur Fachzeitschrift „The Lancet“:

Kontakt

  • Ralf Schneider
    Referent Behindertenhilfe | Sozialhilferecht

  • Dr. Rainer Krüger
    Referent strategische Entgeltberatung

  • Regina Hartung
    Referentin für Gesundheit, Selbsthilfe, Suchthilfe und Psychiatrie

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